5 Projekte, in denen Frauen die Welt verändern

27.06.19

Frauen sind nicht nur Hauptbetroffene von Armut und Hunger, sie sind auch die Lösung. Wie das funktionieren kann, möchte ich hier anhand von fünf Projekten rund um die Welt zeigen.

Von Sabine Wartha. Dieser Beitrag ist Teil des Blogs "Hautnah am Hunger".

 

Frauen leben heute länger, sind besser gebildet und heiraten später als noch vor 20 Jahren. Dennoch sind nach wie vor Millionen Frauen Analphabetinnen und haben Berufe, in denen sie wenig oder nichts verdienen. Mädchen und Frauen sind Opfer von Gewalt, ihnen werden gleiche Chancen bei Bildung und Arbeit verwehrt. Nicht zuletzt sind Frauen besonders häufig von Hunger und Mangelernährung betroffen.

 

Entwicklungshilfe funktioniert nur über Frauen

Aber aus unserer täglichen Arbeit wissen wir: Frauen sind nicht nur hauptbetroffen von Armut und Hunger, sie sind gleichzeitig auch die Lösung! Humanitäre Hilfe wie auch Entwicklungshilfe funktionieren nur über Frauen. Sie entscheiden über den Einsatz des Haushaltsbudgets und über die Ausbildung der Kinder. Es sind Frauen, die einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung der Lebenssituation aller Mitglieder einer Gesellschaft leisten. Ob als Mütter, Bäuerinnen, Geschäftsfrauen oder Lehrerinnen, weltweit sind Frauen sehr effektive und verlässliche Partnerinnen im Kampf gegen Armut und Hunger.

 

Fünf Caritas-Frauen-Projekte

Ich habe beispielhaft fünf unserer Projekte herausgesucht, um sie kurz vorzustellen und um genau das zu zeigen. (Insgesamt helfen wir als Caritas 30.000 Frauen in den ärmsten Ländern der Welt.)

1. Mali: Frauen-Genossenschaften zur Ernährungssicherung

In insgesamt elf Dörfern in Mali wird eine je ein Hektar große Gemüseanbaufläche angelegt und eingezäunt, Brunnen werden für die Bewässerung während der Trockenzeit gebaut. Die BäuerInnen, 80 Prozent sind Frauen, erhalten neben regelmäßiger Beratungen in nachhaltiger Landwirtschaft (z.B. organische Düngung und Pflanzenschutz, Erzeugung von Kompost) als Starterpaket Saatgut und Werkzeug. Um die Ernte besser verkaufen zu können, wurde eine Genossenschaft gegründet und der Bau von drei Lagerhäusern finanziert. Damit kann die Ernte gelagert und muss nicht zur Erntezeit verkauft werden – so erzielen die KleinbäuerInnen einen besseren Preis.

Mehr zu den Frauen-Genossenschaften zur Ernährungssicherung in Mali

2. Burundi: Ziegen als Überlebenshilfe
Afrikanische Frauen mit Ziegen, die sie als Nutztiere halten.

Mit einer Ziege erhalten Frauen in Burundi die Möglichkeit, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften um gut für sich, die eigenen Kinder und Pflegekinder zu sorgen. Eine Ziege hilft den Frauen auf vielfältige Weise: Der Mist dient als Dünger für die Felder und durch den Verkauf der  Zicklein können Schulmaterialien oder Medikamente gekauft werden. Im Jahr 2016 erhielten insgesamt 335 Frauen eine Ziege.

Mehr zu den Ziegenprojekten in Burundi

3. Südsudan: Nähkurse für zukünftige Unternehmerinnen
Eine afrikanische Frau näht an einer Nähmaschine

3 von 4 SüdsudanesInnen im arbeitsfähigen Alter können weder lesen noch schreiben. Im Südsudan, dem jüngsten Staat der Erde, fehlt es nach wie vor an Infrastruktur und gut ausgebildeten Fachkräften. Im Berufsausbildungszentrum der Vinzenzgemeinschaft in Stadtteil Lologo in Juba wurden 2016 345 Frauen und Männer in sieben Berufen ausgebildet. 79% der KursteilnehmerInnen schließen mit einem Diplom ab, ein Drittel der AbsolventInnen  macht sich selbständig. Die Frauen erlernen im Nähkurs verschiedene Schnitte wie z.B. Männerhosen, Frauenkleider und –kostüme und Schuluniformen zu nähen und Kleider zu ändern.

Mehr zu den Nähkursen im Südsudan

4. DR Kongo: Alphabetisierung und Ausbildung für Frauen

Auch in der DR Kongo tragen Frauen die Hauptverantwortung für die Versorgung der Familie. 80 Prozent der Haus- und Feldarbeit werden von Frauen erledigt. Jedoch nur 50 Prozent der Frauen können lesen und schreiben. Um dem entgegenzuwirken organisiert die Caritas Matadi im Rahmen eines Landwirtschaftsprojektes in Luozi Alphabetisierungskurse und eine Schneiderinnen-Ausbildung. Aktuell nehmen 62 Mädchen und junge Frauen an den Kursen teil. 

Mehr zur Ausbildung für Frauen im Kongo

5. Libanon: Frauenhaus für syrische Frauen und Mädchen
Zwei ArbeitsmigrantInnen, die auf der Flucht vor ihren Arbeitgebern Schutz im Frauenhaus Rayfoun im Libanon gefunden haben.

Im Libanon erhalten von Gewalt betroffene Frauen, aber auch ihre Kinder, in drei Frauenhäusern Schutz, psychosoziale und medizinische Betreuung und rechtliche Beratung. Zudem werden Alphabetisierungskurse, Kompetenztrainings sowie eine Kunsttherapie angeboten. Für Kinder gibt es Bildungs- und Freizeitaktivitäten. 

Mehr zum Frauenhaus im Libanon

Sabine Wartha Porträtfoto
Über die Autorin - Sabine Wartha

Sabine Wartha ist Leiterin für humanitäre Hilfe in der Auslandshilfe der Caritas Österreich.