10 Jahren Syrienkrieg: Ausmaß der Krise nach wie vor enorm

Caritas Auslandshilfe-Generalsekretär Knapp: Den Nachbarländern Syriens gehen die Ressourcen aus, das macht den Bedarf an Unterstützung und Soforthilfemaßnahmen immer dringlicher!

Nach zehn Jahren Krieg in Syrien sind das Ausmaß, die Schwere und die Komplexität der humanitären Bedürfnisse im Zusammenhang mit der Syrien-Krise nach wie vor enorm. Das World Food Programme der Vereinten Nationen schätzt, dass alleine in Syrien 9,3 Millionen Menschen Nahrungsmittelhilfe benötigen. Neben Nahrungsmittelknappheit sind auch mangelnde Infrastruktur, Arbeitslosigkeit, fehlende Perspektiven für die Kinder sowie fehlende medizinische Versorgung Gründe, weshalb sich Menschen auf die Flucht begeben. Krankenhäuser, Schulen und Arbeitsstätten sind noch immer zerstört. Andreas Knapp, Generalsekretär für Internationale Programme der Caritas Österreich, warnt anlässlich des zehnten Jahrestages seit Ausbruch des Kriegs: „Mehr als 6,7 Millionen Menschen sind innerhalb Syriens auf der Flucht. Weitere 5,6 Millionen - das sind 83% der schutzsuchenden Syrerinnen und Syrer - sind in die angrenzenden Nachbarländer, wie Jordanien oder den Libanon geflohen. Auch diesen Ländern gehen nach zehn Jahren bereitwilliger Hilfe schlicht die Ressourcen aus.“

 

2,8 Mio. syrische Flüchtlinge allein in Jordanien und dem Libanon

Die verheerende Explosion im Beiruter Hafen am 4. August 2020 verschärfte die angespannte Lage weiter: „300.000 Menschen verloren ihre Unterkunft, 160 Schulen wurden teils oder ganz beschädigt. Und dennoch bleibt der Libanon jenes Land, das pro Kopf die höchste Zahl an Schutzsuchen weltweit aufnimmt“, so Knapp. Derzeit leben laut UNO Flüchtlingshilfe (UNHCR) rund 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge im Libanon. Nach Schätzungen der Jordanischen Regierung beherbergt Jordanien derzeit rund 1,3 Millionen Syrerinnen und Syrer.

Nach wie vor haben Flüchtlinge nur begrenzten Zugang zu humanitärer Hilfe und erheblich eingeschränkte Möglichkeiten, ein Einkommen für ihre Familien zu erwirtschaften. „Die massive Explosion in Beirut und die Covid-19-Pandemie haben die ohnehin schon komplexe humanitäre Situation in der gesamten Region weiter verschärft. Diese zeitgleichen Krisen machen den Bedarf an grundlegender Hilfe und Nothilfeeinsätzen immer dringender.“, sagt Knapp.

 

Zwischen Deckung der Grundbedürfnisse und dem Schaffen von Perspektiven

"Die Caritas Österreich hilft seit Beginn des Syrienkriegs und hat bereits 223.000 Menschen in Syrien und dem Nahen Osten unterstützt", so Knapp. Die humanitäre Hilfe reicht von der Versorgung mit Trinkwasser, mit Unterkünften und Heizmöglichkeiten, über Geldleistungen für Grundnahrungsmittel bis zur Schaffung von Perspektiven durch Bildungsmöglichkeiten.

Doch es braucht noch mehr: „Für so lange andauernde Krisen wie in Syrien braucht es eine Planbarkeit der Humanitären Hilfe. Erfreulicherweise ist der Auslandskatastrophenfonds Ende 2020 auf 50 Millionen Euro erhöht worden. Es wäre aber wünschenswert, dass zumindest 50% der Finanzmittel jeweils zu Jahresbeginn für diese langanhaltenden Krisen reserviert und geplant werden, um den Menschen vor Ort mittelfristig eine Perspektive geben zu können“, so der Auslandshilfechef. Derzeit hilft die Caritas mit Existenzsicherungsprojekten 19.000 Menschen in Syrien, unterstützt wird sie dabei auch von der Austrian Development Agency (ADA) und der EU.

 

Eine Generation droht ihre Zukunft zu verlieren

Laut UN OCHA gibt es in ganz Syrien rund 13,4 Millionen Menschen, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. 4,7 Millionen davon sind Kinder. Krisen, wie auch jene in Syrien, treffen Kinder mitunter am stärksten. Denn in diesen Situationen sind sie vermehrt Gewalt, Zwangsarbeit und der Gefahr von Kinderehen ausgesetzt, außerdem besuchen sie oft jahrelang keine Schule. Im gesamten Nahen Osten hat mehr als jedes dritte syrische Kind keinen Zugang zu Bildung. 2,4 Mio. Kinder gehen in Syrien nicht zur Schule, im Libanon sind es 54% der registrierten Flüchtlingskinder, so Knapp: „Angesichts dieser Zahlen, spricht die UNICEF begründet von einer „Lost Generation“. Denn gerade für Kinder in Krisengebieten ist der Schulbesuch besonders wichtig, sind es doch oft die einzigen Stunden am Tag, in welchen sie einfach Kind sein können. Schule ermöglicht den Kindern außerdem Tagesstruktur, Stabilität und Sicherheit und eine Grundlage, um in der Zukunft auf eigenen Beinen stehen zu können.“

Damit diese Generation nicht ihre Zukunft verliert und um längerfristige Perspektiven für die Menschen in der Region zu schaffen, arbeitet Caritas Österreich mit lokalen Partnern seit Jahren daran, Kindern einen sicheren Zugang zu Bildung zu ermöglichen. “Mit Bildungsprogrammen in Syrien, Libanon und in Jordanien unterstützen wir aktuell 13.000 Kinder und ihre Familien und ermöglichen trotz Krise einen sicheren Zugang zu qualitätsvoller und inklusiver Bildung sowie psychosoziale Betreuung. Klar ist aber auch, dass für eine langfristige Veränderung ein globaler Bildungspakt, wie ihn beispielsweise Papst Franziskus vorschlägt, dringlicher denn je ist“, so Knapp weiter.

 

Bitte unterstützen Sie die Caritas Hilfe vor Ort:

  • 50 Euro kosten Gutscheine für Nahrungsmittel für einen Monat für eine fünfköpfige Familie, die in lokalen Geschäften eingelöst werden können.
  • 100 Euro ermöglichen einem Kind mit Beeinträchtigung die Teilnahme an speziellen Fördermaßnahmen zur persönlichen Entwicklung
  • 135 Euro kostet ein Mietzuschuss für drei Monate für eine Familie in Aleppo, wo der Wohnraum gering ist und die Mieten deshalb sehr hoch sind. 

 

 

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