Danke an starke Mamas

08.05.20

Meist sind es die Frauen, die jetzt in der Krise das Heft in die Hand nehmen und Hilfe für die Familie organisieren. Ein Danke an alle starken Mamas.

Seit Wochen ist die Waschmaschine kaputt. Es war schon vor der Corona-Krise hart, aber jetzt hat der Familienpapa noch dazu seinen Job verloren. Nadine S. (Name geändert) hockt über die Badewanne gebeugt und wäscht. Vier Kinder bedeuten, dass der Berg an Kinderkleidung nie kleiner wird. Täglich muss Nadine S. per Hand reinigen. Rot und rissig sind ihre Hände schon davon. Obwohl die Geschäfte jetzt wieder offen haben und sie eine neue Waschmaschine kaufen könnte, reicht das Geld einfach nicht. So wird das Badezimmer weiterhin zum Waschzimmer umfunktioniert. Neben der Wäsche kümmert sich die Klagenfurterin täglich um das Kochen, Aufräumen, Bügeln, die Schulbildung der Kinder und die wirtschaftlichen Sorgen der Familie.

Es sind Frauen, die diese Krise schupfen – und oft sind es Mamas. Frauen leisten immer noch einen hohen Anteil der unbezahlten Arbeit, die neben der Erwerbsarbeit geleistet wird. Dazu zählen etwa der Haushalt und die Kindererziehung. Dazu kommt nun noch der Heimunterricht bzw. die Rund-um-die-Uhr Kinderbetreuung. Speziell alleinerziehende Frauen spüren in der aktuellen Situation diese Zusatzbelastung.

„Vielleicht geht sich ein Eis mit dem Buben aus“

Zu ihnen gehört auch Dora K. (Name geändert). „Als alleinerziehende Mutter stopft man zuerst alle Löcher“, sagt sie. Gemeinsam mit ihrem 13-jährigen Sohn wohnt sie in einer kleinen Gemeindewohnung in Wien. Weil sie zur Corona-Risikogruppe gehört, hat sie Angst hinauszugehen. Auch ihr Sohn bleibt deshalb meist daheim. Die Alleinerzieherin lebt von Notstandshilfe und Mindestsicherung. Jede zusätzliche Ausgabe wird zur Herausforderung. „Die Würstel, die mein Sohn so gerne isst, kosten jetzt einen Euro mehr“, erzählt sie. Das merke sie, weil sie jeden Cent drei Mal umdrehen muss. Dora K. hat einen Wunsch: „Die Krise wird ja länger dauern. Es dreht sich alles um die Wirtschaft und das verstehe ich auch. Aber ich wünsche mir, dass auf uns alleinerziehenden Mütter, auf die Familien, jetzt nicht vergessen wird. Es ist ja jetzt auch Muttertag.“ Diesen wird sie mit ihrem Sohn zu Hause verbringen. Etwas Großartiges hat sie nicht geplant. Aber sie hofft, dass es ein kleines Muttertagsgeschenk gibt: „Nachdem wir Lebensmittel gekauft haben, geht sich dann vielleicht auch ein großes Eis mit dem Buben aus.“

Meist sind es auch die Frauen, die jetzt in der Krise das Heft in die Hand nehmen und sich schlau machen, wo und wie sie Hilfe für die Familie finden. Pensionistinnen, Alleinerzieherinnen und Frauen, die vor der Krise unsichere Teilzeitjobs und jetzt gar kein Einkommen mehr haben, suchen vermehrt Hilfe in den Caritas-Beratungsstellen in ganz Österreich. Auch Nadine S. und Dora K. haben sich an die Sozialberatung der Caritas gewandt und dort Hilfe erhalten. Den Alltag mit all seinen Herausforderungen stemmen sie trotzdem jeden Tag selbst.

Alltagsengeln

Eine dieser oft nicht wahrgenommenen Alltagsengeln ist auch Anna L. (Name geändert). Jeden Tag schmerzt es sie erneut, wenn sie ihre kleine Tochter zum Abschied in die Arme nimmt. Sie sagt ihr dann, dass sie sich keine Sorgen machen muss, dass sie nach der Arbeit gleich wieder heimkommt uns sie einstweilen brav sein soll. Anna L. arbeitet als Reinigungskraft und ist damit eine jener Österreicherinnen und Österreichern, die auch während der Quasi-Quarantäne täglich das Haus verlassen musste. „Das größte Glück sind meine Kinder“, sagt sie. Am liebsten würde sie ihre Kleinen nicht alleine lassen in dieser schwierigen Zeit. Doch sie hat keine Wahl. Die 35-Jährige sorgt alleine für ihre zwei Kinder. Sie ist auf ihren Job angewiesen – gerade jetzt, wo sie weiß, wie viele durch die Corona-Krise schon arbeitslos wurden. Deswegen passen Verwandte auf ihre Kinder auf, während sie putzt. Mit dem kleinen Lohn kommt sie kaum über die Runden. „Ich kann momentan kaum schlafen vor Sorge. Wie schaut die Zukunft meiner Kinder aus? Werde ich meinen Job verlieren? Aber gerade jetzt habe ich Angst, dass das Geld nicht reicht und wir vor kalten Heizkörpern und einem leeren Kühlschrank stehen“, sagt sie.

Caritas hilft Müttern durch die Krise

Wir helfen in 36 Sozialberatungsstellen und 54 Familienberatungsstellen österreichweit. Dazu kommen 12 Mutter-Kind Häuser mit Wohnplätzen für 176 Mütter und 271 Kinder. Und zusätzliche regionale Unterstützung in Notschlafstellen für Frauen, Schwangerenberatung und der Familienhilfe.

In den Wohnhäusern der Caritas in ganz Österreich können Mütter und ihre Kinder durchatmen, ihr Leben neu sortieren und den Alltag wieder alleine meistern. Das Haus Frida in Wien vereint zwei Angebote: ein Mutter-Kind-Wohnhaus und Akutplätze, die eine kurzfristige Unterbringung für in Not geratene Mütter ermöglichen. Die Kinder, die hier unterkommen, spüren unter welchem Druck ihre Mütter stehen. „Alle haben ihre Kindheit zur früh verloren, weil sie sich anpassen mussten, weil sie froh sein mussten, dass sie bei der Freundin am Boden, beim Ex auf der Couch schlafen durften“, erzählt Karin Eichler, Sozialpädagogin und Leiterin des Caritas Mutter-Kind Hauses. Man könne ihnen ansehen, wie die Angst von ihnen abfällt, wie erleichtert sie sind, wenn sie hier einziehen und feststellen, es gibt keine Bedrohung mehr. Aber es erfordert viel Kraft, Mut und oft Überwindung der Mutter, sich an helfende Stellen zu wenden.

Ein großes Danke

Starke Frauen – starke Mütter. Sie sind es, die das Land zum Großteil derzeit am Laufen halten. Frauen arbeiten vielfach in einem „systemrelevanten“ Beruf und das, aufgrund der Kinderbetreuung, auch oft in Teilzeit. Sie arbeiten, organisieren, sorgen und pflegen und versuchen immer alles unter einen Hut zu bringen – und das bei meist schlechterer Bezahlung. Am Sonntag ist Muttertag, ein Anlass, um Danke zu sagen. Danke für all die Arbeit, all die Mühen, all die Sorgen, all die Unterstützung, all die Kraft. Danke an alle Mütter, die tagtäglich im Stillen und ganz Selbstverständlich Großes leisten. Meist ohne gebührende Anerkennung. Dafür oft mit zusätzlichen Erschwernissen.

Die Caritas Österreich wünscht allen einen schönen Muttertag. Den Müttern, den Alleinerziehenden, den Großmüttern und den Urliomas. Den Frauen ohne Kinder. Den jungen Frauen. Den Karrierefrauen genauso wie den Frauen, die in Armut leben. Unabhängig davon, welcher Religion, sexuellen Orientierung, politischer Meinung ihr angehört: Danke für alles, was ihr tut.

Sie brauchen dringend Hilfe in der Corona-Krise?
Sie sind in akuter Not? Sie wissen nicht, wie Sie Lebensmittel, die nächste Miete oder die Stromrechnung bezahlen sollen? Die Corona-Nothilfe-Hotline der Caritas hilft in ernsten Notlagen österreichweit. Holen Sie sich jetzt Hilfe unter der Nummer: 05 17 76 300.
(Montag bis Freitag von 9 bis 16 Uhr)

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Lisa Rieger

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