Armut und Corona - Caritas fordert Bekämpfung der Rekordarbeitslosigkeit und Pakt gegen Kinderarmut

23.10.20

Landau und Parr fordern dauerhafte Erhöhung des Arbeitslosengeldes, Soforthilfen während der Krise und klare Schritte gegen Kinderarmut. Caritas bittet um Spenden.

Das Geld reicht am Ende des Monats kaum noch für ein volles Einkaufswagerl, die Stromrechnung ist überfällig, ein kaputter Kühlschrank reißt plötzlich ein Loch ins Familienbudget. Von Armut waren schon vor der Corona-Krise hunderttausende Menschen in Österreich betroffen; die dramatischen Folgen der Pandemie verstärken die Not aber zusätzlich. „Wir sehen an vielen Orten in ganz Österreich: Nicht nur das Virus ist ansteckend. Auch die Not kann es sein. Aus Sicht der Caritas ist deshalb klar: Wir müssen eine Pandemie der Armut unter allen Umständen verhindern!“, betonte Caritas-Präsident Michael Landau am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz bei einer Caritas-Lebensmittelausgabestelle in Wien.
Gemeinsam mit der neuen Generalsekretärin der Caritas Österreich, Anna Parr, verwies Landau auf steigende Hilfsanfragen während der Krise. Parr: „In unserer täglichen Arbeit begegnen wir Menschen, die schon vor der Krise in einer Krise waren, aber immer häufiger auch Menschen, die noch nie auf unsere Hilfe angewiesen waren. In Teilen Niederösterreichs hatten wir in unseren Sozialberatungsstellen seit Jahresbeginn um 41 % mehr Erstkontakte als im Vorjahr oder in der Steiermark um 37 %. Der Druck steigt mit Fortdauer der Krise an.“ Zwar hätten zahlreiche Maßnahmen der Bundesregierung bislang Schlimmeres verhindert, auch die zuletzt beschlossenen Einmalzahlungen im Bereich des Arbeitslosengeldes seien hilfreich, doch aus Sicht der Caritas ist klar: „Während ein einziger Impfstoff genügen kann, um die gesundheitlichen Folgen der Krise zu bekämpfen, wird es eine Vielzahl wirksamer Rezepte brauchen, um die sozialen Folgen in den Griff zu bekommen.“ Konkret fordert die Caritas zusätzliche Schritte, um Rekordarbeitslosigkeit und Kinderarmut stärker als bislang zu bekämpfen und um die Existenzen tausender ÖsterreicherInnen während der Krise zu sichern.

Existenzen sichern: Soforthilfen über die Fortdauer der Krise garantieren

Die Caritas hat es begrüßt, dass es zu Beginn der Krise zu einem Mietkostenaufschub und zu einem vorläufigen Delogierungsstopp gekommen ist. Landau: „Wir sehen aber auch: Für viele Menschen werden diese Kosten jetzt schlagend. Als Caritas würden wir uns wünschen, dass die Maßnahmen mit dem Andauern der Krise weiter fortgeschrieben und dass rasch und unbürokratisch Hilfsgelder für besondere Lebenslagen zur Verfügung gestellt werden. Wir müssen gerade jetzt im Winter verhindern, dass Menschen in kalten Wohnungen leben oder Gefahr laufen, ihre Wohnung zu verlieren.“

Rekordarbeitslosigkeit bekämpfen und Arbeitslosengeld langfristig erhöhen

Landau und Parr wünschen sich auch mehr Schritte, um die zuletzt massiv gestiegene Arbeitslosigkeit stärker zu bekämpfen. Landau: „Rekordarbeitslosigkeit erfordert auch Rekordverantwortung! 41 %aller arbeitslosen Menschen sind heute armutsgefährdet. Dauert die Erwerbslosigkeit ein Jahr an, steigt die Quote auf 45 %.“ Die Caritas fordert deshalb zum einen deutlich mehr Mittel für die aktive Arbeitspolitik, damit Menschen jetzt nicht in die Langzeitarbeitslosigkeit abrutschen. „Die geplante Verlängerung der Einmalzahlung für arbeitslose Menschen ist gut und wichtig. Es braucht aber eine langfristige Erhöhung des Arbeitslosengeldes bei gleichzeitiger Beibehaltung der Notstandshilfe, damit Menschen trotz Jobverlust weiterhin ausreichend Geld für Lebensmittel, Heizen und anfallende Mieten haben.“

Pakt gegen Kinderarmut: Sozialhilfe Neu reformieren

Viel zu oft betrifft diese Not auch Kinder. Laut offizieller Statistik waren in Österreich schon vor der Corona-Krise 231.000 Kinder und Jugendliche armutsgefährdet. Die größte BezieherInnengruppe in der Sozialhilfe/Mindestsicherung sind Kinder. „Das ist unerträglich für ein wohlhabendes Land wie Österreich. Wer Kinderarmut rasch bekämpfen will, muss die Sozialhilfe jetzt reformieren und armutsfest ausgestalten. Denn Familienarmut ist immer auch Kinderarmut“, so Parr. Mittelfristig fordert die Caritas einen Pakt für Kinder, der sich auf drei Säulen stützt: materielle Absicherung, Bildung und Gesundheit und dadurch soziale Teilhabe für alle Kinder ermöglicht. „Es muss dabei auch über eine bundesweit einheitliche Kindergrundsicherung ergebnisoffen diskutiert werden. Eine Grundsicherung, die sich am Familieneinkommen und den tatsächlichen Kinderkosten orientiert. Wir sind froh, wenn die zuletzt vom Sozialministerium angekündigte Kinderkostenstudie bald vorliegt. Denn das Ziel muss auch abseits von Corona lauten, Kinderarmut in Österreich bis zum Jahr 2030 endgültig abzuschaffen. Als Caritas sind wir überzeugt: Wir können dieses Ziel erreichen“, betont Generalsekretärin Parr.

Jeder Euro zählt: Caritas bittet um Spenden für volle Einkaufswagerl

Die Caritas selbst gerät durch die Corona-Krise in eine Doppelmühle: Einerseits wird die Hilfsbedürftigkeit größer, andererseits haben weniger Menschen die Ressourcen, zu spenden. Caritas-Präsident Landau: „Klar ist: Hilfsorganisationen wie die Caritas werden die sozialen Folgen der Corona-Krise nicht alleine abfangen können. Auch wir können nur helfen, weil es Menschen in unserem Land gibt, die jetzt spenden und unsere Hilfe möglich machen. Ohne diese Spenden und die vielen Freiwilligen, die sich in den vergangenen Monaten neu bei uns gemeldet haben, wäre unsere Hilfe jetzt nicht möglich.“

Präsident Landau und Generalsekretärin Parr besuchten am Donnerstag die Caritas-Einrichtungen Le+O (Lebensmittel und Orientierung), den Sozialmarkt Krems sowie die carla Krems. Österreichweit hilft die Caritas in 53 Sozialberatungsstellen, 54 Familienberatungsstellen, 103 Beschäftigungsprojekten, 42 Wohnungsloseneinrichtungen und zwölf Mutter-Kind-Häusern.

Mit 40 Euro schenken Sie einer armutsbetroffenen Familie einen vollen Einkaufswagen:

Mit einem vollen Einkaufswagen füllen Sie einen leeren Kühlschrank und machen satt. Unterstützung bei der Caritas erhalten Menschen, die von heute auf morgen in Not geraten sind.

Caritas-Spendenkonto

Erste Bank: IBAN AT23 2011 1000 0123 4560, BIC GIBAATWWXXX

Kennwort: Inlandshilfe

Online-Spenden: www.caritas.at/inlandshilfe