Hunger ist kein Naturgesetz - nicht einmal in der Wüste

21.07.17

Tharparkar in Pakistan ist die wahrscheinlich dichtest besiedelte Wüste der Welt. Die heurige Temperaturspitze lag bei 54°C. Dennoch überleben die Menschen hier in Würde. Das war nicht immer so.

Von Andreas Zinggl. Dieser Beitrag ist Teil des Blogs "Hautnah am Hunger".

 

Masood Mahesar ist ein ruhiger, besonnener Mensch. Im eleganten, grauen Salwar-Kamiz gekleidet und in bequemen Turnschuhen steht er da, hört zu, spricht wenig und wenn er etwas sagt, dann präzise auf den Punkt gebracht. Als gelernter Soziologe versteht er die wissenschaftlichen Analysen zum Klimawandel zu lesen. Diagramme und Statistiken sind das eine. Er kennt dazu auch die Geschichten der Menschen die hier leben. Menschen, deren Zuhause die Wüste ist.

Masood Mahesar von unserer Partnerorganisation in Pakistan ist Experte für Klimaphänomene und weiß genau, was bei extremen Bedingungen zu tun ist.

Noch vor wenigen Jahren sind viele Menschen gestorben

Tharparkar ist die wahrscheinlich dichtest besiedelte Wüste der Welt. Die heurige Temperaturspitze lag bei 54°C. Die letzten ausgiebigen Regengüsse sind lange her. Dennoch schaffen es die knapp dreieinhalb Tausend Menschen in insgesamt fünf Dörfern des Bezirkes Mithrio Charan die derzeitige Dürre halbwegs in Würde zu überleben. Das war nicht immer so. Noch vor wenigen Jahren musste man hier zahlreiche Todesopfer beklagen, viele davon Kinder unter fünf Jahren. Hässliche Bilder, an die sich Menschen wie Masood Mahesar nicht gewöhnen wollten. Vor wenigen Jahren noch dachte man hier, das sei eben ganz natürlich so. Schließlich war es ja auch immer schon so gewesen.

In einer Wüste, in der es bis zu 54° Celsius erreicht, sind Regenwasser-Sammelbecken überlebensnotwendig.

Dass das nicht so sein muss, zeigt unser vor mehr als drei Jahren gestartete Projekt in Tharparkar. Masood Mahesar, Leiter der Caritas-Partnerorganisation RDF (Research and Development Foundation), weiß was zu tun ist. Die Ziegen müssen entwurmt, geimpft und ausreichend genährt werden, Das seltene Regenwasser muss besser gesammelt werden, Tröpfchenbewässerung spart Wasser und erhöht die Erträge. Neue, in ähnlichen Regionen erprobte Pflanzen werden angebaut, zum Beispiel der Moringa-Baum. Brennholz sparende Kochstellen, die noch dazu das Haus von Rauch frei halten, werden errichtet. Und so weiter. Die bisherigen Erfolge lassen sich sehen. Selbst in der heurigen Dürreperiode ist man hier halbwegs gut über die Runden gekommen. Langfristige Hilfe wirkt. Und Hunger ist kein Naturgesetz.

Über den Autor - Andreas Zinggl

Andreas Zinggl, Studium der Raumplanung und Regionalwissenschaften, langjährig als Radiojournalist bei Ö1 tätig, zahlreiche Einsätze in der Katastrophenhilfe der Caritas, seit 2015 Pakistanreferent der Caritas Sankt Pölten.