Preisverleihung Ohrenschmaus 2016: „Die Zeit muss ich haben“

11.11.16

„Die Zeit muss man nehmen, die Zeit muss man halten. Die Zeit rennt immer weiter, [..] die Zeit soll dableiben bei mir“, dichtet Herbert Schinko und verdeutlicht uns mit seinem Ohrenschmaus-Siegergedicht, dass Menschen mit sogenannten „Lernschwierigkeiten“ sehr viel verstehen von Kunst, und vom Leben. „Mit poetisch starken Worten nehmen sich auch die diesjährigen PreisträgerInnen um Themen an, die sie besonders betreffen“, gratuliert Initiator Franz-Joseph Huainigg den PreisträgerInnen des Literaturpreises Ohrenschmaus 2016, die gestern im Wiener Museumsquartier gekürt wurden. Die Partnerorganisationen des Literaturpreises Ohrenschmaus Caritas, Diakonie, Jugend am Werk, Lebenshilfe und Vienna People First ehrten bei der Preisverleihung Sybille Grafl, Herbert Schinko, Viktor Noworski und Paul Text sowie die KünstlerInnen der Ehrenliste.

Die Hauptpreise

Sybille Grafl, Ohrenschmaus-Preisträgerin 2016, ist 1978 geboren und in Vorarlberg aufgewachsen, wo sie seit einem Jahr in einer betreuten Wohngemeinschaft lebt. Mit ihrem Text „Sie hat sich richtig entschieden oder wir haben es zusammen geschafft!“ beschreibt Sybille Grafl in sehr eindringlichen Worten die Ausgrenzungen und Mobbingerfahrungen, die man als sogenanntes "behindertes Kind" in Kindergarten und Schule erleben kann. Sie zeigt aber auch, dass man mit Mut und Kraft und vor allem mit Hilfe anderer über diese Erfahrungen hinwegkommen und stark, mutig und selbstbewusst werden kann, wie es in der Laudatio von Eva Jancak heißt.

Herbert Schinko, ausgezeichnet mit einem weiteren Ohrenschmaus-Hauptpreis, ist Jahrgang 1982 und stammt aus Oberösterreich. Er schreibt seit 2002 und ist Mitglied einer Literaturgruppe. Er hat mit seinem preisgekrönten Text „Die Zeit“ Jurymitglied Heinz Janisch zu folgenden Worten inspiriert: „Ein Text, den man wie ein Gebet lesen kann, wie eine Beschwörung des Glücks: 'Die Zeit muss ich haben'."

Der dritte Preisträger Viktor Noworski lebt und arbeitet in Wien und wurde für seinen Text "A brenhassa Summa" ausgezeichnet. In der Laudatio von Ludwig Laher heißt es: „`A brenhassa Summa‘ ist ein erstaunliches Stück Prosa […]. Der schräge und dynamisch erzählte Inhalt ist ebenfalls außerordentlich. Der Autor erweist sich […] als großes poetisches Talent."

Preis zum 10. Mal vergeben

Der Literaturpreis Ohrenschmaus wurde heuer zum zehnten Mal vergeben. „Dieser Literaturpreis ist ein Kulturprojekt – und kein Sozialpreis – und soll das öffentliche Bild von behinderten Menschen nachhaltig verändern“, so die Organisatoren. Bei der diesjährigen Preisverleihung wurden die Siegertexte von den Publikumslieblingen Kristina Sprenger und Gregor Seberg vorgetragen.

Die Ohrenschmaus-Jury, bestehend aus Felix Mitterer (Ehrenschutz), Franzobel, Eva Jancak, Heinz Janisch, Ludwig Laher und Barbara Rett, ist jedes Jahr aufs Neue überrascht und begeistert, welche großen Talente der Ohrenschmaus ans Licht zu bringen vermag. Schirmherr Felix Mitterer dazu: „Als hätte man ein Füllhorn geöffnet, voll von literarischen Kostbarkeiten, die auf uns niederströmen.“

Unser Dank gilt den Sponsoren, ohne die es diesen Literaturpreis nicht geben würde: Austrian Power Grid, Erste Bank, Juvina, Lions Club Wieselburg, Museumsquartier Wien, Neuroth, Österreichische Lotterien, Österreichische Post AG, Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, Schartner Bombe, Ströck, Verlag Bibliothek der Provinz, Wirtschaftskammer Österreich und Zotter Schokoladenmanufaktur.

Buch und Schokolade zum Ohrenschmaus

Das im 10. Ohrenschmaus-Jahr neu erschienene Ohrenschmaus-Buch "Zu zweit ist weniger allein" (Verlag Bibliothek der Provinz) mit den Siegertexten der Jahre 2012-2016 ist als ideales Weihnachtsgeschenk im Buchhandel und auch online erhältlich und kostet 18 Euro.

Im Rahmen der Internationalen Buchmesse & Lesefestwoche BUCH WIEN, mit der für 2016 eine Kooperation geschlossen wurde, werden am Freitag, 11. November, von 14 bis18 Uhr auf der Messe Wien, Halle D, Ohrenschmaus-Texte von den AutorInnen vorgetragen. Das neue Buch wird auch im Rahmen der Messe vorgestellt. Zudem geht eine Podiumsdiskussion anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Frage nach, wie sich der Literaturpreis Ohrenschmaus weiterentwickeln kann und soll.

Für den Ohrenschmaus wurde auch heuer eine eigene Zotter-Schokolade kreiert, auf deren Banderole der Text „Der Tisch“ von Paul Text abgedruckt ist. Über diesen sagt Laudator Franzobel: „Der Text von Paul Text lässt uns die Welt anders sehen. Er wischt mit Leichtigkeit und Witz die gewohnte Wahrnehmung vom Tisch, räumt auf mit alten Denkmustern, und zeigt uns so auf sehr einfache Weise etwas Neues, Reines: Poesie.“

Texte zum Nachlesen im Internet

Alle eingereichten Ohrenschmaus-Texte sind im Internet unter www.ohrenschmaus.net zu finden, und die LiteratInnen-Community freut sich über Fans auf Facebook unter "Literaturcafé Ohrenschmaus".

 

(Presseaussendung 11.11.2016)