Drei Schüler sitzen von hinten an Holzschulbänken in einem einfachen Klassenzimmer im Südsudan, auf den Tischen liegen Schulbücher und Hefte.

Die Caritas unterstützt gemeinsam mit der lokalen Organisation Solidarity with South Sudan ein Lehrerausbildungszentrum in Yambio, um dem akuten Mangel an qualifizierten Lehrkräften entgegenzuwirken © Elisabeth Sellmeier

Teaching Teachers - Südsudan

Seit dem Bürgerkrieg im Südsudan 2013 wurde rund ein Drittel der Bevölkerung vertrieben. Viele Schulen wurden zerstört oder geschlossen. Noch immer haben viele Kinder keinen Zugang zu Bildung: Laut UNICEF gehen mehr als 2,8 Millionen Kinder im Südsudan nicht zur Schule. Besonders Mädchen sind benachteiligt. Armut, frühe Heirat, traditionelle Rollenbilder und fehlende Sicherheit erschweren ihren Bildungsweg. Gleichzeitig fehlen im Land viele gut ausgebildete Lehrkräfte.

Gemeinsam mit der lokalen Organisation Solidarity with South Sudan unterstützt die Caritas das Solidarity Teacher Training College, kurz STTC, in Yambio. Dort werden angehende und bereits tätige Lehrkräfte aus verschiedenen Regionen und ethnischen Gruppen des Landes ausgebildet. Das Projekt läuft von April 2023 bis März 2026 und trägt dazu bei, die Qualität der Grundschulbildung im Südsudan nachhaltig zu verbessern.

Das STTC bietet verschiedene Ausbildungswege an: ein zweijähriges Programm für angehende Lehrer*innenberufsbegleitende Kurse für bereits unterrichtende Lehrkräfte sowie ein Diplomprogramm für ausgebildete Lehrer*innen, die ihre pädagogischen Fähigkeiten weiter vertiefen möchten. Seit 2013 haben bereits 892 Lehrkräfte am STTC abgeschlossen. Mehr als 77 Prozent der Absolvent*innen arbeiten heute im Bildungsbereich im ganzen Land.

Für viele Studierende bedeutet die Ausbildung eine neue Perspektive. Sie möchten ihr Wissen weitergeben und zum Aufbau eines friedlichen und gerechten Südsudans beitragen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Förderung von Frauen, die im Bildungssystem weiterhin unterrepräsentiert sind. Im aktuellen Projektjahr waren 43 Prozent der Studierenden Frauen. Im Diplomprogramm lag der Frauenanteil sogar bei 54 Prozent.

Die Ausbildung am STTC vermittelt nicht nur Fachwissen. Die Studierenden lernen auch, wie sie große Klassen führen, Unterricht planen, Kinder stärken und friedliches Zusammenleben fördern können. Menschen aus unterschiedlichen Regionen, Sprachen und Gemeinschaften lernen am College miteinander und voneinander. So wird das STTC auch zu einem Ort der Begegnung, an dem junge Menschen erfahren, dass Vielfalt eine Stärke ist.

Eine dieser jungen Frauen ist Amani. Sie musste als Kind mit ihrer Familie vor Gewalt fliehen und lebte lange in einem Flüchtlingscamp. Bildung war für sie keine Selbstverständlichkeit. Durch ein Stipendium konnte sie am STTC studieren. Heute arbeitet sie als Lehrerin in Yambio und sagt, dass sie Kinder liebt und gerne unterrichtet. Ihr großer Wunsch ist es, eines Tages in ihre Heimat zurückzukehren und dort eine Schule aufzubauen.

Auch Susanne studiert am STTC. Für sie bedeutet die Ausbildung Unabhängigkeit und die Möglichkeit, ihre Zukunft selbst zu gestalten. Sie ist entschlossen, ihre Ausbildung abzuschließen, beruflich erfolgreich zu sein und später auch ihre Familie zu unterstützen. Am College erlebt sie ein Umfeld, in dem Studierende einander helfen, gemeinsam lernen und sich gegenseitig stärken.

Für die Kinder im Südsudan macht jede gut ausgebildete Lehrkraft einen Unterschied. Wer Lehrer*innen ausbildet, eröffnet Kindern bessere Chancen auf Bildung, stärkt Gemeinden und leistet einen Beitrag zu Frieden und Zukunftsperspektiven im ganzen Land.