Caritas-Appell zum Start der Inlandshilfe: Ihr Beitrag macht einen großen Unterschied für Menschen in Not in Österreich!

24.10.19

Pressekonferenz mit Michael Landau und Johannes Dines

Landau appelliert an künftige Bundesregierung: „Ein soziales Netz muss Menschen in Not auffangen, eine neue Sozialhilfe muss armutsfest gestaltet werden, und Wohnen muss für alle leistbar sein.“

Herr P. ist ein ruhiger Mann, der gerne Bücher liest und den Rosengarten liebt. Durch eine Verkettung ungünstiger Umstände ist der gebürtige Salzburger seit ein paar Wochen obdachlos. „Es ist für den Normalverbraucher nicht vorstellbar, wie das Leben im Freien ist. Die Wetterumschwünge, die Kälte. Es ist sehr belastend, wenn man kein Zuhause hat“, berichtet er. Herr P. ist froh, wenn er in der Notschlafstelle im Haus Franziskus in Salzburg nach einem kalten, nassen Herbsttag ein warmes Essen, die Möglichkeit sich zu duschen und einen ruhigen Schlafplatz findet. Anfang November eröffnet die Caritas Salzburg im Haus Elisabeth zusätzlich ein Tageszentrum mit einem breiten und umfassenden Angebot für alle Menschen, die Unterstützung brauchen. Außerdem ist das Haus Elisabeth eine Winter-Notschlafstelle für 20 obdachlose Frauen.

Neue Notschlafstelle in Salzburg

„Das Haus Elisabeth ist Symbol der Hoffnung und der Solidarität in Salzburg. Wir geben uns nicht damit zufrieden, dass Menschen arm und einsam sind. Dass sie auf der Straße schlafen müssen oder sich kein Essen leisten können“, betont Johannes Dines, Direktor Caritas Salzburg und weiter: „Es gibt auch in Salzburg bittere Not. Wir nehmen sie nur oft nicht wahr, weil sie mit Folgen verbunden ist, die diese Menschen unsichtbar werden lässt: zum Beispiel Scham, Krankheit, psychischen Belastungen und sozialer Ausgrenzung. Als Caritas schauen wir genau hin und wenn wir Not sehen, handeln wir. Doch nur gemeinsam mit den Salzburgerinnen und Salzburgern können wir helfen und Notsituationen bewältigen. Zeigen wir Zusammenhalt und helfen denen, die es im Leben weniger gut haben. Jede Spende hilft!“

Armut in Österreich

„Wenn Menschen, wenn insbesondere Frauen, kein zu Hause haben, nicht einmal ein Obdach, dann sind sie in unmittelbarer Lebensgefahr, vor allem jetzt in der kalten Jahreszeit“, warnt Caritas Präsident Michael Landau und weiter: „Wir haben mit Österreich in der Geburtslotterie einen Haupttreffer gezogen. Die meisten Menschen in unserem Land kennen Hunger oder Krieg nur aus Erzählungen. Aber ein nicht unbeträchtlicher Anteil aller Menschen in Österreich weiß leider ganz genau, was es heißt, sich nicht sicher, sich nicht geborgen, nicht ausreichend satt zu fühlen. Denn Armut ist mitten unter uns.“

1,2 Millionen Menschen in ganz Österreich sind von Armut betroffen oder armutsgefährdet. Das heißt, jeder oder jede Siebente muss sich am Ende des Monats entscheiden, die Heizkosten zu bezahlen oder Essen zu kaufen.

Wege aus der Armut: Bildung und leistbarer Wohnraum

Die Zahlen der Statistik Austria zeigen eindeutig: Armutsgefährdung und der Bildungsgrad hängen in Österreich zusammen: Wer eine Pflichtschule, Lehre oder mittlere Schule abgeschlossen hat, trägt statistisch gesehen ein doppelt so hohes Armutsrisiko wie jene, die eine Matura oder einen Universitätsabschluss vorweisen können.

„Klar ist, alles, was in die Bildung von Kindern investiert wird, wird in die Zukunft Österreichs investiert. Klar ist auch, die Bekämpfung von Armut in Österreich bedeutet: Es muss leistbaren Wohnraum für alle geben. Und Armut bekämpfen meint schließlich: Eine Sozialhilfe oder eine Bedarfsorientierten Mindestsicherung, die das halten, was sie versprechen; Nämlich Menschen in Not vor einem Absturz in bittere Armut zu bewahren“, so der Caritas Präsident.

Das Sozialhilfe-Grundsatzgesetz, das in der vergangenen Legislaturperiode beschlossen wurde, erhöhe etwa das Armutsrisiko von Kindern. „Ich appelliere an die Politik, vor allem an die Politikerinnen und Politiker der künftigen Bundesregierung, die Würde des Menschen in den Mittelpunkt zu stellen: Dann, wenn es um Pflege geht, aber auch dann, wenn wir über Armutsbekämpfung sprechen“, so Caritas Präsident Michael Landau.

Es geht um die Würde des Menschen

„Wir müssen uns fragen, wie wollen wir hier in Österreich miteinander leben? Welchen Respekt bringen wir auch jenen entgegen, die etwa aufgrund von Schicksalsschlägen den Anforderungen der Gegenwart nicht gewachsen sind?“, so Landau weiter und: „Wir leben in Österreich in einer Leistungsgesellschaft, in der Reichtum und Wohlstand als Ergebnis einer ‚richtigen‘ Lebensführung dargestellt werden. Durch Alter, Krankheit oder andere Lebenskrisen kann es aber rasch gehen, und Ansprüche auf Sozialleistungen gehen verloren. Ein soziales Netz muss alle Menschen – und besonders Kinder – in Not auffangen, wenn sie Unterstützung benötigen und ihnen faire Chancen geben. Wir brauchen Zusammenhalt und Zuversicht für ein gutes Miteinander in Österreich.“

Hilfe > Armut

In 36 Sozialberatungsstellen stehen in ganz Österreich Caritas Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Menschen in Not mit kompetenter Beratung zu Themen wie Arbeit, Wohnen oder Familie zur Seite. 12 Mutter-Kinder-Häuser bieten 447 Wohnplätze. Und 42 Obdachloseneinrichtungen mit 2.137 Schlafplätzen bieten Menschen am Rande der Gesellschaft Zuflucht und neue Hoffnung. 350 Startwohnungen helfen beim Neuanfang.

Möglich ist diese Hilfe nur dank der Unterstützung von Spenderinnen und Spendern:

·         20 Euro schenken einer armutsbetroffenen Jungfamilie die Erstausstattung für ihr Baby.

·         30 Euro helfen Menschen in Notsituationen mit Heizkostenzuschüssen und Energieberatung.

·         70 Euro spenden einem obdachlosen Menschen schneefeste Winterschuhe und Thermosocken.

 

Bitte helfen auch Sie:

Erste Bank: IBAN AT23 2011 1000 0123 4560, BIC GIBAATWWXXX

Kennwort: Inlandshilfe

 

Presseaussendung, 24. Oktober 2019