Caritas-Nothilfe aus größter österreichischer Facebook-Spendenaktion sichert Wasserversorgung und Krankentransporte für Flüchtlinge

30.04.20

© Alea Horst Fotografie

Nothilfe für geflüchtete Menschen in der Krisenregion läuft dank Spenden aus Österreich an. Die menschenunwürdige Situation spitzt sich jedoch durch die Corona-Pandemie weiter zu.

Das Corona-Virus macht auch vor den Toren der Flüchtlingslager in Europa nicht Halt. Die unzureichenden Hygiene- und sanitären Bedingungen in den Lagern auf den griechischen Inseln waren bereits vor der Corona-Pandemie äußerst kritisch und menschenunwürdig und sind nun besonders alarmierend. Mehr als 40.000 Menschen, die vor Krieg und Terror nach Europa geflüchtet sind, um endlich ein sicheres Zuhause zu haben, müssen in Griechenland und den Ländern des Balkans in überfüllten Flüchtlingslagern unter schwierigsten Bedingungen ausharren.

Die Caritas Österreich hat Anfang März einen Spendenaufruf gestartet und bisher wurden, vor allem über die größte Facebook Spendenaktion, die es in Österreich bisher gab, insgesamt 1,5 Millionen Euro gesammelt. „Dieses Spendenergebnis zeigt, wie groß die Solidarität der in Österreich lebenden Menschen ist und dass sie über die Grenzen unseres Landes hinausgeht. Die Hilfe wird so dringend gebraucht, gerade deshalb bedanken wir uns sehr herzlich bei allen Spenderinnen und Spendern“, so Andreas Knapp, Generalsekretär für Internationale Programme der Caritas Österreich. Aufgrund der Corona-Beschränkungen war die Umsetzung einiger Hilfsmaßnahmen erschwert. Jetzt baut die Caritas Österreich schrittweise die Flüchtlingshilfe in Griechenland und überregional weiter aus.

Nothilfe auf den griechischen Inseln Lesbos und Chios

Die Situation in den Flüchtlingslagern Moria auf Lesbos und Vial auf Chios hat sich in den letzten Monaten drastisch verschlechtert. Es fehlt an allem: Nahrungsmittel, Müllentsorgung, Trinkwasser, Hygieneartikel und medizinische Versorgung. Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas Erzdiözese Wien, war vor wenigen Wochen vor Ort auf Lesbos und berichtet: „Es ist eine Schande, dass auf europäischem Boden solche Zustände hingenommen werden. Griechenland darf von den anderen EU Staaten, auch von Österreich in dieser Situation nicht alleine gelassen werden. Eine humanitäre Katastrophe muss unter allen Umständen verhindert werden. Ich habe hier eine junge Familie mit einem Neugeborenen kennengelernt. Der kleine Bub war erst drei Tage alt. Er lebt mit seinen Eltern vor den Toren des offiziellen Lagers im sogenannten Dschungel. Hier gibt es keinerlei Infrastruktur: weder Strom, noch fließendes Wasser und keine Toiletten. Es ist ein einziges Drama.“

Mit den gesammelten Spenden wird über die Caritas Hellas die dringend nötige Akuthilfe organisiert. Der Einkauf von Hilfspaketen mit Hygieneartikeln, Babynahrung, Decken, Schlafsäcken und anderen Hilfsgütern für über 23.000 Menschen ist bereits erfolgt. Die Caritas Österreich arbeitet mit Hochdruck daran, die Hilfspakete trotz Corona-Zugangsbeschränkungen in den Lagern schnellstmöglich zu verteilen. Eine erste wichtige Hilfsmaßnahme wurde sofort umgesetzt: „Mit den Spenden aus Österreich kann jetzt ein Krankenwagen auf Chios wieder zum Einsatz kommen“, bedankt sich Schwertner.

Kooperation mit Ärzte ohne Grenzen zur Verbesserung der Wasserversorgung auf Samos

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise hat die Caritas Österreich eine Kooperation mit Ärzte ohne Grenzen Österreich gestartet. Insgesamt wurden 100.000 EUR zur Verfügung gestellt, die im Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Samos zur Verbesserung der Wasser-, Sanitär-, und Hygienebedingungen eingesetzt werden. „Die Lage dort ist mehr als alarmierend: Über 7.000 Frauen, Männer und Kinder leben in einem Lager, das auf höchstens 650 Menschen ausgelegt ist. Das bedeutet konkret, dass diese Menschen eng zusammen in kleinen Zelten leben müssen und die Versorgung mit sauberem Wasser und Toiletten völlig unzureichend ist – das ist unverantwortlich, in Zeiten der Corona-Pandemie sogar akut gefährlich“, informiert Laura Leyser, Geschäftsführerin Ärzte ohne Grenzen Österreich. Als Notmaßnahme stellt Ärzte ohne Grenzen den Menschen täglich 60.000 Liter Wasser zusätzlich zur Verfügung und baut auch außerhalb der offiziellen Lagergrenzen, wo ein Großteil der Flüchtlingsbevölkerung lebt, Sanitäranlagen. Leyser: „Wie gefährlich die Lage für die Familien ist, wurde einmal mehr in den vergangenen Tagen deutlich als dort mehrere Brände ausbrachen und über 500 Flüchtende obdachlos wurden.“

Unterstützung am Festland

Das Sozialzentrum Kipseli der Caritas Hellas im Zentrum von Athen ist ein Schulungs- und Beratungszentrum für geflüchtete Menschen. Kipseli ist ein Ort der Begegnung und ein Zentrum für kulturellen Austausch und Information. Aufgrund fehlender Ressourcen hätte das Sozialzentrum Ende März seine Pforten schließen müssen. Die Caritas Österreich und Schweiz haben der Caritas Hellas insgesamt 180.000 Euro sofort zur Verfügung gestellt. Damit konnte der Betrieb zunächst für weitere 6 Monate gesichert werden – eine wichtige Überbrückung, bis eine längerfristige Finanzierungslösung gefunden wird.

Überregionale Flüchtlingshilfe

Die Situation der geflüchteten Menschen im Balkan war bereits vor Corona nicht einfach - jetzt ist sie noch schwieriger. Es mangelt an Hygieneartikeln, Unterkünften, Lebensmitteln und Betreuung. Die Caritas Österreich hat nun ihre bestehende Unterstützung der Flüchtlingsbevölkerung ausgeweitet. Mit 55.000 Euro Soforthilfe an die Caritas Bosnien & Herzegowina konnte der Betrieb der Flüchtlingsunterkunft Tuzla erhalten sowie die dortige Wäscherei ausgebaut werden. Insgesamt 90,000 Euro wurden der Caritas Serbien für Hygienemaßnahmen und die Wäscherei in den Flüchtlingslagern Obrenovac und Krnjaca zur Verfügung gestellt. Zusätzlich wird Unterricht für Kinder organisiert und Frauen werden mit psychosozialer Beratung, Gesprächsgruppen, Handarbeits- und Kochgruppen unterstützt. Die 17-jährige Niveen aus Syrien erzählt einer Caritasmitarbeiterin: „Während der letzten Jahre habe ich vergessen Kind zu sein. Ich musste hier schnell erwachsen werden. Die Menschen in Bosnien und Herzegowina sind gut zu uns, aber hier haben wir wenige Perspektiven. Mit der Unterstützung anderer Menschen sind meine Geschwister und ich in einer guten Unterkunft untergebracht und wir gehen zur Schule. Unser Asylstatus ist nun anerkannt und wir können es nicht erwarten, wieder mit unserer Mutter vereint zu sein. In der Zwischenzeit arbeite ich freiwillig in einer Flüchtlingsunterkunft mit Kindern. Ich helfe ihnen beim Lernen und versuche sie abzulenken, damit sie die schlimmen Sachen, die sie erlebt haben, vergessen können“.

Die Caritas bittet um Spenden für Menschen auf der Flucht:

Caritas Spendenkonto:

BAWAG P.S.K.
BIC: BAWAATWW
IBAN: AT92 6000 0000 0770 0004
Kennwort: Flüchtlingshilfe
caritas.at

Rückfragehinweis:

Lucia Denkmayr

Presse
Caritas Österreich
Mobil: +43 664 887 61 597
Email: lucia.denkmayr(at)caritas-austria.at