Caritas zum Weltfrauentag: Blick auf die Lebensrealitäten von Frauen wichtiger denn je

05.03.21

Caritas Generalsekretärin Anna Parr: „Frauen verdienen jetzt ein besonderes Augenmerk, denn sie sind von der Pandemie stark belastet.“

In einer Aussendung anlässlich des Weltfrauentags macht Caritas Generalsekretärin Anna Parr auf die besondere Belastung der Pandemie für Frauen aufmerksam: „Frauen arbeiten mehrheitlich in systemrelevanten Berufen - als Pflegerinnen, Pädagoginnen oder im Lebensmittelhandel. In diesen Bereichen ist die Arbeitsbelastung besonders gestiegen und auch die Ansteckungsgefahr ist dort erhöht. Gleichzeitig halten größtenteils Frauen die Gesellschaft durch unbezahlte Care-Arbeit am Laufen. Sie sind es, die die Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen in den meisten Fällen übernehmen“, sagt Parr und appelliert:

„Frauen verdienen jetzt ein besonderes Augenmerk, denn Frauen sind systemrelevant. Wir wissen, dass Frauen besonders im Alter ein erhöhtes Armutsrisiko haben. Geringe Einkommen und fehlende Versicherungszeiten sind ein Problem. Entsprechende Unterstützungsangebote und Investitionen braucht es jetzt mehr denn je um auch der Altersarmut vorzubeugen. Das Frauenförderungspaket für das AMS ist ein ganz wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“

Herausforderungen nehmen gerade bei Frauen zu

Die Schließung von Bildungseinrichtungen und das Home-Schooling verschärften den Balanceakt in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für viele Eltern - und oftmals speziell für Mütter – zusätzlich, weiß die Generalsekretärin: „Die Erstkontakte in unseren Sozial- und Familienberatungsstellen sind seit Beginn der Krise gestiegen. Verstärkt wenden sich jetzt Mütter oder Alleinerziehende an die Caritas“, so Parr. Neben den emotionalen Stressfaktoren stünden besonders viele Frauen auch unter großem finanziellen Druck, weil sie im letzten Jahr ihre Arbeit verloren haben, merkt Anna Parr an: „Weiblich geprägte Branchen wie Tourismus, Gastronomie oder Kosmetik sind besonders stark betroffen. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Arbeitslosenzahlen bei Frauen mit 37,8% stark an.“

Entsprechend suchen auch Frauen vermehrt in den Caritas Sozialberatungsstellen um Unterstützung bei Mieten, Energierechnungen oder Lebensmittel an: Rund zwei Drittel der KlientInnen in den Sozialberatungsstellen sind weiblich. Etwa ein Drittel dieser Frauen sind Alleinerzieherinnen. „Gerade für Alleinerziehende haben sich die Problemlagen durch die Pandemie massiv verstärkt. Wir haben die Sorge, dass Alleinerziehende und ihre Kinder nun dauerhaft in die Armut abrutschen, wenn nicht rasch gegengesteuert wird. Viele von ihnen lebten bereits vor der Pandemie an der Armutsgrenze und haben keine Rücklagen“, so Parr. „Hier gilt es jetzt zu handeln, denn die Folgen werden langfristige sein und klar ist: Frauenarmut bedeutet auch Kinderarmut“, so die Generalsekretärin.

Hilfe durch die Caritas Sozial- und Familienberatung

Eine der Frauen, die sich an die Caritas gewandt hat, ist Christina. Sie ist gelernte Friseurin und erhielt im vergangenen Jahr Unterstützung von der Caritas Familienberatung. Sie lebt mit ihrem 6-jährigen Sohn und ihrer 2,5-jährigen Tochter im 16. Bezirk in Wien. Aufgrund des Lockdowns verlor Christina ihre Arbeit. Für ihren Mann, der sich beruflich im Ausland befindet, fielen ebenfalls Projekte weg und die Familie rutschte in eine sehr prekäre finanzielle Situation. Dazu kam, dass er im vergangenen Jahr wochenlang nicht nach Österreich einreisen konnte. Durch die Doppelbelastung von Existenzsorgen und mit der Betreuung komplett alleine zu sein, schlitterte die 32-jährige in eine schwere psychische Krise.

Kein Einzelfall, weiß Doris Anzengruber, Leiterin der Sozialberatung der Caritas Wien: „Die psychische Belastung ist ein großes Thema in der Familienberatung. Wir haben in Wien mehr Anfragen von Frauen, besonders von Alleinerzieherinnen. Die Frauen sind verunsichert, leiden oft unter der Perspektivenlosigkeit und dem psychischen Stress. Kommen dann noch existenzielle Sorgen dazu, sind viele am Ende ihrer Kräfte. In der Familienberatung bekommen sie Unterstützung zur psychischen Stabilisierung und gemeinsam mit SozialarbeiterInnen wird in der Sozialberatung nach Lösungen für finanzielle und existenzgefährdende Notsituationen sowie auch für andere Problemlagen gesucht.“

Doch der steigende Bedarf verursacht auch Kosten, so Anna Parr: „Um die Unterstützung durch die Familienberatungsstellen aufrecht zu erhalten, sollten die Fördermittel dringend aufgestockt werden. Es darf nicht soweit kommen, dass das Geld nicht reicht, um die schwerwiegenden psychosozialen Folgen für Frauen abzufedern“. Ebenfalls betont die Generalsekretärin die Wichtigkeit der schulischen Unterstützungsangebote: „Auch mit Schulsozialarbeit und Schulpsychologie werden Frauen entlastet. Deshalb müssen auch diese Leistungen gesetzlich abgesichert und mit ausreichenden Ressourcen ausgestattet werden.“

Parr begrüßt Aufstockung des Familienhärtefonds und Einmalzahlung für Kinder

Viele Schritte zur Unterstützung von jenen, die besonders unter der Pandemie leiden, wurden schon gemacht, sagt Parr: „Die Aufstockung des Corona-Familienhärtefonds um weitere 50 Millionen Euro wird viele Menschen eine wichtige Stütze in finanziellen Krisen sein. Nicht nachvollziehbar ist jedoch, weshalb Alleinerziehende, die Corona-bedingt weniger Unterhalt von ihrem getrennt-lebenden Partner bekommen, weiterhin von dieser Unterstützung ausgeschlossen bleiben. Wenn wir wissen, dass die Armutsgefährdung bei Alleinerziehenden und ihren Kindern besonders hoch ist, sollten wir alle Schritte unternehmen, die diese reduziert.“

Positiv beurteilt die Caritas die von der Regierung in Aussicht gestellte Einmalzahlung von 200 Euro für Kinder in der Mindestsicherung bzw. Sozialhilfe. „Einmalzahlungen lindern die Not rasch und unbürokratisch“, sagt Parr und weiter: „Um die Armutsgefährdung von Frauen und Kindern aber anhaltend reduzieren zu können, braucht es langfristige Maßnahmen und armutsfeste Leistungen, wie einen Mindestunterhalt für jedes Kind, einen massiven Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen als wichtige Voraussetzung, eine Berufsausübung überhaupt erst zu ermöglichen sowie österreichweit einheitliche bedarfsgerechte Kinderrichtsätze in der Sozialhilfe.“ Ebenfalls spricht sich die Caritas für eine bundesweit einheitliche Regelung und damit für einen Rechtsanspruch in der Sozialhilfe auf den „Alleinerzieherbonus“ aus – auch wenn volljährige im gemeinsamen Haushalt lebende Kinder unterstützt werden.

So hilft die Caritas

In 54 Familienberatungsstellen in ganz Österreich bietet die Caritas ein breites Spektrum an Unterstützung für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern an. Ein wichtiger Pfeiler unseres Angebots ist Psychotherapie und Beratung. In ausgewählten Diözesen bieten wir auch spezialisierte therapeutische Angebote für Jugendliche mit Essstörungen und Workshops zum Thema Sucht an.

53 Sozialberatungsstellen der Caritas beraten und unterstützen Menschen in sozialen und finanziellen Notlagen in ganz Österreich. Armut und soziale Ausgrenzung sind keine Einzelschicksale. Durch die Pandemie sind finanzielle Notlagen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Caritas bietet Hilfe in Form von Beratung und Unterstützung. Ein wichtiger Ansatz dabei ist die Motivation zur Selbsthilfe.

So können Sie helfen

  • Mit 20 Euro erhält eine armutsbetroffene Mutter ein Babypaket mit Babynahrung, Windeln, Bodys, Strampler, Socken und Westen.
  • Mit 33 Euro ermöglichen Sie Frauen einen Platz in einer Notschlafstelle, Unterstützung bei der Arbeitssuche oder einfach nur Essen und Kleidung für sich und ihr Kind.

Caritas-Spendenkonto
Erste Bank: IBAN AT23 2011 1000 0123 4560
BIC GIBAATWWXXX
Kennwort: Frauen in Notsituationen

Rückfragen & Kontakt:

Caritas Österreich
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