Jahresberichte
Jahresbericht 2008: Caritas & Du
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CARITAS & DU
"I bin do net die Caritas" heißt es oft, wenn Menschen ausdrücken möchten, dass sie eine bedürftige Person nicht unterstützen können oder wollen. Wenn ich an die Person denke, die Hilfe braucht, macht mich dieser Ausspruch natürlich betroffen. Interessant ist aber, dass die Leute sehr genau wissen, wofür die Caritas steht: Für Hilfe genau dort, wo niemand mehr hilft.
Vor allem freut mich freilich die Tatsache, dass der Spruch für viele, viele tausend Menschen in Österreich, auch in schwierigen Zeiten (Stichwort: Lebensmittelteuerungen, beginnende Wirtschaftskrise) nicht gilt. Jene, die uns ihre Zeit, ihre Aufmerksamkeit, ihr Gebet, ihr Vertrauen, ihre Spende schenken, die tausenden SpenderInnen, die 10.835 hauptberuflichen und über 27.000 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen: Sie alle sind die Caritas. Sie alle lassen sich von der Not und dem Schicksal anderer betreffen und setzen konkrete Taten. Es ist dieses "Du", das die Caritas ausmacht. Es ist dieses Du, das allein gelebte Nächstenliebe verständlich und wirkmächtig macht.
Dieser Jahresrückblick zeugt von dem, was herauskommt, wenn Menschen auf die Situation ihrer Mitmenschen hinsehen und handeln: ein österreichweites Lichtermeer etwa, das den Wunsch nach einem friedlichen und solidarischen Miteinander zum Ausdruck bringt. Oder mehr als 350.000 Stunden, die Jugendliche gratis und ehrenamtlich im Rahmen der "72 Stunden ohne Kompromiss" gearbeitet haben. (siehe S. 10) Oder auch Essen, Wasser, Kleidung, Hygieneartikel und Notunterkünfte für rund 160.000 Katastrophenopfer (S. 18).
Politisch gab es 2008 immerhin erfreuliche Fortschritte im Pflegebereich. So wurde ein Pflegefonds zur Finanzierung im Regierungsprogramm festgeschrieben. Das wichtige Thema Demenz rückt in den Blickpunkt der politischen Aufmerksamkeit. Bleibt zu hoffen, dass auch die dringend anstehende und immer wieder verschobene Einführung der bedarfsorientierten Mindestsicherung in naher Zukunft das Licht der Welt erblickt. Die Wirtschaftskrise ist noch nicht in der ganzen Wucht bei den Menschen angekommen. In den nächsten Monaten hat die Solidarität ihre Nagelprobe. Hier in Österreich. Und in den sogenannten Entwicklungsländern. Die im Dezember 2008 politisch vereinbarte Spendenabsetzbarkeit sollte mithelfen, die Hilfsbereitschaft der ÖsterreicherInnen zu beflügeln.
Bei allem, was noch zu tun ist, ist auch schon viel geschehen. Ein großes Dankeschön allen, die in diesem Jahr dazu beigetragen haben, dass die Caritas nicht an den Pforten der Caritas-Einrichtungen endet, sondern als farbenprächtiges, solidarisches Miteinander die Gesellschaft durchdringt!
Franz Küberl
Caritas-Präsident

