Ich habe noch nie so großes Leid gesehen - Hungerkatastrophe Kenia

01.06.17

Warum es nur eine Frage der Zeit ist, dass die Menschen im Norden Kenias sterben, wenn ihre Kamele gestorben sind.

Von Miriam Ebner. Dieser Beitrag ist Teil des Blogs "Hautnah am Hunger".

 

Nach drei Wochen als Helferin in Nordkenia kann ich sagen: Ich habe so ein großes Leid noch nie gesehen. Mittlerweile sterben auch schon die Kamele, und das ist die höchste Alarmstufe. Denn wenn die Kamele sterben, dann sterben auch die Menschen. Auf meiner Fahrt durch die nordkenianische Region Marsabit habe ich dutzende verendete Kamele gesehen. Viele Menschen sind kurz vor dem Sterben. Es ist ein beklemmendes Gefühl, diese hungernden Menschen zu sehen, weil es etwas ist, was nicht sein muss und leicht zu beheben wäre.

Ein ganz grässliches Szenario ist noch immer in meinem Kopf. In einem der Dörfer haben wir zwei Kamelhirten getroffen, die 30 Kilometer auf ihrem Kamel geritten sind, um Wasser beim einzigen Brunnen im Umkreis zu besorgen. Das Kamel hatte aufgegeben und konnte nicht mehr aufstehen. Es war zu schwach. Mit Gewalt haben die Hirten versucht, die Kamele aufzubekommen. Ohne Erfolg. Sie mussten das Kamel dortlassen und den Weg nach Hause zu Fuß zurück legen.

  • Das Kamel gab nach 30km auf.

    Das Kamel gab nach 30km auf.

  • Alle Versuche, es wieder aufzubekommen, scheiterten.

    Alle Versuche, es wieder aufzubekommen, scheiterten.

  • Die Hirten mussten das Kamel zurücklassen.

    Die Hirten mussten das Kamel zurücklassen.

Warum ist diese Dürre schlimmer als andere?

Die Vereinten Nationen warnen vor 20 Millionen Hungertoten in Jemen sowie den afrikanischen Staaten Nigeria, Südsudan und Somalia. Zwischen den beiden Krisenländern Südsudan und Somalia liegt Marsabit County, wo ich und mein Kollege Rafael Thurn für die Caritas im Einsatz sind.

Ganz Marsabit County ist ausgetrocknet, man sieht nur noch eine Steinwüste in dieser Region, wo 300.000 Menschen leben. In den Dörfern strandeten immer mehr Nomaden, die es nicht mehr zu den wenigen bestehenden Wasserstellen schafften. Viele sitzen fest und können nicht mehr, weil sie keine Tiere mehr haben. 70 bis 80 Prozent ihres Viehs sind verendet.

Die Tiere, die noch leben, sind krank

Die Hilfsorganisationen vor Ort versuchen, den Bewohnern das Vieh abzukaufen, doch das ist nicht immer möglich. Viele Tiere schauen sehr schlecht aus, haben einen aufgeblähten Bauch und sind voller Krankheiten. Man kann dieses Fleisch nicht mehr essen. Ohne internationale Hilfe schaffen es die Menschen nicht mehr, auch wenn es jetzt im Mai geregnet hat. Doch im Vergleich war es viel weniger Regen als es eigentlich sein sollte.

 

Eine ganze Generation trägt Schäden davon

Besonders stark betroffen sind Ältere und Kinder, die mitunter schon seit einem Jahr mangelernährt sind. Eine ganze Generation trägt hier Schäden davon. Dennoch ist die Lage nicht völlig hoffnungslos. Es gibt nämlich viele große internationale Akteure, die helfen könnten. Allerdings lassen sie zumindest in Nordkenia noch auf sich warten. Von einem anlaufenden großen Hilfseinsatz habe ich nichts bemerkt.

 

Wir brauchen ganz dringend finanzielle Mittel. Mit 25€ können wir eine sechsköpfige Familie eine Woche lang versorgen.

Porträtfoto von Miriam Ebner in der Wüste von Kenia.
Über die Autorin - Miriam Ebner

Studium Internationale Entwicklung in Wien, Berlin und Kampala. Bisherige Auslandsaufenthalte in Rumänien, Moldawien, Bulgarien und Bangladesch. Für die Caritas war sie als Katastrophenhelferin in Griechenland (Flüchtlingshilfe) und Haiti (Hurrikan Matthew) im Einsatz.

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