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Caritas-Präsident zum Thema Armut in Österreich - 30.10.09

Caritas-Präsident Franz Küberl bei der Rede zum Start der diesjährigen Inlandshilfekampagne.

Caritas-Präsident Franz Küberl bei der Rede zum Start der diesjährigen Inlandshilfekampagne.

Statement von Caritas-Präsident Franz Küberl vom 29. Oktober 2009 zumm Start der diesjährigen Inlandshilfekampagne:

Es ist unglaublich, aber wahr: Rund eine Million Menschen, das sind 12 Prozent der Gesamtbevölkerung, sind in Österreich arm oder gefährdet, in Armut abzurutschen. Die Betroffenen leben laut amtlicher Statistik unter der Armutsgrenze von derzeit 912 Euro netto (12 mal im Jahr). Ihnen fehlt oft das Geld für das Nötigste wie Heizmaterial, Kleidung, kleinere Reparaturen. Die alltäglichen Dinge, wie Essen, Hygieneartikel, Miete und Energiekosten gehen sich da oft  so recht und schlecht noch aus. Aber kommt beispielsweise der Schulschikurs für ein Kind dazu oder wird ein Haushaltsgerät kaputt, dann kann das die brüchige finanzielle Situation zum Kippen bringen. Nicht auszudenken, was passiert, wenn ein Familienmitglied krank wird oder einen Unfall hat. Armut macht auch einsam. Aus Angst und Scham ziehen sich viele Menschen zurück. Dazu kommt, dass ihnen auch einfach das Geld fehlt, mit Freunden ins Kino zu gehen, oder jemanden einzuladen.

Die Zahlen sind dramatisch und - was ebenso dramatisch ist - sie haben sich in den letzten Jahren kaum verändert. Entschlossenes politisches Handeln wäre hier von Nöten. Als Caritas sind wir sehr besorgt darüber,  dass die bedarfsorientierte Mindestsicherung, das zentrale sozialpolitische Projekt der letzten Jahre,  offensichtlich weiterhin von den Verantwortlichen in der Regierung verzögert wird. Wir haben jetzt November und es gibt noch immer keinen Gesetzesentwurf, obwohl im Sommerministerrat bereits eine Einigung verkündet wurde. Das Warten geht gerade in Zeiten der Krise zu Lasten der am härtesten betroffenen Familien.

Die Mindestsicherung ist aber nicht nur buchstäblich "not-wendig" sondern auch ein wichtiger Schritt zu mehr Transparenz, mehr Einheitlichkeit und klareren Rechtsansprüchen. Der Finanzminister will jetzt  ein Konto einführen, auf dem klar ersichtlich werden soll, welche Transferleistungen jede einzelne Bürgerin, jeder einzelne Bürger erhält. Dieses Konto hilft aber nichts, wenn wir täglich erleben, wie Menschen, die Hilfe brauchen, von einer Behörde zur anderen und von einem Amt zum anderen und wieder zurück geschickt werden. Oft werden sie dabei im Übrigen auch auf die Caritas verwiesen, obwohl eindeutig ein Sozialhilfeanspruch besteht, was besonders ärgerlich ist.
Diese Menschen brauchen schnelle und unbürokratische Hilfe aus einer Hand und nicht eine Spießrutenlauf zwischen den Ämtern und im Hintergrund werden dann vom Finanzminister darüber Daten auf einem Transferkonto gesammelt. 
Von einer wirklichen Verbesserung und Vereinfachung des österreichischen Sozialsystems sind wir meilenweit entfernt. Was wir neben mehr Transparenz im Sozialsystem vor allem brauchen, ist eine bürokratische Vereinfachung. So wäre eine Anlaufstelle für alle Sozialleistungen die günstigste, gerechteste und bürgerfreundlichste Lösung.
Zur Inlandskampagne 2009

Ich fordere die schnelle Umsetzung der bedarfsorientierte Mindestsicherung mit

  1. einer Vereinfachung des Sozialsystems, das bedeutet österreichweit einheitliche,  transparente Regeln für die unterstützten Menschen, aber auch eine Anlaufstelle für alle Sozialleistungen, also das so genannte One desk Prinzip
  2.  Anbindung an den Arbeitsmarkt
  3. Rechtsanspruch auf die Sozialleistungen

Im November sammelt die Caritas auch heuer wieder für notleidende Menschen in Österreich. Als Caritas sehen wir tagtäglich: Was für den einen eine ganz alltägliche Selbstverständlichkeit ist, kann für Menschen in Krisensituationen unmöglich erscheinen. Hilfe ist  möglich und Hilfe kann das Leben von Menschen verändern und ihm eine neue, positive Richtung geben. Deshalb bitte ich alle, die helfen können, um ihre Unterstützung.

Für Menschen, die in Armut leben müssen, sind ein warmes Essen, ein geheiztes Zimmer, ein schützendes Dach über dem Kopf nicht selbstverständlich. Für notleidende Menschen können sie sogar ein kleines Wunder bedeuten.
Konkret können Sie beispielsweise um 20 Euro ein Wunder wirken: So viel kostet ein eine Woche lang eine warme Mahlzeit für einen notleidenden Menschen in einer Caritas-Einrichtung.

Viele Menschen brauchen unsere Hilfe, damit sie einen Weg aus ihrer Not heraus finden können. Gemeinsam können wir dieses Wunder bewirken. Bitte helfen Sie!

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