Weltkindertag – Caritas Generalsekretär für internationale Programme, Andreas Knapp: „Es braucht eine weltweite Covid-19 Bildungsoffensive“

19.11.20

Knapp: „Kindern die in Armut leben, drohen lebenslange negative Folgen. Kinder brauchen Zugang zu Bildung, Schutz vor Gewalt und Ausbeutung und ausreichend Gesundheitsversorgung.“

Anlässlich des Weltkindertages am 20. November warnt Caritas Generalsekretär für Internationale Programme, Andreas Knapp, vor den Auswirkungen der Pandemie auf jedes Kind weltweit.  Das Recht auf Bildung, ist als Kinderrecht im Artikel 28, der UN-Kinderrechtskonvention verankert, dieses Recht zielt auf die Chancengleichheit für alle Kinder ab und schreitet durch die Pandemie vor allem international in die Ferne.

Weltweite gemeinsame Covid-19 Bildungsoffensive

Die Corona-Pandemie hat das Potential, dass Kindern, die in Armut leben, lebenslange negative Folgen drohen, denn zum ersten Mal in der Geschichte wurde die Bildung einer ganzen Generation unterbrochen. „Kinder brauchen Zugang zu Bildung, Schutz vor Gewalt und Ausbeutung und ausreichend Gesundheitsversorgung. Auch wenn alle Kinder starke Veränderungen ihres Lebens durch die Pandemie erfahren, sind Kinder in den ärmsten Regionen besonders betroffen, wie ein aktueller Bericht von ‚Save The Children‘ zeigt. Es ist die Verantwortung der Regierungen, Ungleichheit und Armut, die durch die Pandemie verschärft werden, entschieden zu bekämpfen, mit dem Ziel, kein Kind zurückzulassen“, sagt Knapp anlässlich des Weltkindertags. Trotz Krisen und Katastrophen müsse Lernen lebendig gehalten werden. „Regierungen und Geldgeber sind aufgefordert, eine gemeinsame, weltweite Covid19 Bildungsoffensive zu beschließen und umzusetzen. Ein Plan der sicherstellt, dass von Armut betroffene Kinder und vor allem Mädchen sicher in die Schulen zurückkehren können“, sagt Knapp. Auch Papst Franziskus sprach sich wiederholt für einen weltweiten Bildungspakt aus.

Zukunftschancen verschlechtern sich

Die Caritas befürchtet, dass die langfristigen, negativen Auswirkungen von Covid-19 vor allem Kinder aus den ärmsten Ländern betreffen werden. Laut aktuellsten Zahlen der UNICEF wird damit gerechnet, dass ca. 150 Millionen Kindern zusätzlich keinen Zugang zu Ernährung, Wasser, Hygiene, Wohnen oder Bildung haben. „Nicht lernen zu können, nicht in die Schule zu gehen hat vor allem für Kinder, die unter den schwierigsten Bedingungen aufwachsen, die fatalsten Folgen“, so Knapp. „Ein Schulbesuch bedeutet für Kinder, das Hinauskommen aus belastenden oder gewalttätigen Familiensituationen, Bildung bedeutet Tagesstruktur, aber auch Gesundheitsvorsorge, Sexualaufklärung und damit auch Familienplanung. Ein Schulbesuch bedeutet für Mädchen, dass sie nicht jung verheiratet werden. Die Gefahr, dass viele Mädchen nach der Pandemie nicht mehr zur Schule zurückkommen ist alarmierend.“

Die Hälfte der Kinder auf der Flucht wird nicht in die Schule zurückkehren

Welche enorme Bedeutung Bildung gerade in Krisenzeiten für jedes Kind hat, erfahren viele Eltern gerade hautnah im Zuge der Coronakrise und den aktuellen Schulschließungen in Österreich selbst. Welche langfristig gravierenden Auswirkungen ein Bildungslockdown auf Menschen in ärmeren Regionen hat, zeigte kürzlich ein UNHCR Bericht über Bildung für geflüchtete Menschen: Nach den mit COVID-19 verbundenen Schulschließungen werden bis zur Hälfte aller Kinder auf der Flucht nicht in den Unterricht zurückkehren. Der Malala-Fonds schätzt ferner, dass in Ländern mit niedrigen Einschulungsraten Mädchen in Sekundarschulklassen nach der Wiedereröffnung der Schulen überhaupt nicht mehr in den Unterricht zurückkehren werden.

Um das Recht auf Bildung für Kinder auf der Flucht zu wahren, hat die Caritas 2015 das regionale, ganzheitliche Bildungsprogramm RHEP (Regional Holistic Education Programme) ins Leben gerufen. RHEP bietet jährlich knapp 3.500 syrischen Kinder sowie besonders von Armut betroffenen Kindern in Jordanien und dem Libanon Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung – seit 2018 auch direkt in Syrien. Das Besondere an diesem Programm: Die Kinder werden fortlaufend auch psychisch und mental betreut, um mit den Erlebnissen und Erfahrungen der Flucht umgehen zu lernen. Doch auch sie sind nun teilweise von Schulschließungen betroffen, wie eine betroffene Mutter in Jordanien berichtet: „Aufgrund des Lockdowns konnte ich nicht mehr arbeiten gehen und habe Schulden angehäuft, um Essen auf den Tisch stellen zu können. Doch das Schlimmste ist, dass die Kinder nicht mehr in die Schule gehen können und ihnen so die einzige Möglichkeit, sich mit Freunden zu treffen, zu lernen und Kind zu sein, verwehrt bleibt.“

So hilft die Caritas armutsbetroffenen Kindern im Lockdown

Corona hat die Kolleg*innen in Albanien vor große Herausforderungen gestellt: wenn die Schulen geschlossen sind, kommen auch die Kinder nicht mehr ins Tageszentrum und damit fehlt ihnen auch das tägliche Essen. Kurzerhand wurde deswegen auf eine mobile Küche umgestellt: Essen für die Familien, Hygienematerial für die Haushalte und oft auch mobile Beratung für die Eltern, die mit dem Lockdown überfordert waren, werden direkt in die Dörfer gebracht. So können die Kinder auch mit den Betreuer*innen in Kontakt bleiben, die oft wichtige Vertrauenspersonen für sie sind. Und gerade in der Zeit des Lockdowns, in der viele Familien in zusätzliche existentielle Nöte bringt und auch die Gewalt untereinander steigt, ist es besonders wichtig, eine Ansprechperson außerhalb der Familie zu haben, der man vertrauen kann.

Besonders hart ist der Lockdown für Mädchen und junge Frauen in der Slowakei und Bulgarien. Die Tagesstätte ist nicht nur der Ort, wo die Mädchen lernen, es ist auch der Ort, an dem sie sich dabei unterstützen, weiter in die Schule zu gehen. Bildung ist länger haltbar als Schönheit und wenn man nicht aus Not früh heiraten muss, hat man die Chance, einen Beruf zu erlernen und ist dann nicht ein Leben lang abhängig. Corona bringt hier Rückschritte, und schon jetzt ist klar, dass wieder viele junge Mädchen verheiratet werden – oft auch nur, um eine Esserin weniger am Tisch zu haben. Durch die regelmäßigen Besuche der Mitarbeiter*innen des Tageszentrums, die vertrauensvollen Gespräche und auch die materielle Unterstützung, die sie bringen, können einige der Mädchen noch weiter beim Lernen gehalten und die Eltern unterstützt werden.

Weitere Informationen:

www.caritas.at/kinder

www.caritas.at/rhep

Bildung für syrische Flüchtlingskinder in Jordanien und im Libanon - Caritas RHEP

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