„Wir stiften zur Solidarität an“ - Buch von Caritas Präsident Michael Landau

05.09.16

Porträtfoto von Caritas Präsident Michael Landau

Foto: Brandstätter Verlag

"Der Schlüssel zum Glück liegt in unserer Menschlichkeit", sagt unser Präsident Michael Landau in seinem ersten Buch "Solidarität", das gestern erschienen ist. Denn der wahre Schlüssel zu einem geglückten Leben liege nicht darin, sich nur um das eigene, sondern gerade auch um das Glück der anderen zu sorgen. Ein Interview zur Buchveröffentlichung.

 

Worum geht's in dem Buch?

Michael Landau: Um Solidarität und darum, dass es zum Gelingen einer Gesellschaft auf jede und jeden von uns ankommt. Das Buch führt an Orte der Not, die ja oft auch Orte der Hoffnung und des Neuanfangs sind.  Orte, an denen Caritas Arbeit passiert.  Schließlich stiften wir mit unserer täglichen Arbeit ja auch zur Solidarität an.  So gesehen will ich unseren MitarbeiterInnen, die in so vielen unterschiedlichen Bereichen im Einsatz sind, mit diesem Buch auch ein kleines Denkmal setzen, für ihren unglaublichen Einsatz und ihr Engagement Danke sagen. Und es ist auch der Versuch, diese Arbeit zu würdigen und andere Menschen zu motivieren, sich auch in ihrem Umfeld für andere Menschen einzusetzen.

 

Das Buch heißt „Solidarität. Anstiftung zur Menschlichkeit.“ Wieso erscheint es gerade jetzt?

Michael Landau: Es gibt zwei Gründe: einen recht simplen und einen zweiten tiefer gehenden. Profan deshalb, weil ich vor etwas mehr als einem Jahr vom Verlag gefragt wurde und vielleicht etwas zu spontan „Ja“ gesagt habe. Tiefer gehende Gründe, weil ich glaube, dass die Menschen in unserem Land nicht nur immer hören wollen, wie schrecklich die Welt doch ist, sondern auch wissen wollen, was sie selbst zum Gelingen von Gesellschaft beitragen können. In Österreich, in Europa, aber auch weltweit gesehen. Ich glaube, die Arbeit, die wir als Caritas leisten, kann für die Gesellschaft insgesamt sehr anregend, entängstigend und ermutigend sein.

 

Wie darf man „zu spontan zugesagt“ verstehen?

Michael Landau: Ich habe wohl unterschätzt, was es heißt, ein Buch zu schreiben. 200 Seiten zu lesen ist das eine. Sie zu schreiben etwas anderes. Ein herzliches Danke daher auch an all jene KollegInnen, die mich in diesem einem Jahr bei dieser Arbeit begleitet haben – mit ihrem Feedback, ihrer Kritik und ihrer Expertise. Vor allem aber hätte das Buch nicht geschrieben werden können, wenn uns nicht auch so viele KlientInnen von ihrer konkreten Lebenssituation berichtet hätten – ganz gleich, ob nun in der Gruft, in Notquartieren in Rumänien oder in Flüchtlingslagern im Libanon. Ihnen allen und unseren MitarbeiterInnen habe ich das Buch daher auch gewidmet.

 

Was steht drinnen, was man nicht ohnedies schon weiß?

Michael Landau: Die Frage ist vermutlich verkehrt. In Zeiten, die von Echtzeitberichten, Eilt-Meldungen und von Live-Tickern geprägt sind, stellt dieses Buch schon auch den Versuch dar, durchzuatmen, einen Schritt zurückzutreten und sich selbst und uns alle zu fragen: Worauf kommt es an und was ist uns tatsächlich wichtig – im nationalen, im europäischen und auch im weltweiten Kontext?

 

Und was „ist wirklich wichtig“?

Michael Landau: Zu allererst: Das Buch erst aus der Hand zu legen, wenn man es zu Ende gelesen hat. Nein, im Ernst: Ich meine, die Schlagzeilen des vergangenen Jahres – Rekordarbeitslosigkeit, Syrien, Brexit, Ukrainekrise und Terror – sind allesamt dazu angetan, den Einzelnen zu überfordern, zu überfrachten und im schlimmsten Fall zu lähmen. Ich glaube aber, dass das Gegenteil nun wichtig wäre: Zusammenhalt und das Bewusstsein, dass wir etwas ändern können, dass wir als Gesellschaft den Mut, die Phantasie und die Möglichkeit haben, Gegenwart und Zukunft gut zu gestalten. Nicht zuletzt brauchen wir so etwas wie eine Renaissance der Zivilgesellschaft – so wie wir sie etwa im vergangenen Jahr an den Bahnhöfen und in den vielen Gemeinden und an den Grenzübergängen schon erleben durften. Darüber hinaus sind aber auch VerantwortungsträgerInnen in Wirtschaft und Politik gefordert. Auch sie sind im Bemühen nach mehr Gerechtigkeit gefordert. Dahinter steht die kirchliche Überzeugung, dass man nicht als Liebesgabe anbieten darf, was schon aus Gerechtigkeit geschuldet ist. Man muss also die Ursache der Übel bekämpfen und nicht nur die Symptome.

 

Klingt nach schwerer und niederschmetternder Kost?

Michael Landau: Ist es nicht. Das Buch ist nicht mit erhobenem Zeigefinger geschrieben, sondern in dem Wissen, dass eine bessere Zukunft möglich ist. Unsere MitarbeiterInnen wissen: Die Caritas ist nicht die Abteilung Gram und Leid in der Gesellschaft, sondern oft auch jener Ort, an dem eine Wendung hin zum Positiven möglich ist.

 

Wird’s einen zweiten Teil geben?

Michael Landau: 200 Seiten sollten reichen. Und: Ich bin auch ohne Buchschreiben ganz gut ausgelastet. Mir wird nicht fad.

  

Was geschieht mit den Erlösen aus dem Buchverkauf?

Michael Landau: Ich bin mir nicht sicher, ob man heutzutage noch Geld mit dem Schreiben von Büchern verdienen kann. Aber wenn etwas über bleibt, dann weiß ich, wo's hingehört – zur Caritas.