Warum Wegsehen keine Option ist

28.03.17

Wenn 20 Millionen Menschen gleichzeitig auf Lebensmittelhilfen angewiesen sind, dann müssen wir uns wieder einmal klar werden: Wir dürfen uns nicht an das Sterben von Menschen gewöhnen. Wir dürfen nicht wegsehen!

Von Michael Landau. Dieser Beitrag ist Teil des Blogs "Hautnah am Hunger".

 

Es gibt Zahlen, die wir lesen, und derer wir uns oft gar nicht richtig bewusst werden. Erst diese Woche habe ich solche wieder gelesen:

  • 20 Millionen Menschen  in der Sahelzone, im Südsudan und Äthiopien sind aktuell vom Hungertod bedroht.
  • Über 100.000 Menschen droht alleine im Südsudan der Hungertod.
  • Alle 10 Sekunden stirbt weltweit ein Kind an Hunger und Unterernährung.
  • In der Sahelzone sterben jedes Jahr 200.000 bis 300.000 Kinder unter fünf Jahren an den Folgen von Mangel- und Unterernährung.
  • Weltweit hat jeder neunte Mensch nicht genügend zu essen, um ein gesundes und aktives Leben zu führen. 

Wenn man die von der UNO veröffentlichten Zahlen liest, wird klar: Wir müssen handeln! Denn in einer Welt, die mehr als genügend Nahrung für alle produziert, sollte niemand mehr hungern. So lange Kinder am Hunger und an seinen Folgen sterben, haben wir als Gesellschaft versagt. Mit diesen Gedanken bzw. Leitsätzen im Hinterkopf haben wir von der Caritas Österreich so schnell wie möglich reagiert und zusätzliche 400.000 Euro zur Verfügung gestellt. 

 

Internationale Hilfe schwer unterfinanziert

Das Schlimme ist, dass die internationale Hilfe nach wie vor schwer unterfinanziert ist. Der Aufruf der Vereinten Nationen zur Nothilfe wurde bis dato nur zu zehn Prozent erfüllt. Die Hungerhilfe muss entscheidend ausgeweitet werden, denn die Menschen brauchen jetzt rasch sauberes Trinkwasser und Nahrungsmittel.

 

Hunger ist ein Skandal

Naturkatastrophen, Konflikte, Armut, schlechte landwirtschaftliche Infrastruktur und die Ausbeutung der Umwelt sind die Hauptursachen für Hunger. Wenn diese Faktoren zusammentreffen und keine oder nicht ausreichend Hilfe geleistet werden kann, droht eine Hungersnot. Das zeigt uns klar: Hunger ist kein Schicksal, Hunger ist ein Skandal. Ein Skandal in einer Welt, die einen Überschuss an Nahrungsmitteln produziert. 

Über den Autor - Michael Landau

Der studierte Biochemiker und Theologe Michael Landau ist seit 1995 Caritasdirektor der Erzdiözese Wien und seit 2013 auch Präsident der Caritas Österreich. Mehr zur Person