Caritas appelliert anlässlich EU-Präsidentschaft Österreichs: Fluchtursachen bekämpfen, mehr Hilfe vor Ort!

03.07.18

Landau: "Ein Europa, das schützt, muss an der gleichen Menschenwürde jedes Menschen Maß nehmen. In der aktuellen Debatte wünsche ich mir mehr Sachlichkeit!"

"Ich wünsche der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft alles Gute und viel Erfolg. Das ist eine große Verantwortung, aber auch eine Chance für Österreich, die wir gemeinsam nutzen sollten" appelliert Caritas Präsident Michael Landau an die österreichische Bundesregierung und weiter: "Ein Europa, das schützt, muss die soziale Sicherheit im Blick haben. Und gleichzeitig appelliere ich an die die Österreichische Bundesregierung, die aktuelle Diskussion für gemeinsame Anstrengungen für mehr Hilfe vor Ort zu nutzen!"

Grenzschutz und Schutz aller Menschen

"Ich habe Verständnis dafür, dass Europa Klarheit an den Grenzen braucht, um Freizügigkeit im Inneren sicherstellen zu können. Aus Sicht der Caritas muss aber ebenso klar sein und bleiben: Wer Schutz sucht, muss Schutz finden können, und da ist Asyl heiliges Recht. Dazu gehören faire, qualitätsvolle Verfahren, Schutz und menschenwürdige Rahmenbedingungen schon während des Verfahrens (dass die EU hier UNHCR als Hüterin benannt hat, halte ich für gut), dazu gehört aber auch eine menschengemäße Perspektive, also nicht der monate- oder sogar jahrelange Aufenthalt in irgendwelchen Flüchtlingszentren und -lagern. Die Grenzen Europas dürfen keine Grenzen des Todes sein", so Landau.

Fluchtursachen bekämpfen - mehr Hilfe vor Ort!

Die Caritas Österreich engagiert sich als Teil des weltweiten Caritasnetzwerks in weiten Teilen Afrikas und im Nahen Osten. Die Erfahrung mit Menschen auf der Flucht in Lagern in Burundi, Ruanda, Äthiopien, Uganda, dem Südsudan, in Jordanien und dem Libanon beweist: Erst wenn die Versorgung in den Nachbarländern der Krisengebiete nicht funktioniert, wenn es zu wenig zu essen gibt, wenn Kinder jahrelang nicht in die Schule gehen können, dann machen sich Menschen auf den Weg.

"Solange Menschen vor Krieg und Bomben fliehen müssen und so lange mit Waffenhandel viel Geld verdient wird, so lange werden sich Menschen auf den Weg machen. Wir wissen, dass Menschen dann in der Nähe ihrer Heimat bleiben, wenn sie für sich und ihre Kinder Überlebenschancen und Lebensperspektiven sehen. Ausreichend zu essen und der Zugang zu Bildung müssen als 'Hilfe vor Ort' nicht nur angekündigt, sondern dringend umgesetzt werden!" fordert Michael Landau die Bundesregierung auf, wie angekündigt, die Gelder für die Hilfe vor Ort aufzustocken und das in ihrem Regierungsprogramm angekündigte österreichische Resettlement-Programm, das eine Form des legalen und sicheren Zugangs zu Schutz ist, weiterzuführen. Jene Länder, in denen die meisten Flüchtlinge Zuflucht finden, bräuchten deutlich mehr Unterstützung.

Marshallplan mit Afrika

"Ein Europa, das schützt, muss die gleiche Energie, den gleichen Mittel- und Ressourceneinsatz wie für den Grenzschutz und den Ausbau von FRONTEX auch in die Bekämpfung der Ursachen legen, also Hilfe vor Ort, Hungerbekämpfung und in den Aufbau der Landwirtschaft, Schulen und Bildungsangebote für Kinder, medizinischer Versorgung. Die Menschen brauchen Zukunftsperspektiven!" fordert Landau und verweist auf EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani, der betont hatte, dass nur durch Stabilität in Afrika eine langfristige Lösung der Migrationsfrage möglich sei. "Österreich sollte im Rahmen seiner EU-Ratspräsidentschaft einen Zukunftspakt mit Afrika, oder einen Marshallplan mit Afrika und für die am meisten von Armut und Hunger betroffenen Menschen ganz entschieden auf die europäische Agenda setzen. Das ist eine große Chance, gerade auch für ein relativ kleines Land ohne koloniale Vergangenheit auf diesem Kontinent."

Gemeinsam statt einzeln

Der Blick über den Tellerrand hinaus macht gleichzeitig deutlich: Angesichts von Ländern wie China, Indien, USA ist jedes Land Europas klein. Landau: "Hier können wir nur gemeinsam bestehen. Mit nationalen Egoismen kommen wir nicht weiter. Zugleich hoffe ich auf ein Europa, das im Sinne seiner Gründungsväter auch internationale Verantwortung wahrnimmt, etwa in der Ukraine, aber ebenso weltweit, nicht zuletzt in Afrika. Denn klar ist auch: Mehr Stabilität in Afrika und der partnerschaftliche Umgang mit unserem Nachbarkontinent sind für eine langfristige Lösung der Migrationsfrage und ein stabiles Europa von zentraler Bedeutung."

150.000 Kinder vor Hunger bewahren

Weltweit leiden 815 Millionen Menschen an chronischem Hunger und haben nicht genug zu essen. Besonders Kinder sind schwer betroffen - in Afrika ist jedes dritte Kind südlich der Sahara chronisch unterernährt. Die Kinder sind zu klein für ihr Alter, ihre Organe wachsen nicht, sie bleiben körperlich und geistig unterentwickelt. Ihr Leben lang. Caritas Präsident Michael Landau: "Als Caritas Österreich haben wir es uns zum Ziel gemacht, mit der Unterstützung der Spenderinnen und Spender, 150.000 Kinder in 15 Ländern Afrikas und Asiens vor den Langzeitfolgen von Hunger und Unterernährung zu bewahren. Gemeinsam können wir dieses Ziel erreichen, wenn wir es wollen!"

Spenden werden dringend erbeten!