Caritas begrüßt Start der Pflegereform und betont Unterstützungsbedarf für pflegende Angehörige

31.01.19

Landau: „Wir freuen uns, als Hilfsorganisation in den Bereich Pflege und Betreuung unsere Erfahrungen einbringen und an der Reform mitwirken zu können." 

"Wir müssen heute reagieren, wenn wir auch morgen eine an der Würde des Menschen Maß nehmende Pflege sicherstellen wollen. Daher bin ich sehr froh, dass die Bundesregierung das Thema Pflege prioritär behandeln will", betont Caritas Präsident Michael Landau, anlässlich der Kick-off Veranstaltung zur Pflegereform des Sozialministeriums heute: „Wir freuen uns insbesondere über die Möglichkeit, unsere Erfahrungen als Hilfsorganisation im Bereich Pflege und Betreuung einbringen und an der Reform mitwirken zu können“.

Pflegende Angehörige brauchen Unterstützung

„Aus unserer Erfahrung - etwa aus 2,1 Millionen Einsatzstunden in der mobilen Pflege pro Jahr - wissen wir, dass pflegende Angehörige dringend Unterstützung brauchen", so Landau. "Viele Menschen möchten im Alter zuhause betreut werden – das ist völlig verständlich. Damit diese Pflege auch über Monate und Jahre aufrechterhalten werden kann, ohne dass die Angehörigen völlig überlastet und möglicherweise selbst krank werden, braucht es Unterstützung. Pflegende Angehörige sind das Rückgrat der Pflege und Betreuung", so der Caritas Präsident. Die Information über bestehende Angebote für pflegende Angehörige gehöre verbessert und die Angebote leichter zugänglich gemacht. Pflegende Angehörige brauchen Pausen und Urlaub. Dafür sind leistbare "Ersatzpflege-Möglichkeiten" notwendig. Der Ausbau von Tagesbetreuungsangeboten sowie besser geregelte Ansprüche auf Pflegekarenzen und Pflegefreistellungen könnten hier helfen.

Mehr Fachkräfte für den Pflegebereich ausbilden

Bis 2050 ist mit einem Anstieg der Pflegebedürftigen von derzeit 450.000 auf 750.000 Personen zu rechnen. „Durch diesen quantitativen Anstieg darf es künftig jedoch nicht zu einer qualitativen Verwässerung der Pflegedienstleistungen oder gar zu einer Ausdünnung der Versorgung kommen“, warnt Michael Landau. Dem Fachkräfte-Mangel muss daher so rasch wie möglich begegnet werden. „Es wird hier nicht genügen, am Image der Pflegeberufe zu arbeiten. Auch mehr Aus- und Weiterbildungsangebote werden benötigt“, führt der Caritas Präsident aus. Interessierten Menschen soll der Einstieg in einen Pflegeberuf aus allen Lebenslagen –  etwa von der Arbeitslosigkeit bis zur Umorientierung im späteren Erwerbsalter - ermöglicht werden.

Österreichweit einheitliche Pflegeleistungen anbieten

„Die zu Verfügung stehenden Leistungen in der Pflege und Betreuung sind in den Bundesländern sehr unterschiedlich. Hier wäre eine Vereinheitlichung der Versorgungs-, Qualitäts- und Finanzierungsstandards sinnvoll“, so Landau: „Wenn ich einen zu pflegenden Angehörigen in einem Tageszentrum unterbringen möchte, sollte das gleich viel kosten, egal ob ich am Bodensee oder am Neusiedlersee lebe. Alle Österreicherinnen und Österreicher sollten den gleichen Zugang zu Pflegeleistungen haben.“ Der Pflegefonds soll als Instrument auch nach 2021 sicherstellen, dass Pflege leistbar und qualitätsvoll angeboten wird.

Der Plan der Regierung die Pflege zuhause gegenüber der stationären Pflege zu stärken, sei durchaus zu begrüßen. Damit das gelingen könne, sei aber eine Weiterentwicklung des Pflegegeldes notwendig. Neben einer Erhöhung des Pflegegeldes für alle Pflegestufen, sei insbesondere die Einstufung bei Menschen mit demenziellen Erkrankungen zu diskutieren. Rund 70 Prozent erhalten Pflegegeld der ersten drei Pflegegeldstufen – unter ihnen viele an Demenz erkrankte Menschen, die meist zu Hause betreut werden.

„Die Pflege ist einer der größten Bereiche unseres Sozialsystems. Um ein Leben in Würde bis zuletzt für alle Menschen in Österreich zu ermöglichen, ist es notwendig, dass die Reform mutig angegangen wird. Ich bin zuversichtlich, dass durch die Einbindung aller Beteiligten eine Gesamtstrategie und eine Finanzierung aus einer Hand gelingt“, erklärt Caritas Präsident Michael Landau. 

 

Presseaussendung, 31. Jänner 2019