EU-SILC Daten: Langzeitarbeitslosigkeit größtes Problem

02.05.17

Landau: „Sozialstaat gehört gestärkt und nicht geschwächt! Arbeitslosigkeit, fehlende Bildung und Wohnkosten sind Armutstreiber. Caritas fordert bundesweit einheitliche Mindestsicherung und Mietrechtsreform.“

1,5 Millionen Menschen in Österreich sind von sozialen Benachteiligungen aufgrund niedriger Erwerbsbeteiligung, geringer Haushaltseinkommen oder erheblicher Einschränkungen in zentralen Lebensbereichen betroffen, das zeigen die heute präsentierten Daten der EU-SILC Statistik (Statistics on Income and Living Conditions) über Einkommen und Lebensbedingungen von Privathaushalten. Die Daten zur Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung in Österreich zeigen damit eine leicht sinkende Tendenz und liegen mit 18 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt (23,7%).

„Auch wenn sich in Österreich die Situation leicht entspannt, dürfen wir uns jetzt keinesfalls zurücklehnen“, betont Caritas Präsident Michael Landau, der einmal mehr eine einheitliche Regelung der Mindestsicherung einfordert. „Die Bedarfsorientierte Mindestsicherung schützt vor einem Abrutschen in absolute Armut. Wir benötigen hier wieder eine bundesweit einheitliche Lösung! 9 Länder, 9 Strategien: Das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein.“

Langzeitarbeitslosigkeit ist größtes Armutsrisiko

Der Bericht belegt, dass Langzeitarbeitslosigkeit zu den größten Risikofaktoren für Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung zählt. „Auch wenn wir aktuell eine leichte Entspannung am Arbeitsmarkt erkennen, steigt die Langzeitarbeitslosigkeit dennoch weiter an. Als Caritas sehen wir die Not dieser Menschen in unseren Beschäftigungsprojekten und 36 Sozialberatungsstellen in ganz Österreich“, so Landau: „Je länger die Menschen arbeitslos sind, umso schwieriger wird es für sie, wieder in den Arbeitsmarkt einzusteigen. Die Bunderegierung hat mit dem ‚20.000 Beschäftigungsprogramm‘ diesbezüglich eine begrüßenswerte Maßnahme beschlossen.“ Landau fordert aber darüber hinaus einen dauerhaft erweiterten Arbeitsmarkt für jene Menschen, bei denen eine Reintegration auf den regulären Arbeitsmarkt in absehbarer Zeit unwahrscheinlich ist.

Die Caritas bietet in 101 Beschäftigungsprojekten langzeitarbeitslosen Menschen insgesamt 1.147 Arbeitsplätze. „Unser Standortvorteil in Österreich sind die Menschen und ihre Ausbildung. Daher können wir es uns gar nicht leisten, nicht in die Menschen und ihre Ausbildung zu investieren“, fordert Caritas Präsident Michael Landau.

Caritas fordert „Chancen-Index“ für sogenannte Brennpunktschulen

Die Studie macht zudem deutlich, dass soziale Benachteiligung oftmals die Folge geringer beruflicher Qualifizierung und fehlender Ausbildung ist. Das Risiko von Ausgrenzungs- und Armutsgefährdung betroffen zu sein ist für Personen, die maximal über einen Pflichtschulabschluss verfügen, rund doppelt so hoch (28%) wie für AkademikerInnen (13%). Landau: „Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau und dem Risiko, in Armutslagen abzurutschen oder in Armut leben zu müssen. Bildung erhöht die Chancen am Arbeitsmarkt deutlich und eine gute Ausbildung ist, auch angesichts der kommenden Entwicklungen wie Digitalisierung, die beste und nachhaltigste Armutsprävention.“

Daher ist für Michael Landau die von der Bundesregierung beschlossene Ausbildungspflicht bis 18 Jahren und die Ausbildungsgarantie bis 25 Jahren die richtige Strategie. „Darüber hinaus brauchen wir aber auch im Bereich der Schulen systematische, präventive Maßnahmen wie Schulsozialarbeit und deutlich mehr Unterstützungspersonal zur gezielten individuellen Förderung der Kinder. Wir sehen in den 48 Caritas Lerncafés, dass bei entsprechender Förderung 97% aller 1.190 Kinder das Schuljahr positiv abschließen. Sogenannte Brennpunktschulen brauchen also mehr Personal und mehr Budget, um Kindern aus benachteiligten Familiensituationen bessere Chancen bieten zu können. Wir würden uns als Caritas wünschen, dass der aufs Tapet gebrachte Chancen-Index rasch Wirklichkeit wird. Wir appellieren an die Bundesregierung, den Chancen-Index im Bereich Bildung rasch umzusetzen; besser heute als morgen.“

Großes Armutsrisiko bei Alleinerzieherinnen

Frauen, hier vor allem die alleinerziehenden Mütter, gehören nach wie vor zur Gruppe der am stärksten von Armut Betroffenen in Österreich. „Auch die Unternehmen müssen in die Pflicht genommen werden, für familienfreundliche Arbeitsplätze zu sorgen. Mit einem qualitätsgesicherten, zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr erhöhen wir nicht nur die Chancen auf bessere Bildungskarrieren unserer Kinder, sondern helfen auch den Eltern, Kinder und Beruf besser zu vereinbaren“, so Landau.

Teures Wohnen fördert Armut

Seit Jahren steigen die Wohnkosten, während die Reallöhne deutlich geringer anwachsen, stagnieren oder im Niedriglohnbereich sogar sinken. „Damit leiden jene, die am wenigsten Einkommen zur Verfügung haben, am meisten unter den stetig steigenden Wohnkosten. Wir sehen in den Caritas Sozialberatungsstellen, dass Familien oft mehr als die Hälfte ihres Einkommens allein für Wohnen und Heizen ausgeben. Damit ist klar, dass andere wichtige Lebensinhalte am Ende des Monats zu kurz kommen. Andere Kinder zum Geburtstag einladen oder ein gemeinsamer Kinobesuch sind da oft nicht mehr drinnen“, so Landau und fordert daher einmal mehr eine Mietrechtsreform, die Zu- und Abschläge gesetzlich regelt, den Anwendungsbereich des Mietrechts deutlich erweitert sowie die transparente Vergabe geförderter und kommunaler Wohnungen. Zudem müssten die Maklergebühren vom Auftraggeber entrichtet und die Rückflüsse aus der Wohnbauförderung wieder für den Wohnungsbau zweckgewidmet werden.

So half die Caritas in Österreich 2016

  • In 36 Sozialberatungsstellen in ganz Österreich wurden 58.520 Menschen betreut
  • 101 Beschäftigungsprojekte bieten insgesamt 1.147 Arbeitsplätze für langzeitarbeitslose Menschen
  • 59 Familienberatungsstellen in ganz Österreich
  • 34 Wohnungsloseneinrichtungen mit 1.352 Schlaf/Wohnplätzen
  • Für Wohnungslose stehen 251 Startwohnungen bereit
  • 10 Mutter-Kind-Häuser mit 235 Wohnplätzen
  • in 9 Einrichtungen werden Menschen mobil betreut, in 10 Einrichtungen ambulant beraten
  • 4.000 Menschen mit Suchterkrankungen erhalten Rat und Unterstützung in 14 Suchtberatungsstellen 


Details zum EU-SILC-Bericht der Statistik Austria

 

(Presseaussendung 2.5.2015)