Landau, Küberl und Schüller zum Welttag der Armen

16.11.18

Foto: Stefanie J. Steindl

Caritas Präsidenten bitten um Spenden für ÖsterreicherInnen in Not und appellieren an die  Bundesregierung: „Menschlichkeit zuerst! Sozialstaat zukunftstauglich gestalten! Reformieren statt diffamieren!" 

Bei einem gemeinsamen Pressetermin in einer pfarrlichen Lebensmittelausgabestelle für armutsbetroffene Menschen in Wien nahmen am Freitag zwei ehemalige und der derzeitige Präsident der Caritas Österreich zu einem aktuellen Thema Stellung: Dem 2. Welttag der Armen, den Papst Franziskus für kommenden Sonntag ausgerufen hat. „Es geht um die Not von Menschen hier bei uns in Österreich, aber auch darüber hinaus weltweit“, betonte Helmut Schüller zu Beginn. „Und es geht um die Frage, wie wir mit Menschen in Not umgehen: Gewinnen Verächtlichmachung und das Ausschließen von armutsbetroffenen Menschen die Oberhand oder gelingt es uns als Gesellschaft, auch in Zukunft zusammenzustehen und die Schwächsten nicht zu vergessen? Stärken wir die Empathie und Hoffnung oder nähren wir Angst und Neid in unserer Gesellschaft? Wenn wir von Armut sprechen, reden wir von arbeitslosen Menschen ebenso wie von armutsbetroffenen Männern, Frauen und Kindern. Als Caritas wollen wir für eine Sprache des Zusammenhalts werben. Denn wer diese Sprache spricht, baut mit an einer zukunftstauglichen Gesellschaft. Wir würden uns wünschen, dass auch in der Politik wieder verstärkt das Motto gilt: Menschlichkeit zuerst!“

 

„Kein Hartz IV für Österreich“

Michael Landau ging in seinem Statement auf die aktuelle Armutsentwicklung in Österreich ein: „Die Wirtschaft wächst. Die Arbeitslosigkeit geht zurück. Doch gerade, weil es uns gut geht, dürfen wir uns nicht damit abfinden, dass es auch in unserem Land Menschen gibt, denen es nicht gut geht. Armut ist auch in unserem Land ein Stück weit Realität.“ Landau verwies auf offizielle Daten der Republik, wonach knapp 430.000 Menschen in Österreich als manifest arm gelten. Mehr als 200.000 Männer, Frauen und Kinder leben darüber hinaus in Wohnungen, die sie nicht angemessen warm halten können. Und knapp 100.000 Kinder sind in Österreich auf Mittel aus der Bedarfsorientierten Mindestsicherung angewiesen. „Wenn die Bundesregierung nun eine Reform der Mindestsicherung ankündigt und darüber hinaus plant, die Notstandshilfe in der jetzigen Form abschaffen zu wollen, sollte sie diese Männer, Frauen und Kinder vor Augen haben: Ziel einer jeden Reform muss sein, dass es den Menschen nach dieser Reform besser geht und nicht schlechter. Wir sind überzeugt: Mit Kürzungen bei der Mindestsicherung lässt sich das Budget nicht sanieren. Und mit einer Abschaffung der Notstandshilfe wird die Not der Menschen nur größer – das hat Hartz IV in Deutschland leidvoll bewiesen. Reformieren: ja! Diffamieren: Nein! Wir müssen die Armut bekämpfen und nicht  armutsbetroffene Menschen.“

 

Mehr Hilfe vor Ort

Franz Küberl sprach von der internationalen Dimension des Welttages der Armen: „In einer Zeit der nationalstaatlichen Kraftmeierei wollen wir hier und heute für internationale Zusammenarbeit, für Zusammenhalt und mehr Hilfe vor Ort werben. Globale Fragen erfordern europäische und globale Antworten“, so Küberl, der gleichzeitig betonte: „Der Weg der internationalen Zusammenarbeit war in den vergangenen Jahrzehnten sehr erfolgreich: So ist die Kindersterblichkeit etwa deutlich gesunken. Zwar sind längst nicht alle Probleme gelöst, doch die Richtung stimmt“, so Küberl. „Wer diesen Weg der internationalen Solidarität nun Schritt für Schritt verlässt, läuft Gefahr, die Not von Menschen zu vergrößern. Darüber hinaus ist klar: Ein Europa, das seine Bürger schützen will, muss auch Menschen jenseits unserer Grenzen Hoffnung und Perspektiven geben. Die Welt ist klein geworden. Wir wissen heute viel mehr voneinander, dieses Wissen um das Leben, um die Nöte der anderen, nimmt uns auch in die Pflicht zu helfen, wenn wir denn die Möglichkeiten dazu haben. Es kann uns nur dann gut gehen, wenn es auch unseren Nachbarn gut geht.“ Landau, Küberl und Schüller forderten an dieser Stelle einmal mehr, ein deutlich stärkeres Engagement Österreichs in der Hilfe vor Ort: „Wir haben genug schöne Sonntagsreden gehört. Diesen Reden sollten endlich Taten folgen!“

 

So hilft die Caritas armutsbetroffenen Menschen in Österreich – bitte spenden Sie!

Die Caritas ist für armutsbetroffene und obdachlose Menschen oft die letzte Anlaufstelle, wenn es alleine nicht mehr geht. Sie wissen, dass sie bei der Caritas Unterstützung bei ihrem täglichen Kampf um ein gutes Leben finden. In diesen Einrichtungen hilft die Caritas im Detail armutsbetroffenen Menschen in Österreich:

  • 41 Einrichtungen für Wohnungslose und Obdachlose mit 1.793 Schlaf-/Wohnplätzen
  • 25 Einrichtungen für ambulante Beratung, Ausspeisung und medizinische Betreuung
  • 12 Mutter-Kind-Häuser mit 252 Wohnplätzen
  • 36 Sozialberatungsstellen geben notleidenden Menschen in Österreich Rat und Unterstützung. 65.457 Menschen wurden hier im Jahr 2017 betreut.
  • 103 Beschäftigungsprojekte bieten insgesamt 1.253 Arbeitsplätze für langzeitarbeitslose Menschen.

 

Die Caritas bittet dringend um Spenden!

Caritas-Spendenkonto

Erste Bank: IBAN AT23 2011 1000 0123 4560, BIC GIBAATWWXXX

Kennwort: Inlandshilfe

Online-Spenden: www.caritas.at/inlandshilfe

 

15 Euro ermöglichen einem Obdachlosen die Übernachtung in einer Notschlafstelle

 

20 Euro schenken einer armutsbetroffenen Jungmama die Erstausstattung für ihr Baby.

 

30 Euro helfen Menschen in Notsituationen mit Heizkostenzuschüssen und Energieberatung.

 

Photo: Stefanie J. Steindl

(Presseaussendung vom 16.11.2018)