Jahresbericht 2006

Jahresbericht 2006: "Liebesbrief" als Programm

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Zum Jahreswechsel 2005/2006 überrascht uns der neue Papst mit einem besonderen Geschenk: In seiner Antrittsenzyklika »Deus est caritas - Gott ist die Liebe« macht Benedikt XVI. sich über das »Liebesleben« Gottes und der Menschen Gedanken. Für die Caritas und alle Katholiken ist das erste Rundschreiben des Papstes vor allem eine konkrete Aufforderung, nicht wegzuschauen, sondern hinzuschauen, und im Einsatz für Menschen zuzupacken und etwas auszuhalten. Schon das »Hinschauen« kommt freilich heutzutage des Öfteren zu kurz: Denn sind wir nicht alle bestrebt, uns eine schöne, heile Welt zu eigen zu machen, dem ungestörten Fruchtgenuss des Reichtums zu frönen und dabei die leidvolle Seite des Lebens auszublenden? Das Paradies aber lässt sich nicht auf morschen Pfählen errichten! Unsere Welt braucht Heilung, und zwar an vielen Ecken und Enden:
 
Zum Beispiel arme Menschen mitten unter uns in Österreich, die ihre Existenzgrundlage verloren haben, weil sie keine Arbeit mehr finden. In den Beschäftigungs- und Arbeitsprojekten der Caritas erhalten rund 750 Personen neue Chancen, den Weg zurück zu einer Beschäftigung zu finden.
 
Zum Beispiel Mütter mit ihren Kindern, die kein Zuhause haben. In den acht Mutter-Kinder Einrichtungen der Caritas erhalten Mutter und Kind Zuflucht und Unterstützung.
 
Zum Beispiel die Kinder des Südens der Welt, denen wir die Augustsammlung 2006 gewidmet haben, um auf einen himmelschreienden, und doch ungehörten Skandal aufmerksam zu machen: Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind an Hunger.
 
Zum Beispiel Opfer des Krieges und der Verfolgung, die in riesigen Lagern ohne Hoffnung leben. Im Libanon und in der Ukraine hilft die Caritas bei deren Versorgung mit dem Nötigsten mit.
 
Zum Beispiel Asylwerber, »die bleiben sollen, wo der Pfeffer wächst«, auch wenn sie dort, von wo sie geflüchtet sind, zugrunde gehen. Rund 570 Caritas-MitarbeiterInnen stehen AsylwerberInnen und MigrantInnen zur Seite. Sie alle erinnern uns daran, dass unsere Welt unvollkommen ist, und dass es unseren Einsatz und unsere Fähigkeiten des Miteinanders braucht, damit sie Stück um Stück besser, Mensch um Mensch liebenswerter wird.
 
Caritas ist kirchlicher Auftrag in Pfarren, Diözesen und christlichen Gemeinschaften. Sie ist aber auch Einladung an alle Menschen, an einer solidarischeren Welt mitzubauen. Ich denke hier an die vielen Ehrenamtlichen wie zum Beispiel an die HaussammlerInnen oder die Jugendlichen von youngCaritas.at, aber auch an die vielen PartnerInnen aus Wirtschaft und Politik, die unsere Arbeit und Anliegen unterstützen. Ihnen allen ein herzliches Dankeschön!
 
Franz Küberl,
Caritas Präsident

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