Dilek Durmus studiert in Wien Chemie und Lehramt. Neben ihren Verpflichtungen als Studentin engagiert sie sich ehrenamtlich bei zahlreichen Projekten der Caritas. Wir haben mit Dilek darüber gesprochen, wie freiwilliges Engagement funktionieren kann und warum es wichtig ist, sich dafür viel Zeit zu nehmen. 

Caritas Österreich: Wie bist du zur youngCaritas Wien gekommen und was machst du dort genau?


Dilek Durmus: Ich habe die youngCaritas Wien vor sechs Jahren auf der Bildungsmesse BeSt entdeckt. Ich wollte mich schon immer freiwillig engagieren, wusste aber lange Zeit nicht wo. Eines meiner ersten Projekte für die youngCaritas war dann die Aktion #partofthepuzzle 2015. Wir haben im Zuge einer Veranstaltung am Stephansplatz Wünsche für geflüchtete Menschen gesammelt, diese in viele Sprachen übersetzt und ein Plakat daraus gefertigt, das wir bei einem der Notschlafquartiere angebracht haben. Gleich danach kam das Projekt #bettertogether. Bei einem großen Straßenfest auf der Meidlinger Hauptstraße haben wir Geflüchtete gefragt, was sie brauchen würden, um sich  in Österreich heimisch zu fühlen – die Antwort war: „Kontakt mit Einheimischen.“ Viele von Ihnen teilen sich ihre Wohnungen oder Unterkünften mit Personen die aus demselben Land kommen, sie haben daher niemanden, mit dem sie Deutsch üben können, oder der ihnen die Stadt zeigen kann. Deswegen haben wir „nicetomeetyou“ ins Leben gerufen.

 

Caritas Österreich: Was ist „nicetomeetyou“?

 

Dilek Durmus: „Nicetomeetyou“ war ein Peer-Projekt, das junge Geflüchtete mit ÖsterreicherInnen zusammengebracht hat. Die TeilnehmerInnen wurden je nach Interessen und Alter in Paare aufgeteilt. Jedes Paar hat dann ein kleines Budget bekommen, um in der Freizeit gemeinsam etwas Unternehmen zu können und zusätzlich haben wir uns regelmäßig als Großgruppe getroffen. Es war ein Projekt, bei dem wirklich alle voneinander gelernt haben. Organisiert wurde das Ganze von einem Team Freiwilliger und der youngCaritas Wien.

 

Caritas Österreich: Welche Personen haben sich für das Projekt angemeldet?


Dilek Durmus: Am Anfang haben sich hauptsächlich männliche Geflüchtete angemeldet, wir haben das Projekt dann immer wieder verbessert und haben uns gezielt um mehr weibliche Geflüchtete bemüht. Ich engagiere mich nebenbei noch für PROSA – Projekt Schule für Alle und konnte dort viele meiner SchülerInnen für „nicetomeetyou“ gewinnen. Oft denken Menschen, dass diese Frauen schwer zu erreichen und aufgrund ihrer Kultur eher zurückhaltend sind. Ich kann sagen, dass das auf jeden Fall nur am Anfang so ist (lacht). Die Mädchen sind viel offener geworden.

 

Caritas Österreich: Gab es in der Zeit des Projektes ein besonders schönes Erlebnis?


Dilek Durmus: Es gibt immer wieder Momente, in denen ich merke, dass die Jugendlichen mir wirklich vertrauen, das ist sehr schön. Toll war auch, als wir gemeinsam rodeln gegangen sind. Ich bin seit 25 Jahren in Österreich und war noch nie rodeln, so wie viele der TeilnehmerInnen. Es hat so viel Spaß gemacht. Schön ist auch, dass wir uns alle gegenseitig unterstützen. Wenn ich irgendetwas brauche, weiß ich, dass ich in kürzester Zeit jemanden habe, der mir hilft.

 

Caritas Österreich: Was ist dein innerer Antrieb? Warum ist es deiner Meinung nach wichtig, sich sozial zu engagieren?


Dilek Durmus: Ich weiß, dass ich nicht alles verändern kann, aber zumindest ein bisschen was. Natürlich investiere ich viel Zeit aber es macht auch Spaß. Sich zu engagieren ist allgemein wichtig, damit man eine bessere Welt schaffen kann. Es muss nicht jeder bei Integrationsprojekten mitmachen, man kann zum Beispiel genauso einem Nachbarn helfen. Es ist einfach schön, wenn man einen Menschen zum Lächeln bringt. 

 

Caritas Österreich: Wie kann soziales Engagement gefördert werden?


Dilek Durmus:
Ich glaube, viele wollen etwas machen, wissen aber nicht, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Hier braucht es mehr Informationen für die Menschen. Die Struktur, die die youngCaritas bietet finde ich gut: Man kann eigene Ideen einbringen, wird ernst genommen und bei der Planung unterstützt.

 

Caritas Österreich: Wie kann Integration funktionieren?


Dilek Durmus: Für Integration braucht es ÖsterreicherInnen. Wenn wir wollen, dass die Leute, die zu uns kommen, sich integrieren, dann müssen wir auch etwas dazu beitragen. Ich verstehe, dass manche Leute vielleicht Angst haben, aber sobald man persönlichen Kontakt mit Geflüchteten hat, merkt man, dass diese Angst unnötig ist. Das braucht natürlich Zeit.

 

Caritas Österreich: Was ist dein nächstes Projekt?

 

Dilek Durmus: Mein nächster Plan ist es ein internationales Fest zu organisieren, bei dem ich verschiedene Kulturen und die Projekt-Teilnehmer vorstellen will. Es gibt so viele coole Leute, z.B. ein Künstler, der sehr gut zeichnen kann, oder ein Kickboxer der in Wien viele Medaillen gewonnen hat. Ich möchte zeigen, was sie in ihrem Leben erreicht haben. Ich will das alles präsentieren – das Essen, die Kulturen, die Menschen. Einfach ein cooles internationales Treffen, bei dem deutlich wird, was es alles Tolles gibt.

 

Caritas Österreich: Was bedeutet Heimat für dich?

 

Dilek Durmus: Heimat ist dort, wo ich meine Freunde und meine Familie habe, wo ich mich wohlfühle. Man kann viele Heimaten haben. 

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