Caritas zu Integrationsbericht: „Wir brauchen nachhaltige Lösungen und keine kurzfristigen Notmaßnahmen!“

16.08.16

Landau: „Österreich ist als Land sehr gut aufgestellt, bei uns herrscht kein Notstand. Für die Zukunft ist ein Gesamtkonzept für Flucht, Migration und Integration nötig.“

„Flucht und Migration sind Grundrealitäten menschlichen Lebens. In einer Welt, die sich immer schneller dreht und die immer weiter zusammenwächst, brauchen wir in Österreich und in Europa dringend ein Gesamtkonzept zu diesen Fragen“, fordert Caritas Präsident Michael Landau anlässlich der Präsentation des Integrationsberichts. „Viele Menschen spüren aufgrund der aktuellen Veränderungen eine Verunsicherung. Es ist daher umso wichtiger, bei den Fakten zu bleiben. Nur mit Vernunft und Sachlichkeit können wir die Herausforderungen gemeinsam bewältigen.“

Integrationsbemühungen verstärken: wer hier spart, spart teuer!

„Der heute vorgelegte Integrationsbericht merkt positiv an, dass das Integrationsklima in Österreich besser ist als im Vorjahr – ein deutliches Anzeichen dafür, dass die Österreicherinnen und Österreicher einen differenzierten Blick haben und solidarischer mit Menschen in Not sind, als von Politik und Medien oftmals dargestellt“, so Landau.
„Integration passiert in der konkreten Begegnung zwischen Menschen. Integration passiert zwischen Mitbürgern und Nachbarn, deshalb kommt den Gemeinden hier eine entscheidende Rolle zu. Für eine ausgewogene Verteilung der Geflohenen müssen nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land Perspektiven geschaffen werden. Wir müssen unsere Anstrengungen, etwa beim Ausbau von Bildungs- und Qualifizierungsangeboten, insbesondere für junge Menschen, intensivieren“, appelliert Landau. „Uns muss bewusst sein, dass kurzfriste Kosten und Investitionen sich mittel- und langfristig rechnen werden. Integration zu erleichtern, heißt Sprachförderung von Anfang an zu ermöglichen. Arbeit ist ein hervorragender Integrationskatalysator. Es ist kurzsichtig, Menschen, insbesondere junge AsylwerberInnen, zum Nichtstun zu zwingen. Denn nur wer Zugang zum Arbeitsmarkt hat, kann einen gesellschaftlichen Beitrag leisten.“ Landau weiter: „Die Bemühungen von Bundesminister Sebastian Kurz und Staatssekretärin Muna Duzdar für ein Integrationspaket sind zu würdigen und der Integrationsbericht macht nicht nur wichtige Projekte sichtbar, sondern auch den Fortschritt deutlich. Aber diesen Weg müssen wir, gerade auch angesichts der aktuell fordernden Situation, entschieden weitergehen.“

Notverordnung gefährdet Menschenrechte

„Es ist nachvollziehbar, wenn Bundeskanzler, Vizekanzler, Außen- und Innenminister dafür Sorge tragen, dass Österreich die Instrumente hat, um mit einer größeren Flüchtlingsbewegung auch dann gut umzugehen, wenn keine europäische Lösung gelingen sollte“, so Landau. „Aber Österreich ist gut aufgestellt. Ich sehe keinen Notstand, auch dort nicht, wo es um Menschen auf der Flucht geht. Die Zahl der verfügbaren Arbeitsplätze ist keine statische Größe. Die Aufnahmefähigkeit des heimischen Arbeitsmarktes ist abhängig von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes. Die Politik ist an dieser Stelle gefordert, mit Ideen und weniger Bürokratie neue Chancen zu schaffen.“
Wenn jetzt eine Notverordnung in Kraft tritt, würde das einerseits einen nicht vorhandenen Notstand in Österreich konstruieren und andererseits Menschenrechte massiv gefährden, so Landau. Die Notverordnung würde etwa das Recht auf Asyl gefährden, weil die Asylgründe nur noch in wenigen Ausnahmefällen geprüft würden.

Langfristige Lösung: Fluchtursachen bekämpfen

„Es geht darum, Menschen vor Ort in den Krisenregionen dieser Welt zu helfen. Klar ist: Die Hilfe vor Ort hilft nicht von heute auf morgen. Dennoch und gerade auch deshalb können und müssen wir den Menschen bereits heute dabei unterstützen, Sicherheit und Perspektiven für sich und ihre Kinder zu finden. Auch ein kleines Land wie Österreich könnte hier humanitäre Größe beweisen und einen Beitrag leisten, nicht zuletzt im Bereich Entwicklungszusammenarbeit, wo die Bundesregierung trotz geplanter Erhöhungen noch immer weit von ihren selbst gesteckten Zielen entfernt ist“, so Landau.


(Presseaussendung 16.8.2016)