Nie mehr hungrig zur Schule - Schulausspeisungen Äthiopien

07.07.17

Drei afrikanische Mädchen essen Bohnen.

Während in der Region Borana im Süden Äthiopiens aufgrund der Hungersnot bereits über 400 staatliche Schulen geschlossen werden mussten, steigen die Schülerzahlen in der Missionsschule Dhadim sogar an. Ein wesentlicher Grund dafür ist das Schulausspeisungsprogramm, das es hier gibt.

Von Michael Zündel. Dieser Beitrag ist Teil des Blogs "Hautnah am Hunger".

 

Alle Kinder erhalten an jedem Schultag ein warmes Mittagessen. Es ist eine Entlastung für die Eltern, dass ihre Kinder wenigstens fünf Mal in der Woche etwas Warmes und Nahrhaftes zu essen bekommen, denn zu Hause sind die Essensvorräte dramatisch geschrumpft.

Viele Teller mit Bohnengerichten

Das Essen macht fast Unmögliches möglich: Die Schülerzahlen sinken im Gegensatz zu allen anderen Schulen nicht, sie steigen sogar.

Lange Fußmärsche in die Schule

Die meisten Kinder, die in der Missionsschule Dhadim zur Schule gehen, haben täglich lange Fußmärsche zurück zu legen, viele von ihnen weit über 20 Kilometer jeden Tag. In Zeiten von Hunger und Nahrungsmittelknappheit müssen sich die Kinder ohne ein Frühstück auf den Weg machen. Gäbe es das Mittagessen in der Schule nicht, müssten die Schülerinnen und Schüler nicht nur den Weg zurück nach dem Unterricht hungrig und mit leerem Magen in Angriff nehmen, viele Kinder würden von den Eltern gar nicht mehr zur Schule geschickt werden. Selbst für die Kinder hier, die viel aushalten und gewohnt sind, ist eine solche Situation nicht zumutbar.

Caritas-Helfer Michael Zündel mit Kindern bei einer Schulausspeisung

Es ist ein gutes Gefühl, mit den Kindern in Dhadim gemeinsam zu Mittag zu
essen und dabei zu wissen, dass diese Mahlzeit den Schulbesuch der Kinder sichert.

Immer mehr Schulen geschlossen

In den Schulen, in denen es keine Ausspeisungsprogramme gibt, sind die Schülerzahlen in den letzten Monaten um mehr als 50 Prozent zurückgegangen, viele Schulen haben sogar ganz zugesperrt. Das Ausspeisungsprogramm, das allen Kindern ein warmes und ausreichendes Mittagessen zur Verfügung stellt, ist die wesentliche Grundlage dafür, dass es in der Schule in Dhadim keinen Rückgang der Schülerzahlen, sondern im Gegenteil, sogar Zuwächse gibt! Damit bleibt den Kindern ihre Chance zum Schulbesuch erhalten, eine ganz entscheidende Grundlage für eine zukünftige, selbstbestimmte Zukunft.

Ein afrikanisches Mädchen holt sich Trinkwasser.

Sunna geht jeden Tag 12 Kilometer weit in die Schule. Dafür sind eine ordentliche Mahlzeit und Trinkwasser wichtige Voraussetzungen.

12 Kilometer Fußweg zur Schule

Bei einer der Schulausspeisungen habe ich die 12-jährige Sunna getroffen und mit ihr gesprochen. Zusammen mit ihren beiden Freundinnen kommt sie jeden Tag aus ihrem Heimatdorf Doro zu Schule. Das Dorf liegt mehr als 12 Kilometer von der Schule entfernt. Daher brechen die drei Mädchen immer schon um 6:00 Uhr morgens auf, damit sie pünktlich in der Schule sind. „Wir freuen uns jeden Tag auf die Schule und dass unsere Eltern uns auch gehen lassen, vor allem uns Mädchen“, sagte sie. „In vielen Familien werden nur die Buben geschickt. Ich glaube, dass sie das nur erlauben, weil sie wissen, dass wir dort ein gutes Mittagessen bekommen.“

Solche Gespräche versüßen einem den Tag in der sonst oft so tristen Lage in Südäthiopien. Schön, dass dieses Projekt so gut angenommen wird!

Über den Autor - Michael Zündel

Michael Zündel von der Caritas Vorarlberg ist Projektverantwortlicher für Äthiopien und dort seit fast 20 Jahren tätig. Er ist außerdem Bildungsbeauftragter der Caritas Auslandshilfe.

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