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Flüchtlingstragödie - 08.04.11

Frau mit Baby am Arm links im Bild nimmt Windeln von zwei Personen rechts im Bild.Auch an der ägyptisch-libyschen und der tunesisch-libyschen Grenze unterstützt die Caritas Libyen-Flüchtlinge.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Flüchtlingstragödie im Mittelmeer, die sich vor der Küste Lampedusas ereignete, hat der italienische Erzbischof Bruno Forte hat den EU-Staaten eine Abschottung gegenüber Migranten aus Nordafrika vorgeworfen. Die Politik der europäischen Regierungen sei von der Sorge um den eigenen Wohlstand und der Angst vor dem Fremden bestimmt, kritisierte Forte in einem Interview mit der römischen Tageszeitung "Il Messaggero". Europa dürfe sich nicht auf die Rolle eines "passiven Zuschauers" beschränken und in Unbeweglichkeit verharren. Der renommierte Erzbischof der mittelitalienischen Diözese Chieti wies auch auf eine besondere Verantwortung der tunesischen Behörden sowie der italienischen Regierung zum Schutz der Flüchtlinge hin. 

Unterdessen teilte der italienische Caritasverband mit, dass er über seine Einrichtungen landesweit rund 3.000 Plätze für Migranten zur Verfügung stellen kann. Nationaldirektor Vittorio Nozza forderte zudem eine zeitlich begrenzte Aufenthaltsgenehmigung auch für jene Migranten aus Nordafrika, die Lampedusa künftig erreichen. Dieser Status solle ihnen eine gewisse Bewegungsmöglichkeit innerhalb der EU gewähren, sagte der Leiter der katholischen Wohlfahrtsorganisation gegenüber der Turiner Tageszeitung "La Stampa". Nozza sprach sich auch für die Errichtung "humanitärer Korridore" durch die internationale Staatengemeinschaft aus, um die Flüchtlingsströme wirksamer kontrollieren und schützen zu können.  

Der Caritasverband hat nach eigenen Angaben dem italienischen Innenministerium bereits vor sechs Wochen das Angebot unterbreitet, Flüchtlinge in kirchlichen Einrichtungen aufzunehmen. Diese Hilfe sei bisher aber nur in der Region Toskana in Anspruch genommen worden. Das jüngste Schiffsunglück vor der Küste von Lampedusa mit möglicherweise mehr als 250 Toten sei eine "weitere Tragödie der Migration im Mittelmeer", berichtete unterdessen die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" . Die Gewässer vor Nordafrika entwickelten sich zunehmend zu einem "Meer der Verzweiflung".  

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