Mehr Hilfe vor Ort – fordern österreichische Hilfsorganisationen anlässlich des Welternährungstags am 16. Oktober

12.10.18

Auslandshilfechef der Caritas Österreich in Burundi mit einem Kind das abgewogen wird.

Caritas, Diakonie, Licht für die Welt und Rotes Kreuz fordern die Österreichische Bundesregierung auf, der Ankündigung für mehr Hilfe vor Ort Taten folgen zu lassen!

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Montag, den 15. Oktober, erinnern Caritas Generalsekretär Christoph Schweifer, Diakonie Direktorin Maria Katharina Moser, Sabine Prenn, Geschäftsführerin von Licht für die Welt, und Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer an die bereits mehrfache Ankündigung der österreichischen Bundesregierung, die Hilfe vor Ort auszubauen. Anlässlich des Welternährungstages am 16. Oktober und im Rahmen des Vorsitzes der EU-Ratspräsidentschaft Österreichs fordern die Hilfsorganisationen, einen Zukunftspakt mit Afrika für die am meisten von Armut und Hunger betroffenen Menschen ganz entschieden auf die politische Agenda zu setzen. 

Caritas zu Hunger weltweit

Caritas Generalsekretär für Internationale Programme Christoph Schweifer: „Erstmals seit langem ist die Zahl der hungernden Menschen weltweit wieder gestiegen: 821 Millionen Menschen leiden an Hunger. Alle 10 Sekunden stirbt ein Kind an Hunger. Das ist ein Skandal, den wir beenden können, wenn wir das wollen. Denn es gibt einen Masterplan für eine bessere Welt: die SDGs, die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Diese müssen von der Österreichischen Bundesregierung und der Europäischen Union ernst genommen werden. Es braucht einen konkreten Plan und eine schrittweise Umsetzung der Entwicklungsziele. Leere Ankündigungen in Sonntagsreden reichen nicht.“

Neben der dringend notwendigen verstärkten Humanitären Hilfe für die am wenigsten entwickelten Länder müsste Afrika endlich auch als Partner mit enormem wirtschaftlichen Potenzial begriffen werden. Eine der Ursachen von Hunger ist die vorherrschende Handelspolitik. Afrika könnte sich selbst ernähren, stattdessen gibt es jährlich 35 Milliarden US-Dollar für den Import von Lebensmitteln aus.

Diakonie Österreich: Frauen kommt zentrale Bedeutung zu

„Frauen sind besonders von den Auswirkungen von Kriegen und Katastrophen, aber auch von Hunger betroffen“, hebt Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie Österreich, hervor: „Frauen sind aber auch die zentralen Akteurinnen bei der Überwindung von Armut und Mangelernährung, gerade in Krisensituationen. Und sie sind wichtige Partnerinnen in Friedensprozessen und beim Wiederaufbau. Bekommen Frauen Unterstützung, wird damit der gesamten Familie und Community geholfen. Deshalb muss Hilfe vor Ort allem voran bei den Frauen ansetzen.“

Viele Frauen sind in der Landwirtschaft tätig. Hier erschweren immer längere und häufiger auftretende Dürreperioden, bedingt durch den Klimawandel die Arbeit der Bäuerinnen.

Licht für die Welt: Hunger führt zu Behinderungen

Jene, die den Klimawandel am wenigsten verursacht haben, leiden nun am meisten darunter. Neben Frauen und Kindern haben es oft Menschen mit Behinderungen in Katastrophen und humanitären Krisen besonders schwer. Sie werden systematisch übersehen und vergessen. Armut bedingt oftmals Unter- und Mangelernährung und das hat Folgen: Wachstum und Entwicklung von unterernährten Kindern können unwiderruflich geschädigt werden und Behinderungen verursachen. 156 Millionen Kinder weltweit zeigen solche Wachstumsstörungen. Durch Mangelernährung erblinden jährlich bis zu einer halben Million Kleinkinder. „Das könnte leicht durch die Gabe von Vitamin A in den ärmsten Ländern verhindert werden“, so Licht für die Welt Geschäftsführerin Sabine Prenn.

Rotes Kreuz: Hilfe braucht Planbarkeit!

Hilfe vor Ort, bedeutet, den Hunger zu bekämpfen, dabei zu unterstützen die Landwirtschaft  auszubauen und die Bildungsangebote, aber auch die medizinische Versorgung, zu verbessern. Um hier Effekte spürbar zu machen, gehören die Mittel für die bilaterale Entwicklungshilfe sowie der Auslandskatastrophenfonds substanziell aufgestockt.

„Es gibt Katastrophen, die sehen wir kommen: Etwa Dürren, die Hunger auslösen oder Überschwemmungen, weil es keinen Schutz vor Hochwasser gibt. Wir appellieren daran, in die Katastrophenvorsorge zu investieren. Erstens, weil das Leid verhindert und zweitens weil die Kosten für Vorsorgemaßnahmen um ein Vielfaches geringer sind, als jene für die Hilfe danach“, sagt Gerald Schöpfer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes.