Libanon
Von Vertreibung und Krisen betroffene Kinder werden in regionalen Bildungsprogrammen unterstützt.
Libanon in der Krise: Millionen Menschen brauchen Hilfe
zuletzt aktualisiert: 10.08.2026
Im Libanon sind aufgrund des Krieges im Nahen Osten aktuell weiterhin mehr als 800.000 Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht. Wir leisten mit unseren Partnern vor Ort lebenswichtige Hilfe: Wir bringen Menschen in Sicherheit, leisten medizinische Versorgung, verteilen Lebensmittel sowie Hygieneartikel und stellen Matratzen für Notunterkünfte bereit.
All das trifft Menschen, die im Libanon ohnehin seit Jahren eine der schwersten humanitären Krisen der Region erleben. Für die Menschen heißt das: Angst, Unsicherheit und ständige Gefahr. Viele Familien müssen fliehen und brauchen dringend Schutz und Hilfe.
Die humanitäre Lage bleibt dramatisch: Rund 4,1 Millionen Menschen sind auf Unterstützung angewiesen – bei Unterkunft, Nahrung, medizinischer Versorgung, Bildung, Wasser, Hygiene und durch finanzielle Hilfe. Armut und Not nehmen weiter zu: Schätzungen zufolge leben inzwischen 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung unter der nationalen Armutsgrenze. Viele Familien können sich das Notwendigste kaum noch leisten. Besonders schwer trifft es geflüchtete Menschen: Fast 90 Prozent der syrischen Flüchtlinge im Libanon können ihre Grundbedürfnisse nicht decken.
So hilft die Caritas:
Aktuell unterstützen wir vor allem mit
- medizinischer Versorgung und wichtigen Gesundheitsdiensten,
- psychologischer Unterstützung,
- Unterkünften für Familien,
- Zugang zu Bildung,
- Schutz und Unterstützung von Arbeitsmigrant*innen und besonders schutzbedürftigen Menschen im Libanon.
Die wichtigsten Fakten zur Lage im Libanon
- Schätzungen zufolge leben 80 % der libanesischen Bevölkerung und 9 von 10 syrischen Flüchtlingen unter der Armutsgrenze.
- Rund 2,7 Millionen Menschen verfügen nur über eingeschränkten Zugang zu sicherem Wasser und sanitären Einrichtungen.
- Der Libanon zählt zu den weltweit am stärksten von Trinkwasserknappheit betroffenen Ländern, verschärft durch wirtschaftlichen Zusammenbruch, Stromknappheit und marode Infrastruktur.
- Seit Beginn der Krise 2019 hat die libanesische Währung über 90 % ihres Wertes verloren.
- Trotz sinkender Inflation bleiben die Lebenshaltungskosten hoch, besonders für Menschen, die in der abgewerteten Lira verdienen.
- Der Libanon beherbergt laut Regierung rund 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge, bei UNHCR sind (Stand: Ende Dezember 2025) rund 532.000 registriert.
- Etwa 38 % der Erwachsenen und mehr als die Hälfte der jungen Menschen (15–24 Jahre) sind arbeitslos.
- 85 % der Bevölkerung fehlt der Zugang zu notwendigen Medikamenten.
- Die Stromversorgung ist stark eingeschränkt und unzuverlässig: In einigen Regionen gibt es zwar mittlerweile 4 bis 6 Stunden Strom täglich, die meisten Menschen sind auf teure private Generatoren angewiesen.
- Die Bildungskrise ist gravierend: Rund 1,3 Millionen Kinder im schulpflichtigen Alter benötigen Unterstützung, um Zugang zu Bildung zu erhalten.
- Jedes dritte Kind geht nicht zur Schule oder erhält keinen Unterricht.
- Über 660 Notunterkünfte, häufig in Schulen, wurden eingerichtet.
Unsere Projekte im Libanon
Trotz der vielen Herausforderungen innerhalb des Landes bleibt der Libanon ein Zielland für viele asiatische und afrikanische Arbeitsmigrant*innen, die jedoch hohen Schutzrisiken ausgesetzt sind und leicht Opfer von Zwangsarbeit werden. Das Projekt LEA zielt darauf ab, Zwangsarbeit und Ausbeutung im Libanon zu reduzieren, indem der Schutz und der Zugang zu rechtlichen Schritten für Arbeitsmigranten verbessert werden. LEA richtet sich an staatliche Behörden, Strafverfolgungsbehörden, NGOs und zivilgesellschaftliche Organisationen, um deren Fähigkeiten zur Identifizierung von Opfern von Missbrauch zu stärken und den Zugang zu Justiz und Schutzmechanismen zu verbessern. Insgesamt 7.500 Arbeitsmigrant*innen werden über das Projekt LEA erreicht und mit direkten Hilfsleistungen, Sensibilisierung und rechtlichem Beistand im Libanon unterstützt.
- Fördergeber: EuropeAid, ADA und Caritas Österreich (Eigenmittel)
- Projektlaufzeit: 1. Jänner 2024 - 31. März 2027
Kindern im Libanon durch Traumabewältigung, Spiel und Lernmethoden neues Vertrauen und Lebensfreude schenken
Der Libanon befindet sich seit Jahren in einer tiefen Krise. Neben dem schweren wirtschaftlichen Zusammenbruch, der viele Familien in Armut gestürzt hat, haben wiederholte bewaffnete Konflikte und Vertreibungen das Leben hunderttausender Menschen geprägt. Während der jüngsten Kämpfe Anfang 2026 mussten erneut Hunderttausende Kinder ihre Heimat verlassen, Schulen wurden beschädigt oder als Notunterkünfte genutzt und der Unterricht erneut unterbrochen. Trotz momentaner Waffenruhe, die immer wieder auf wackligen Beinen steht, leiden viele Kinder und Lehrkräfte weiterhin unter den psychischen Folgen von Gewalt, Unsicherheit und Verlust. Gleichzeitig ist das ohnehin stark belastete Bildungssystem kaum in der Lage, diesen Herausforderungen gerecht zu werden.
Das Projekt „Play-based Education and Psychosocial Support for Children and Teachers in Lebanon”, das wir mit unserer Partnerorganisation Seenaryo durchführen, setzt genau hier an. Seenaryo (ein langjähriger Partner von CÖ im Rahmen der ersten Phasen des RHEPs Programms) setzt gezielt auf kreative Aktivitäten, um die Resilienz und das Selbstvertrauen der betroffenen Kinder zu stärken. Es unterstützt Kinder dabei, belastende Erfahrungen zu verarbeiten und wieder Freude am Lernen zu entwickeln. Denn Kinder, die Krieg und Vertreibung erlebt haben, brauchen Sicherheit, Vertrauen und emotionale Stabilität, damit sie wieder erfolgreich lernen können.
Das Projekt läuft über 12 Monate und es werden 840 Kinder im Alter von drei bis acht Jahren sowie 120 Lehrkräfte in besonders vom Konflikt betroffenen Regionen des Libanon – darunter Südlibanon, die Bekaa-Ebene und Baalbek – erreicht. Durch spielerische Lernmethoden, Geschichten, Musik, Bewegung und kreative Aktivitäten stärken die Kinder ihre sozialen und emotionalen Kompetenzen, lernen mit belastenden Gefühlen umzugehen und gewinnen neues Selbstvertrauen. Das Angebot richtet sich gleichermaßen an Mädchen und Jungen und wird so gestaltet, dass auch Kinder mit Behinderungen oder besonderen Förderbedarfen möglichst umfassend teilnehmen können.
Gleichzeitig erhalten die Lehrkräfte praxisnahe Fortbildungen zu spielbasiertem, kindgerechtem Unterricht sowie zu grundlegenden psychosozialen Unterstützungsansätzen. Viele von ihnen stehen selbst unter enormem Druck und fühlen sich nicht ausreichend darauf vorbereitet, traumatisierte Kinder im Schulalltag zu begleiten. Durch die Schulungen und den dauerhaften Zugang zu der digitalen „Playkit“-Lernplattform erwerben sie Fähigkeiten, die sie langfristig in ihrem Unterricht einsetzen können. So profitieren nicht nur die unmittelbar teilnehmenden Kinder: Die geschulten Lehrkräfte werden ihr Wissen auch in den kommenden Jahren anwenden und damit voraussichtlich rund 5.000 weitere Kinder erreichen.
Das Projekt verbindet damit akute Hilfe für Kinder mit einer nachhaltigen Stärkung des Bildungssystems. Indem es Kinder emotional stärkt und Lehrkräfte befähigt, ein sicheres und unterstützendes Lernumfeld zu schaffen, leistet es einen wichtigen Beitrag dazu, dass Schulen zu Orten werden, an denen Heilung, Hoffnung und Zukunftsperspektiven wachsen können – und unterstützt so idealerweise auch den langfristigen Wiederaufbau des Libanon.
Projektlaufzeit: 1. August 2026 - 31. Juli 2027
Fördergeber: Caritas Österreich
Dieses Projekt zielt darauf ab, den unmittelbaren psychischen Gesundheitsbedarf von krisenbetroffenen Bevölkerungsgruppen – darunter Geflüchtete, Migrant:innen, Libanes:innen sowie humanitäre Helfer:innen – zu adressieren, indem psychosoziale Unterstützungsangebote (Mental Health and Psychosocial Support, MHPSS) bereitgestellt werden. Diese sollen die psychologischen Auswirkungen der anhaltenden Krise lindern und die langfristige Resilienz stärken. Die Umsetzung erfolgt über zwei Primärgesundheitszentren (Primary Health Care Centres, PHCCs) in Sour/Tyr und Bazourieh sowie über mehrere Amel-Zentren im Süden, in Beirut und Bekaa. Das erste Ziel besteht darin, das psychische Gesundheit und psychosoziale Wohlbefinden von 653 krisenbetroffenen Personen im Süden des Libanon zu verbessern – durch spezialisierte Gesundheitsdienste wie Psychotherapie und psychiatrische Konsultationen. Das zweite Ziel ist es, das Wohlbefinden und die Resilienz von 70 humanitären Helfer:innen in Beirut, dem Libanonberg und dem Süden zu stärken – durch gezielte psychosoziale Unterstützungsmaßnahmen wie PSS-Sitzungen (psychosoziale Unterstützung) und spezifische Psychotherapie.
- Fördergeber: Caritas Österreich
- Projektlaufzeit: 1. August 2026 – 31. Juli 2027
Ältere Menschen im Libanon gehören zu den am stärksten von der anhaltenden Krise betroffenen Gruppen. Der wirtschaftliche Zusammenbruch, die Eskalation von Gewalt und die massive Binnenflucht verschärfen ihre Isolation und den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen. Das Projekt SHARE verbessert gezielt den Zugang zu Gesundheitsversorgung und psychosozialer Unterstützung für ältere Menschen (>60 Jahre) in der Region Akkar, einem der ärmsten und am wenigsten entwickelten Gebiete des Landes. Durch mobile Gesundheitsdienste und psychosoziale Betreuung werden 300 besonders gefährdete ältere Personen erreicht. Gemeinschaftliche Aktivitäten fördern zudem den sozialen Zusammenhalt und wirken Isolation sowie Vernachlässigung entgegen. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Linderung akuter Bedürfnisse und ermöglicht ein würdevolleres Leben inmitten der Krise.
- Fördergeber: Caritas Österreich
- Projektlaufzeit: 1. Februar 2026 - 31. Dezember 2026
Dieses Bildungsprojekt wird zusammen mit der Caritas Libanon umgesetzt. Es ermöglicht schutzbedürftigen Kindern Zugang zu qualitativ hochwertigen Bildungsangeboten. Die Kinder werden außerdem durch psychosoziale Maßnahmen unterstützt, um die Folgen von Krieg und Vertreibung bestmöglich bewältigen zu können. Lehrkräfte werden gezielt weitergebildet, um gefährdeten Kindern Schulinhalte lernzentriert und unter Berücksichtigung ihrer besonderen Bedürfnisse vermitteln zu können. Eltern und Erziehungsberechtigte der Kinder werden durch spezielle Angebote in das Programm miteinbezogen. Die Partnerschulen profitieren zudem von einer Verbesserung der schulischen Infrastruktur, die allen Schüler*innen zugutekommt. Das Bildungsprogramm RHEP IV (Regional Holistic Education Programm) unterstützt im Libanon knapp 365 Kinder und Lehrkräfte.
- Fördergeber Schuljahr 2025/2026: Caritas Österreich
- Projektlaufzeit: 1. September 2025 bis 31. August 2026 (über 500 Begünstigte)
Das Bildungsprogramm umfasst dieses Schuljahr im Libanon 3 Schulen der Caritas Libanon, die sich auf Kinder mit verschiedenen Formen von Behinderungen spezialisiert haben. Dabei werden vielfältige Komponenten und Aktivitäten für die verschiedenen Altersgruppen zwischen Kindergartenalter und 18 Jahren angeboten, mit dem Ziel, sie für ein Leben in der Gesellschaft vorzubereiten.
Partner: Caritas Libanon (Emergency Appeal)
Der Libanon befindet sich weiterhin in einer tiefgreifenden humanitären Krise, verschärft durch bewaffnete Auseinandersetzungen, großflächige Vertreibungen und den anhaltenden Zusammenbruch staatlicher Grundversorgung. Seit Frühjahr 2026 sind infolge der Eskalation der Gewalt insbesondere im Süden des Landes, in der Bekaa-Ebene und in Teilen von Beirut über eine Million Menschen innerhalb des Landes vertrieben worden. Viele der betroffenen Familien lebten bereits zuvor in Armut und sehen sich nun mit akutem Mangel an Nahrung, medizinischer Versorgung, sicherem Wohnraum und Schutz konfrontiert.
Die Caritas Libanon reagiert mit einem landesweiten, multisektoralen Nothilfeprogramm, das sich an besonders verletzliche Binnenvertriebene sowie konfliktbetroffene Bevölkerungsgruppen richtet.
Dank eines dichten Netzes von Sozialzentren, Gesundheitsstationen, mobilen Teams und Schutzunterkünften kann die Hilfe flexibel und bedarfsorientiert im gesamten Land umgesetzt werden – sowohl in Sammelunterkünften als auch in Gastgemeinden. Ziel aller Maßnahmen ist es, Leben zu retten, Würde zu wahren und den betroffenen Menschen einen sicheren Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen zu ermöglichen, solange der Konflikt und seine Folgen andauern.
Über unsere Partnerorganisation Caritas Libanon werden konflikt- und fluchtbetroffene Menschen mit lebensrettender medizinischer Versorgung, psychosozialer Betreuung und Schutzangeboten unterstützt. Betroffene Familien erhalten Bargeldhilfe, Lebensmittel, Hygiene- und Hilfsgüter, um ihre dringendsten Grundbedürfnisse zu decken. Besondere Unterstützung gilt Frauen, Kindern, älteren Menschen, Menschen mit Behinderungen und Migrant*innen, unter anderem durch Schutzunterkünfte und individuelle Beratung. Die Hilfe wird landesweit über Gesundheitszentren, mobile Teams und soziale Einrichtungen umgesetzt.
- Fördergeber: Caritas Österreich
- Projektlaufzeit: 1.3. bis 30.11.2026
Kinderschutz
Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Missbrauch, Gewalt, Ausbeutung und Vernachlässigung hat in unserer Arbeit oberste Priorität. Mithilfe von Child Safeguarding, dem institutionellen Kinderschutz, gewährleisten wir, dass Kinder innerhalb unserer eigenen Organisation geschützt und in Sicherheit sind.