Flüchtlingshilfe Griechenland und Länder des Balkans

Nach wie vor erreichen Menschen auf der Flucht Griechenland und die Balkan-Länder um dort Schutz zu finden und nach Einschätzungen der Hilfsorganisationen werden diese Fluchtbewegungen auch nicht abebben. Mit der Hoffnung auf Schutz oder Aufnahme finden jedoch viele Flüchtlinge fehlende Unterstützungsmechanismen vor. Zusätzlich gibt es keine Entspannung in der Corona-Pandemie, was zusätzliche Herausforderungen mit sich bringt. 

  • Laut UNHCR befinden sich derzeit knapp 120.000 registrierte AsylwerberInnen in Griechenland; ca. 14.000 davon auf den ägäischen Inseln, ein Rückgang im Vergleich zu den Vormonaten. (Stand 24. März 2021)
  • Zurzeit befinden sich 8.355 geflüchtete Menschen auf Lesbos, 3.189 auf Samos, 1.742 auf Chios und 389 auf Kos. Im neuen Camp (RIC Kara Tepe, auch als Mavrovouni bekannt) auf Lesbos sind derzeit 6.649 Personen registriert.
  • Laut griechischen Behörden halten sich derzeit 3.854 UMFs (unbegleitete minderjährige Flüchtlinge) in Griechenland auf.
  • Insgesamt hat die Caritas Österreich seit Anfang 2020 1,26 Millionen Euro für Partnerorganisationen in Griechenland zur Verfügung gestellt und damit Hilfe für mind. 24.000 Menschen ermöglicht.

 

Die allgemeine Situation in Griechenland ist für Menschen auf der Flucht sowie für die lokale Bevölkerung weiterhin schwierig: Der harte Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wurde aufgrund von steigenden Neuansteckungen verlängert, auch um das Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu schützen. Die Lage vor Ort ist dementsprechend angespannt.

Jene AsylwerberInnen, die auf den Ägäisinseln ankommen, verbleiben zum Großteil weiterhin in den dort ansässigen Camps mit all den bereits bekannten und meist menschenunwürdigen Herausforderungen, wie die unzureichende Unterbringung in (Sommer-)Zelten, mangelnde medizinische Versorgung, unwürdige Hygienemaßnahmen und kaum Zugang zu Elektrizität. 

Im Dezember 2020 wurde angekündigt, dass bis September 2021 auf der Insel Lesbos ein "neues, qualitativ hochwertiges Aufnahmezentrum" entstehen soll, ein "geschlossene[s] Lager" mit Einlasskontrollen und "doppelter Umzäunung". Die Camps sollen demnach über Brandschutzsysteme verfügen und "menschenwürdige Lebensbedingungen" bieten.  Die zuständige Baufirma hat in den letzten Wochen jedoch die Arbeit niedergelegt und es ist fragwürdig, ob das neue Camp tatsächlich bis September 2021 fertiggestellt werden kann. Auf Samos soll die Umsiedlung des Camps Vathy in ein ebensolches geschlossenes Camp bereits bis zum Sommer 2021 erfolgen.

Von den knapp unter 4.000 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF) sind 93% männlich und 92% sind über 14 Jahre alt. 2.025 UMFs sind in betreuten Unterkünften untergebracht, 1.380 in Camps (inkl. Safe Zones) oder Appartements/Hotels. 917 UMFs leben laut UNHCR in Griechenland noch immer unter unsicheren Bedingungen.

Integration: Dazu kommt, dass anerkannte Flüchtlinge rechtlich griechischen StaatsbürgerInnen gleichgestellt werden – somit 1 Monat nach Erlangung eines legalen Flüchtlingsstatus diesen rechtlich gleichgestellt werden und zum Großteil aus dem Unterstützungssystem fallen; Mindestsicherung gibt es kaum. Viele Menschen landen dadurch in der Obdachlosigkeit – hier wurde in Athen zumindest eine vorläufige Vereinbarung von Migrationsministerium, Stadtregierung und IOM getroffen, dass obdachlose anerkannte Flüchtlinge notdürftig untergebracht werden. Auch Hilfsorganisationen bieten Unterbringungen, die jedoch nicht behördlich finanziert sind. 

So hilft die Caritas

Über lokale Partnerorganisationen leistet die Caritas Österreich sowohl Nothilfe (Verteilung von Lebensmitteln und Mahlzeiten, Hygienemaßnahmen, etc.), als auch mittelfristige Hilfe (psychologische Hilfe, Unterkünfte, etc.) für die betroffenen Menschen. Insgesamt hat die Caritas Österreich seit Anfang 2020 1,26 Millionen Euro für Partnerorganisationen in Griechenland zur Verfügung gestellt und weiter 600.000 Euro vertraglich für Projekte auf dem griechischen Festland und den ägäischen Inseln zugesagt. Seit Anfang 2020 konnte dadurch Hilfe für mind. 24.000 Menschen ermöglicht werden. 

Hilfe in Griechenland

Auf den griechischen Inseln Lesbos, Samos und Chios arbeitet die Caritas Österreich mit der Caritas Hellas und ansässigen NGOs.

Seit dem Frühjahr 2021 werden mit der Caritas Hellas (und in Zusammenarbeit mit dem DVC) auf Chios und Lesbos psychologische/psychiatrische Betreuung von Flüchtlingen sowie Übersetzungsdienste für Farsi und Arabisch angeboten. Im neuen Camp RIC Kara Tepe organisierte die Caritas Hellas im letzte Jahr 40 chemische Toiletten (inkl. Instandhaltung und Reinigung).

Mit Watershed Greece werden Aktivitäten, die zur Verbesserung der Wasser-, Sanitär- und Hygienebedingungen im Camp Mavrovouni auf Lesbos beitragen, unterstützt. Watershed führt Arbeiten an der Infrastruktur durch (z.B. Wasserversorgung, Abwassersystem, Drainagen, Duschcontainer, Wartung der chemischen Toiletten). Im März 2021 übernimmt Watershed zusätzlich vom Deutschen Roten Kreuz das Freiwilligenmanagement für das Duschmonitoring, da diese ihren Einsatz auf Lesbos abschließen. 

Mit „Home for all“, einer ebenfalls auf Lesbos ansässigen griechischen NGO, finanziert die Caritas Österreich Essenspakete. Diese werden in einer Großküche gekocht, in hygienische Einzelportionen verpackt und ausgeliefert: an schwangere Frauen, an DiabetikerInnen oder andere medizinisch indizierte DiäthalterInnen, an Menschen die in Abschiebehaft sitzen, etc. Bedürftige GriechInnen können sich ebenfalls Essen direkt abholen. Täglich werden so zwischen 1.000 und 1.200 Portionen ausgegeben.

Die Organisation Movement on the Ground arbeitet, mit der Unterstützung der Caritas Österreich und einer Spende des Land Kärntens, an der Verbesserung des Abfallmanagements in Camps auf Samos und Chios, wodurch die Hygienesituation in den Camps sichtlich verbessert werden kann. 

 

Auf dem griechischen Festland unterstützt die Caritas Österreich die Hilfe der Partnerorganisationen in Integrationsprojekten sowie Beratungsangeboten und Sprachkursen.

Gemeinsam mit dem DCV (Deutscher Caritasverband) unterstützt die Caritas Österreich die Caritas Hellas beim Projekt „Following the route II“ – hierin wird wiederum ein Sozialzentrum (diesmal im Stadtteil Neos Kosmos) finanziert, wo Flüchtlinge und auch GriechInnen Beratung und Sprachkurse erhalten.

Mit zwei griechischen NGOs (Praksis und Melissa) wurde ein Integrationsprojekt für obdachlose bzw. von Obdachlosigkeit bedrohte anerkannte Flüchtlingsfrauen gestartet, die zudem noch alleinerziehend sind. Über ein Jahr hinweg werden 20 Familien in 10 Wohnungen in Athen untergebracht und intensiv beim Spracherwerb, bei bürokratischer Integration und Jobsuche begleitet. Dieses Projekt wird durch eine Förderung der Stadt Wien finanziell unterstützt. 

Mit der Organisation „The Home Project” werden seit Februar 2021 zwei Unterkünfte in Athen unterstützt, beide für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: Eine Unterkunft ist für Buben und Mädchen zwischen 5 und 12 Jahren, eine Unterkunft lediglich für weibliche UMFs. Die Umsetzung dieses Projekts wird durch eine finanzielle Förderung des Land Salzburgs unterstützt.

"The Home Project" wird durch eine Förderung des Landes Salzburg mitfinanziert

Das Integrationsprojekt für obdachlose Frauen wird durch eine Förderung der Stadt Wien mitfinanziert.

  • Gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen Österreich konnte im Jahr 2020 eine Wasseraufbereitungsanlage installiert werden. Credit: Dora Vangi / MSF (Medecins sans frontier)

    Gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen Österreich konnte im Jahr 2020 eine Wasseraufbereitungsanlage installiert werden. Credit: Dora Vangi / MSF (Medecins sans frontier)

  •  Credit: Dora Vangi / MSF (Medecins sans frontier)

    Credit: Dora Vangi / MSF (Medecins sans frontier)

  • Die Organisation Watershed Greece kann durch Spendengelder und Unterstützung durch die Caritas notwendigste Reparaturen in den Camps durchführen. Credit: Caritas Österreich

    Die Organisation Watershed Greece kann durch Spendengelder und Unterstützung durch die Caritas notwendigste Reparaturen in den Camps durchführen. Credit: Caritas Österreich

  • Mit Watershed Greece konnten außerdem 36 Warmwasserduschen im Camp Kara Tepe errichtet werden. Credit: Caritas Österreich

    Mit Watershed Greece konnten außerdem 36 Warmwasserduschen im Camp Kara Tepe errichtet werden. Credit: Caritas Österreich

  • Credit: Caritas Österreich

    Credit: Caritas Österreich

  • Credit: Caritas Österreich

    Credit: Caritas Österreich

  • Ein Tanklaster bringt Wasser zu einer Wasseraufbereitungsanlage

Die Menschen auf der Flucht brauchen dringend Unterstützung: 30 Euro helfen, die akute Not zu lindern!

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Die aktuelle Situation in den Balkanländern

Auch im Jahr 2021 obliegt die Versorgung und Betreuung die Flüchtlinge in den Händen von externen Akteuren. Diese sind unabdingbar, um die wichtigen Unterstützungsmaßnahmen für Flüchtlinge überhaupt aufrechterhalten zu können.

In Bosnien-Herzegowina kamen laut UNHCR im Februar 773 MigrantInnen und Asylsuchende irregulär an, darunter 13 unbegleitete oder von ihren Eltern getrennte Kinder (UASC).  689 Personen, die im Februar ankamen, äußerten die Absicht Asyl zu beantragen.  5.243 Asylsuchende und MigrantInnen waren Ende Februar in Aufnahmeeinrichtungen untergebracht, während schätzungsweise 2.000 Personen außerhalb der offiziellen Unterkünfte leben, hauptsächlich im Kanton Una-Sana.  Bislang haben sich die lokalen Behörden schwer getan, die Grundbedürfnisse und Menschenrechte von Migranten im Land angemessen zu erfüllen. Die Situation würde ein Mehrebenenansatz- benötigen, wie dies auch während der Reisen der Caritas Österreich nach  Bosnien-Herzegowina mit den Partnern erörtert wurde.

In Albanien kamen im März 2021 deutlich mehr Schutzsuchende an, als in den Monaten Jänner und Februar 2021. Dies lag zu einen an den schlechten Wetterbedingungen der beiden Vormonate und an den Covid-Restriktionen in Griechenland. Kapshtica ist der Ort, an dem die meisten Flüchtlinge ankommen.  Die meisten Schutzsuchenden stammen aus Marokko und Syrien. Caritas Albanien führte – im Rahmen der Erstversorgung - mit  vielenin Albanien ankommenden Menschen Interviews, um mehr über die Hintergründe  der Flucht zu erfahren. Aus den Interviews ging deutlich hervor, dass der größte Teil der in Albanien ankommenden Menschen Griechenland nur als ein Transitland ansah und dort auch keinen Asylantrag stellte.  Die geflüchteten Menschen sehen keine Zukunft in Griechenland  haben andere EU-Länder als Ziel. Im März 2021 haben nun erstmals wieder Schutzsuchende Albanien über die Küstenstadt Durres verlassen, um über die Adria nach Italien zu gelangen.   

In Serbien sank die Anzahl der in den offiziellen Flüchtlingscamps registrierten Menschen von fast 7.000 auf 4.655 BewohnerInnen per Ende Februar 2021. Gleichzeitig berichtet das UNHCR über 2.300 neu ankommende Schutzsuchende seit Jahresanfang bis Ende Februar 2021. 

In der lokalen Bevölkerung herrscht eine zunehmend aggressive Stimmung gegenüber den Gruppen junger Männer, die im Stadtbild wahrgenommen werden. Besonders in der Grenzstadt Sid komme es regelmäßig zu Protesten. Positiv ist zu vermerken, dass mittlerweile die ersten Flüchtlinge in den offiziellen Flüchtlingscamps die COVID-Vakzine erhalten haben und mittlerweile über 500 Menschen die Impfung beantragt haben.

 

So hilft die Caritas in den Balkanländern

Die Caritas Österreich unterstützt die lokalen Partnerorganisationen in Bosnien Herzegowina, Serbien und Albanien in der Flüchtlingshilfe. Im Rahmen der Flüchtlingshilfe 2020 wurden (Stand März 2021) 450.000 Euro für die Länder des Balkans zur Verfügung gestellt. Alle Mittel sind in Projekten vergeben und befinden sich in Umsetzung. Über die unten angeführten Projekte erreicht die Caritas über 10.000 Personen mit den Partnerorganisationen in Albanien, Bosnien-Herzegowina und Serbien. 

Es fanden 2021 zwei Reisen nach Bosnien-Herzegowina statt und hier ist die Caritas Österreich mit ihren Partnern in der Planung für mittelfristige Beratungsangebote.

Im Frühjahr 2020 wurde ein Krisenstab für die Flüchtlingshilfe 2020 in Griechenland und den Ländern des Balkans eingesetzt, der nach wie vor aktiv ist. Der Krisenstab soll mit Ende April 2021 aufgelöst und die Programme in die zuständigen Organisationseinheiten übergeben werden.

 

Hilfe in den Balkanländern

Seit 2015 unterstützt die Caritas Bosnien-Herzigowina mit den diözesanen Caritas Organisationen in Banja Luka und Mostar Flüchtlinge, die im Land gestrandet sind. Seit 2019 wird in Bira (bei Bihac) eine Wäscherei der Caritas Banja Luka betrieben, in der mit 3 Industriewaschmaschinen und Trocknern die Kleidung und Bettwäsche der LagerbewohnerInnen gewaschen wird. Seit der Räumung des Lagers Bira wird der Wäschereibetrieb weitergeführt, die Wäsche wird vom Lager Lipa abgeholt, in Bira gewaschen und wieder zurückgebracht. Ein großer Teil der ankommenden Menschen sind Männer, aber auch Jugendliche (Knaben bis 18 Jahre), die unter anderem aus Pakistan, Türkei oder dem Irak stammen.

Nach der Verschlechterung der Situation der Flüchtlinge im Dezember 2020 unterstützt die Caritas Österreich die Partner in Banja Luka dabei, über lokale Initiativen und das lokale Rote Kreuz die geflüchteten Menschen zu versorgen. So konnte die Lebensmittelversorgung (über das Rote Kreuz) verdoppelt werden, warme Jacken angekauft und verteilt, sowie Flüchtlinge mit Lebensmitteln und medizinischem Material versorgt werden. In Zusammenarbeit mit dem Sozialamt in Bihac erhalten lokale vulnerable Familien Lebensmittelgutscheine und Brennholz. Für die Hilfe nach dem Brand unterstützen die Caritas Graz und Caritas Österreich die Caritas  Bosnien-Herzegowina sowie Caritas Banja Luka mit 180.000 Euro und weitere Aktivitäten sind in Planung.

Die Caritas Albanien leistet humanitäre Hilfe, um Flüchtlingen im Norden Albaniens (vor ihrer Ausreise Richtung Montenegro oder Kosovo) essentielle Hilfe bereitzustellen. Im Norden Albaniens, entlang der beiden Orte Shkodra und Kukës, an denen die Flüchtlinge Albanien in Richtung Montenegro oder Kosovo verlassen, werden im Jahr 2021 insgesamt 400 Flüchtlinge eine Notunterkunft sowie 900 Flüchtlinge Nahrungsmittel bzw. warme Mahlzeiten erhalten. Ebenso können für 1.000 Personen Medikamente im Krankheitsfall gekauft und ebenso für 1.000 Menschen Hygiene- und Desinfektionsmaterialen verteilt werden.

In Serbien konzentriert sich die Caritas auf psychosoziale Unterstützung und den Betrieb von Wäsche- und Trockernservices in insgesamt sieben offiziellen Flüchtlingscamps. Diese Aktivitäten werden gemeinsam mit Caritas Italiana, der Italienischen Bischofskonferenz und Caritas Espanola finanziert und laufen noch bis Ende August 2021. Für die Zeit danach stellte die Italienische Bischofskonferenz bereits eine Folgefinanzierung in Aussicht.   In den offiziellen Flüchtlingscamps begleiten und unterstützen täglich Caritas-Mitarbeitende (PsychologInnen, SozialarbeiterInnen, eine Übersetzerin und Animateure mit unterschiedlichen Angeboten) die Menschen auf der Flucht. Für drei weitere Camps organisieren MitarbeiterInnen der Caritas den täglichen Wäsche- und Trocknerservice. 

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