Ein kleines Suppen-Wunder - Bosnien-Herzegowina/Sarajevo

Für Menschen in akuter Not ist die Suppenküche der Caritas in der bosnischen Hauptstadt oft die einzige Möglichkeit, an Nahrung zu kommen.

Montagmorgen: Vor der Suppenküche in Sarajevo bildet sich bereits eine lange Menschenschlange. Alle warten auf ihr Essen. Die Küche läuft seit mehreren Stunden auf Hochbetrieb. Die Mehrheit der BesucherInnen ist von ihr abhängig. „Würde es keine guten Menschen geben, würden ich und meine Kinder vor Hunger sterben“, sagt Jusuf*, der unsere Suppenküche regelmäßig besucht.

Der 57-Jährige wurde in der ostbosnischen Stadt Tuzla geboren und lebt nun mit seinen beiden Kindern Emir* und Amina* in einer kleinen Wohnung in einem der Ghettos außerhalb von Sarajevo. Die Wohnung ist an Jusuf und seine zwei Kinder vermietet, doch langsam wird das Geld knapp. Jusuf kümmert sich um seinen Sohn Emir, der an Depressionen und ständiger Nervosität leidet. Jusufs Frau hat ihn vor vier Jahren verlassen. Die Familie ist auf sich allein gestellt. Der Vater hat 22 Jahre lang in einer Firma gearbeitet, bekommt aber keine Pension. Seit rund zehn Jahren kommt Jusuf in die Caritas-Suppenküche, um Essen für sich und seine zwei Kinder zu holen. Die Caritas gibt ihm Hoffnung: „Ich werde nicht aufgeben und werde weiterleben!“

Ein ähnliches Schicksal wie Jusuf hat Nermina*. Sie wurde 1966 in der stark vom Krieg geprägten ostbosnischen Stadt Srebrenica geboren. Nermina lebt alleine, da sie ihren Mann, ihren Vater, zwei Schwestern und drei Brüder im Krieg verloren hat. Viele ihrer Familienmitglieder werden noch vermisst. Zu dieser tragischen Vorgeschichte kommt noch die Diagnose Epilepsie, die ihr das Leben sehr schwer macht. Nermina ist arbeitslos und lebt in sehr ärmlichen Verhältnissen. Ihr Zuhause besteht aus einem kleinen Zimmer und einem Badezimmer. Ihre vier Kinder können nicht bei ihr sein, da sie ihnen kein menschenwürdiges Leben bieten kann. Nermina besitzt keine Mittel, um ihre Kinder ernähren zu können. Mit ihrem Einkommen kann sie sich nicht einmal Medikamente, geschweige denn Essen kaufen. Wie viele andere Menschen holt sie sich – seit fünf Jahren – Unterstützung in der Suppenküche.

Die Caritas Suppenküche „Jelo na kotačima“ befindet sich in Sarajevo, Bosnien-Herzegovina und wird zum einen von der Stadt Sarajevo und zum anderen von privaten SpenderInnen finanziert. Täglich werden rund 260 Mahlzeiten an Menschen in Not verteilt. Die BesucherInnen erhalten pro Tag eine warme Mahlzeit in einem Thermo-Behälter und ein Brot. Da an Wochenenden die Suppenküche geschlossen ist, bekommen sie freitags eine doppelte Portion. Regionstypische Mahlzeiten, wie beispielsweise die sogenannte „Corba“ oder der „Grah“, Reis, Kartoffeln, Fleischgerichte, Salat und Kuchen werden täglich frisch von den KöchInnen zubereitet.

Der Tag fängt für die MitarbeiterInnen der Suppenküche früh an. „Bereits um sieben Uhr morgens putze und desinfiziere ich das Auto, da ja damit das Essen transportiert wird“, erzählt ein freiwilliger Mitarbeiter der lokalen Caritas. Danach wird das Essen vorbereitet und vermerkt, wer es bekommt. „Wir beobachten, wer regelmäßig unser Angebot in Anspruch nimmt und wer nicht.“ Um 10.15 Uhr beginnt die Essensverteilung. Es dauert an die eineinhalb Stunden bis alle Punkte in der Stadt angefahren werden, an denen Lebensmittel verteilt werden. Aber auch die menschlichen Begegnungen nähren: „Man könnte sagen, dass wir eine Freundschaft mit unseren BesucherInnen aufgebaut haben. Bleibt eine Minute übrig, dann unterhalten wir uns auch gerne mit ihnen.“

Die Küche wird von Männern und Frauen unterschiedlichster Nationalitäten besucht. „Kroaten, Bosniaken, Serben als auch Roma nehmen unser Angebot in Anspruch. Und leider steigt der Bedarf.“, so Josip Dugandžić von der Caritas Sarajevo. Die Caritas Kärnten unterstützt die Suppenküche dabei, Menschen wie Jusuf und Nermina Nahrung und Hoffnung zu geben.

*Namen wurden geändert.

  • Motiviertes Küchenteam

  • Projektbesprechung mit Josip Dugandžić, Mitarbeiter der Suppenküche

  • Projektreferentin Theresa Sacher mit dem Küchenteam

  • Brot und ein Lächeln

  • Einmal am Tag etwas Warmes

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