Zukunft wichtiger als Herkunft

14.05.19

"Common Home"-Publikation: Migrantinnen und Migranten tragen viel zur gesellschaftlichen Entwicklung in ihrer neuen und in ihrer alten Heimat bei.

In 11 europäischen Ländern (Schweden, Belgien, Niederlande, Portugal, Italien, Tschechien, Slowakei, Bulgarien, Slowenien, Bayern, Österreich) werden dieser Tage nationale "Common Home"- Publikationen präsentiert, die ein Stimmungsbarometer rund um die Themen Migration und Flucht zeigen. 

Was bedeutet Heimat?

In Wien diskutierte die Künstlerin Jelena Popržan gemeinsam mit Caritas Auslandshilfechef Christoph Schweifer und Alexander Warzilek, Geschäftsführer des Österreichischen Presserats, über die Stimmung nach der großen Fluchtbewegung nach Österreich und Deutschland im Jahr 2015/2016. Shokat-Ali Walizadeh, Gründungsmitglied des Vereins Neuer Start und Geflüchteter aus Afghanistan, die Caritas Mitarbeiterinnen Rojin Ali aus Syrien und Ayat Molhi aus dem Jemen erklärten, wie ihr Ankommen in Österreich gelang und was für sie Heimat bedeutet. Sie bemerkten auch: Der Ton, wie über schutzsuchende Menschen öffentlich auf Social Media, in traditionellen Medien und selbst im Hohen Haus gesprochen wird, wird zunehmend rauer. Dieser Umgangston wirkt sich auf das Zusammenleben und auf den Umgang mit Menschen am Rande der Gesellschaft aus. Menschen, die hier ihre Heimat gefunden haben, werden dabei oftmals pauschal in ein schiefes Licht gerückt. „Oft wird vergessen, was und wie viel Migrantinnen zur gesellschaftlichen Entwicklung beitragen. Hier in Österreich, aber auch in ihrer alten Heimat“, erläutert Common Home-Autorin Katharina Hartl.

Eine gute Zukunft für möglichst alle

„Ein guter Umgangston im Land und eine Kultur des gemeinsamen Dialogs sind zentral dafür, dass wir die Welt im Sinne der Agenda 2030 weiterentwickeln“, betont Caritas Auslandshilfechef Christoph Schweifer.  „Denn für eine gute Zukunft für möglichst alle Menschen müssen wir gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die gemeinsame Zukunft muss hier wichtiger als unsere Herkunft sein“, so Schweifer. Damit MigrantInnen in ihrer neuen Heimat ihre Fähigkeiten, ihre Potenziale  entfalten und sich einbringen zu können, brauchen sie Sicherheit für ein stabiles Leben. Dazu gehört die Möglichkeit am Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können und klare Verhältnisse bezüglich des Aufenthaltstitels.

Migration.Interconnectedness.Development

MIND ist ein Projekt, das von der Europäischen Kommission für drei Jahre finanziert wird. Es wird umgesetzt von zwölf Caritas-Organisationen in elf EU-Mitgliedsstaaten, nämlich Österreich, Bayern (Deutschland), Bulgarien, der Tschechischen Republik, den Niederlanden, Belgien, Italien, Portugal, der Slowakei, Slowenien und Schweden. Außerdem wirkt Caritas Europa als Dachorganisation mit. Ziel ist es Aufmerksamkeit auf die Wechselwirkungen von Migration und Entwicklung zu lenken.