Flüchtlingshilfe Griechenland und Länder des Balkans

Angesichts der angespannten Lage entlang der türkisch-griechischen Grenze, in Griechenland selbst und entlang der sogenannten Balkanroute hat die Caritas ihr Engagement in den vergangenen Monaten gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen weiter verstärkt.

So hilft die Caritas

Aktuelle Flüchtlingshilfe Griechenland

Als sich im Frühjahr 2020 die Lage an der griechisch-türkischen Grenze erneut zuspitzte, stellte die Caritas Österreich umgehend 50.000 Euro aus ihrem Katastrophenfonds bereit, um Soforthilfe zu leisten.

Gemeinsam mit der „Caritas Hellas“ sind und waren wir in der akuten Nothilfe im Einsatz: Dabei geht es um die Deckung von akuten Bedürfnissen. Etwa durch Hygieneartikel (Seifen, Desinfektionsmittel, Toilettenartikel sowie Hygieneartikel speziell für Frauen) sowie Zugang zu Sanitäreinrichtungen in den Flüchtlingscamps auf Chios und Lesbos. Dies geschieht jeweils in Abstimmung mit dem jeweiligen Camp Management sowie anderen NGOs. Darüber hinaus konnte ein Krankentransport auf Chios in Betrieb genommen werden. 

Nach dem Brand im Camp Moria auf Lesbos im September 2020 wurde diese Unterstützung weiter intensiviert, Dolmetscher*innen für Farsi und Arabisch konnten angestellt werden, die psychosoziale Betreuung wurde weiter ausgebaut; für das neue Camp Kara Tepe auf Lesbos wurden 40 Chemietoiletten angeschafft.

Schutz und tägliche Essensausgabe für die Vulnerabelsten

Darüber hinaus wurde mit der griechischen NGO „Metadrasi“ eine vorübergehende Notunterkunft für vulnerable Personen nach dem Brand in Moria finanziert. Mit „Movement on the Ground“ konnten notwendige infrastrukturelle Maßnahmen im neuen Camp Kara Tepe auf Lesbos errichtet werden (Essensausgabestände, Planen als Zeltunterteilungen bzw. als Schutz bei heftigen Regenfällen). Außerdem konnte das Volunteersprogramm sowie Notmaßnahmen nach einem Brand im Camp Vathy auf Samos unterstützt werden.

 „Home for all“ unterstützen wir in deren Essensausgabe für bis zu 1200 Menschen täglich – hier werden all jene, die das gelieferte Campessen auf Lesbos aufgrund verschiedenster Umstände nicht vertragen, bedacht: Schwangere Frauen, Diabetiker*innen, Menschen in Abschiebehaft, etc. Auch bedürftige Griech*innen holen sich direkt in der Küche Essen ab.

Die Organisation „Watershed Greece“ unterstützt die Caritas Österreich seit September 2020. Watershed Greece war bereits lange vor dem Brand im Camp Moria tätig und begann mit unserer Unterstützung WC-Container zu reparieren. Auch der Neubau eines Duschgebäudes war geplant, fiel dann jedoch im September den Flammen zum Opfer. Im neuen Camp Kara Tepe ist Watershed ein wertvoller Baustein in den alltäglichen Arbeiten: Sie koordinieren und organisieren, zeichnen notwendige Pläne, montieren Bretterböden unter Zelte, legen Überflutungsschutz und Kaltwasserduschen.

  • Gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen Österreich konnte eine Wasseraufbereitungsanlage installiert werden. Credit: Dora Vangi / MSF (Medecins sans frontier)

    Gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen Österreich konnte eine Wasseraufbereitungsanlage installiert werden. Credit: Dora Vangi / MSF (Medecins sans frontier)

  •  Credit: Dora Vangi / MSF (Medecins sans frontier)

    Credit: Dora Vangi / MSF (Medecins sans frontier)

  • Die Organisation Watershed Greece kann durch Spendengelder und Unterstützung durch die Caritas notwendigste Reparaturen in den Camps durchführen. Credit: Caritas Österreich

    Die Organisation Watershed Greece kann durch Spendengelder und Unterstützung durch die Caritas notwendigste Reparaturen in den Camps durchführen. Credit: Caritas Österreich

  • Credit: Caritas Österreich

    Credit: Caritas Österreich

  • Credit: Caritas Österreich

    Credit: Caritas Österreich

  • Credit: Caritas Österreich

    Credit: Caritas Österreich

  • Ein Tanklaster bringt Wasser zu einer Wasseraufbereitungsanlage

Kooperation mit „Ärzte ohne Grenzen“

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise startete die Caritas Österreich im Frühling 2020 eine Kooperation mit „Ärzte ohne Grenzen Österreich“ (MSF) auf Samos: Eine Wasseraufbereitungsanlage, die mittlerweile 100.000 Liter Trinkwasser täglich produziert, wurde in Betrieb genommen. Zudem unterstützt die Caritas Österreich die psychologischen und psychotherapeutischen Aktivitäten von MSF auf Samos im Jahr 2020.

Perspektiven schaffen

Neben der akuten Nothilfe ist eine mittel- bzw. langfristige Unterstützungsperspektive notwendig: In Athen unterstützten wir – gemeinsam mit der Caritas Schweiz - 2020 ein Beratungs- und Sozialzentrum der „Caritas Hellas“, in dem geflüchtete Menschen, aber auch die lokale Bevölkerung, Beratung und Betreuung erhalten. Zur Perspektivenabklärung, zu Finanz- und Sozialfragen, in juristischen Belangen und weiteren Themen fanden die Menschen hier kompetente Ansprechpartner*innen. 

Im Jahr 2020 hat die Caritas Österreich über 560.000 Euro für die Partnerorganisationen in Griechenland zur Verfügung gestellt. Für das Jahr 2021 sind weitere Projektmaßnahmen geplant:

  • Ein intensiv begleitetes Integrationsprojekt für obdachlose oder von Obdachlosigkeit bedrohte alleinerziehende Frauen mit positivem Asylbescheid,
  • zwei Shelter für Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge (beides mit griechischen NGOs)
  • sowie – gemeinsam mit der "Caritas Hellas" – ein Beratungsprojekt in Athen sowie psychologische und psychiatrische Unterstützung für Geflüchtete in den Camps auf Lesbos und Chios.

Es ist wichtig, angesichts, der schwierigen, humanitären Situation – die sich durch die Kälte derzeit verschlimmert – gemeinsam und koordiniert vorzugehen und die akuten Bedürfnisse abzudecken: Ein sicheres, winterfestes Dach über den Kopf, adäquate, ausreichende Nahrungsmittel und psychosoziale Unterstützung.

Ein weiteres Einsatzfeld, auf das die Caritas in den kommenden Monaten schauen und dort aktiv sein wird, ist die Betreuung von geflüchteten Menschen mit positivem Asylbescheid, die meist unzureichende Unterstützung auf dem Festland in Griechenland finden.

Die Menschen auf der Flucht brauchen dringend Unterstützung - 30 Euro helfen, die akute Not zu lindern:

Länder des Balkans

In den Ländern des Westlichen Balkans wird die Flüchtlingshilfe nahezu ausschließlich von externen Akteuren, wie der UN oder der Caritas, finanziert bzw. umgesetzt und ist unabdingbar um die wichtigen Unterstützungsmaßnahmen für Flüchtlinge überhaupt aufrechterhalten zu können: Versorgung mit Nothilfegütern, Übersetzung, psychosoziale Aktivitäten, rechtliche Unterstützung, Hygienevorsorge, etc. Hieraus bedingt sich, dass in Zeiten von bereits existierenden Einschränkungen, aber insbesondere auch die wiederkehrenden Covid-bedingten Ausgangsbeschränkungen, Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit in den Flüchtlingscamps vorgebeugt werden können.

Die der geflüchteten Menschen ist auch hier teils prekär. In Bosnien-Herzegowina beispielswiese befanden sich in den ersten Dezembertagen des Jahres 2020 laut Schätzungen der Caritas und anderer NGOs circa 13.000 Flüchtlinge (registriert und nicht-registriert) im Land. 50% befinden sich in den offiziellen Unterkünften für Flüchtlinge. Allerdings befinden sich auch von diesen in den staatlichen Camps untergebrachten Flüchtlinge circa 1.500 Menschen in unbeheizten Winterquartieren. Die Regierung kommt ihren Zusagen zur Wasser und Stromversorgung in einigen Camps nicht nach und nun ist auch dort die Situation eskaliert.

Brand im Lager Lipa in Bosnien

Der verheerende Brand im Lager Lipa in der Nähe der bosnischen Stadt Bihac hat fast die gesamte Infrastruktur beschädigt. Das von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) betriebene Lager musste laut Angaben von IOM auf Grund der unzureichenden Bedingungen, die keine adäquate Betreuung über die Wintermonate ermöglichen, geschlossen werden, weshalb sich zum Zeitpunkt des Brandes kaum mehr Menschen im Camp befanden.

So hilft die Caritas

Die Caritas Österreich unterstützt die lokalen Partnerorganisationen in Bosnien Herzegowina, Serbien und Albanien in der Flüchtlingshilfe. Die geflüchteten Menschen erhalten je nach Bedarf ein Dach über dem Kopf, Nahrungsmittel und Hygieneartikel. Auch wird ein Wäsche- und Trocknerdienstes bereitgestellt, der von den Menschen sehr gut angenommen und frequentiert wird. Ebenso wird psychosoziale Unterstützung und Beratung angeboten.