Regional und nachhaltig – so bekämpfen wir Tierkrankheiten in Westafrika

27.07.17

Tierkrankheiten sind in vielen Regionen der Welt ein umfassendes Problem, besonders, wenn sie die Existenzgrundlage ganzer Familien zu rauben drohen. Unsere ExpertInnen für Entwicklungszusammenarbeit in Österreich, Burkina Faso und im Senegal wissen, wie man sie nachhaltig bekämpft: mit einfachen Mitteln, die jeder Kleinbauer und jede Kleinbäuerin in der Region anwenden kann.

Von Silvia Wieser. Dieser Beitrag ist Teil des Blogs "Hautnah am Hunger".

 

Die Entstehung von Tierkrankheiten kann dazu führen, dass mühsam großgezogene Tiere nutzlos werden – mit der Konsequenz, dass Väter, Mütter und Kinder nicht mehr genug zu Essen haben, dass Eltern ihre Kinder nicht mehr in die Schule schicken können, oder dass das Geld für grundlegende medizinische Versorgung nicht ausreicht. Durch kranke oder sterbende Tiere geht nicht nur die eigenproduzierte Nahrungsquelle abhanden, sondern durch die verlorene Verkaufsoption gegebenenfalls auch erforderliches Einkommen für die Familien. Mit Einnahmequellen, wie den immer stärker werdenden (aber auch immer stärker bekämpften) Importen von außer-afrikanischen, tiefgefrorenen Fleischprodukten, können kleinbäuerliche Haushalte sowieso nicht mithalten.

 

Knowhow-Pakete statt Essenspaketen

Was also dagegen tun? Den Menschen Nothilfepakete schicken, Essen verteilen und kurzfristig helfen? Vielleicht im Extremfall. Aber wirklich sinnvoll ist nur die nachhaltige Unterstützung: In Burkina Faso zum Beispiel geben wir Kurse, in denen wir Knowhow weitergeben, damit die Menschen vor Ort das Problem der Tierkrankheiten in Zukunft selbständig bekämpfen können.

 

„Wir werden das sofort umsetzen!“

„Mir war nicht bewusst, dass man mit solch einfachen, lokal zur Verfügung stehenden Mitteln folgenschwere Geflügelkrankheiten heilen oder sogar verhindern kann“, sagte uns ein Teilnehmer der Caritas der Diözese Kaya in Burkina Faso anlässlich eines Trainings zu verbesserter Geflügelzucht für kleinbäuerliche Haushalte. „Wir werden das in unseren Aktivitäten sofort anbringen und die Bauern sensibilisieren!“

Die Geflügelzucht ist ein Teil der Lebenserhaltung in Burkina Faso und dem Senegal

Das Training war auch ein Austauschtreffen zweier unserer Partner, nämlich zwischen einer Caritas-Diözese aus dem Senegal und der anderen aus Burkina Faso. Es war Teil eines großen, fünfjährigen Ernährungssicherheitsprogramms, mit finanzieller Unterstützung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. 13 TeilnehmerInnen aus den Partnerorganisationen waren gespannt und aktiv dabei, Neues zu lernen, um Kleinbauernfamilien dabei zu unterstützen, die – traditionell stark verankerte – Haltung von Hühnern als Nutztiere effektiver zu gestalten.

Hühner sind für die ländlichen Familien gleichzeitig eine Einkommens-, aber auch für den Eigengebrauch eine Proteinquelle, die zur Ernährungssicherheit beiträgt. Gleichzeitig ist es wichtig, die Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit von Geflügelzucht auf kleiner Ebene zu analysieren und Ansätze zu entwickeln, die angemessene und angepasste Ergebnisse nachhaltig erzielen können. In der Entwicklungszusammenarbeit sind differenzierte Antworten notwendig und wirksam, die regionale Zusammenhänge beachten.

Die „Sozial-MobilisiererInnen“ unterstützen regionale Landwirtschaft

Die meisten der TeilnehmerInnen an solchen Trainings sind sogenannte „Sozial-MobilisiererInnen“, also MitarbeiterInnen, deren Arbeit direkt bei und mit den Begünstigten in ihren Dörfern stattfindet. Aber auch Projektmanager und Agronomen haben gebannt gelauscht und enthusiastisch diskutiert. Die Professionalisierung der Arbeit der Partnerorganisationen, aber auch bei uns in Österreich, liefert einen nicht außer Acht zu lassenden Beitrag zu nachhaltiger, lokal und regional vorangetriebener Entwicklung und letztendlich zur Bekämpfung von Armut, besonders in ländlichen Regionen. Ihr Engagement ermöglicht den Schutz lokaler, ländlicher Kleinproduzenten und traditionell praktizierter Geflügelzucht.

Parasitäre oder virale Erkrankungen bei Hühnern können für KleinbäuerInnen existenzbedrohlich sein. Sie wissen oft nicht, wie sie damit umgehen sollen.

Brennende Frage: Wie Geflügelkrankheiten bekämpfen?

Eines der brennenden Themen für die dafür anberaumten Tage war also die Frage, wie man besser verhindern könne, dass Hühner, oder sogar schon die jungen Küken, krank werden und sterben. Immer wieder kommt es vor, dass parasitäre Krankheiten oder auch die sogenannte Newcastle disease (eine ansteckende Viruserkrankung bei Hühnern) die Hühner befallen, oder durch Neuzukauf von Hühnern eingeschleppt werden. Kleinbäuerliche Haushalte sind mit diesen Situationen oft überfordert und wissen nicht, wie sie effektiv damit umgehen können. Deshalb das Drängen meiner KollegInnen in Burkina Faso und im Senegal, hier besser handeln und BäuerInnen effizienter unterstützen zu können. Deshalb auch ein ganztägiges Training zu verbesserten Haltungs- und Aufzuchtmethoden von Hühnern.

Der Trainer (im Bild rechts) war aus Burkina Faso. Das ist nicht unwichtig, schließlich ging es darum, Lösungen zu zeigen, die in der Region funktionieren.

Einfache Lösungen, die auch in der Region funktionieren

Der Trainer war ein – von meinem Kollegen aus Kaya bestens ausgewählter – burkinischer Geflügelexperte. Dieser kennt die Lage im regionalen (geographischen und kulturellen) Kontext ausgezeichnet, sowie auch die Probleme, die auftauchen können, wenn ländliche Haushalte in kleiner Form Geflügelzucht betreiben. Das ist besonders bedeutsam, da er die TeilnehmerInnen auch befähigte, den ländlichen Haushalten beizubringen, wie diese rechtzeitig Krankheiten erkennen und mit teilweise ganz simplen Mitteln mit Erkrankungen ihrer kleinen Nutztiere umgehen können. Aber auch die Sensibilisierung der Haushalte bezüglich Impfungen ihrer Hühner ist wichtig, denn oft sind diese zwar verfügbar, werden von den Haushalten aber nicht in Anspruch genommen, da sie ihre Bedeutung nicht kennen oder sich der Notwendigkeit nicht bewusst sind.

Die Lösungen sind oft einfach und am allerwichtigsten: Auch arme ländliche Haushalte haben Zugang zu diesen lokal verfügbaren Produkten und können diese nach entsprechender Aufklärung ganz einfach anwenden, zum Beispiel:

  • Aloevera-Pflanzen werden zur Krankheitsprophylaxe verwendet.
  • Mixturen aus Ruß, Wasser, Chili, Aloevera und Milch werden zur Heilung bestimmter Geflügelkrankheiten angewandt.

Meist kümmern sich Frauen in Westafrika um die Hühner. Deshalb wollen wir uns noch mehr darauf konzentrieren, sie dabei zu unterstützen.

Immer mehr Fokus auf Frauen als Bäuerinnen

Oft sind es Frauen, die sich in Westafrika um die Geflügelzucht kümmern: Sie spielen eine wichtige Rolle in der Kleintierproduktion. Unsere Partner in Burkina Faso und im Senegal haben sich dazu entschlossen, diesen Fokus weiter auszubauen und implementieren die diesbezüglichen Aktivitäten hauptsächlich mit Haushalten, die von Frauen geleitet werden. Für Frauen hat die Geflügelzucht als Beitrag zur Existenzgrundlage und Einkommen schaffende Aktivität häufig den zusätzlichen Faktor der ökonomischen Unabhängigkeit. Zudem hat dies den Vorteil, dass jenes Einkommen mit höherer Wahrscheinlichkeit dem Wohlergehen des Familienverbunds zu Gute kommt.


Mein Fazit: Die Weitergabe von Wissen wirkt

Professionell durchgeführte Impfungen für Hühner sind nicht zu vernachlässigen. Allerdings müssen die Bäuerinnen und Bauern die verschiedenen Schritte in der Geflügelzucht auf Haushaltsebene verstehen, damit auch sie Seuchen bekämpfen und ihnen vorbeugen können. Noch wichtiger ist: Sie müssen wissen, dass sie vieles davon mit lokalen Mitteln selbst herstellen können.

Diese Maßnahmen sind in ihrem Kontext geeignet und wirksam. Durch die Weitergabe von Methoden, Techniken und Wissen helfen wir den Familien, eine nachhaltige Geflügelzucht zu betreiben und somit ihre Existenzgrundlage zu sichern.

Unsere lokalen Partnerorganisationen in Burkina Faso und im Senegal spielen hier gleichzeitig eine technische, politische, aber auch „gewerkschaftliche“ Rolle: Sie sind für mich die wahren ProtagonistInnen in der Bekämpfung von Armut und Hunger in Afrika.

Über die Autorin – Silvia Wieser

Studium der Politikwissenschaft und Französisch/Romanistik an der Universität Innsbruck und Wien. Seit 2011 bei der österreichischen Caritaszentrale in Wien im Bereich der Auslandshilfe tätig. Seit April 2017 Koordinatorin des von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit geförderten Programms COMPASS für Ernährungssicherheit in Äthiopien, Burkina Faso, Senegal und Südsudan.