Seit dem Bürgerkrieg im Südsudan 2013 wurde rund ein Drittel der Bevölkerung vertrieben. Viele Schulen wurden zerstört oder geschlossen, und mehr als eine Million Kinder haben keinen Zugang zu Bildung. Besonders Mädchen sind benachteiligt: Nur jedes dritte Mädchen besucht die Schule. Gleichzeitig fehlen im Land tausende ausgebildete Lehrkräfte.
Gemeinsam mit der lokalen Organisation Solidarity with South Sudan unterstützt die Caritas ein Lehrer*innenausbildungszentrum in Yambio. Dort werden jedes Jahr bis zu 50 angehende Lehrkräfte aus verschiedenen Regionen und ethnischen Gruppen des Landes ausgebildet. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Förderung von Frauen, die im Bildungssystem stark unterrepräsentiert sind.
Für viele Studierende bedeutet die Ausbildung eine neue Perspektive. Sie möchten ihr Wissen weitergeben und zum Aufbau eines friedlichen und gerechten Südsudans beitragen. Besonders junge Frauen erhalten dadurch erstmals die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen und ihre Zukunft selbst mitzugestalten.
Matthew (Name geändert) studiert am STTC und steht nun kurz vor seinem Abschluss. Er kann es kaum erwarten sein Wissen weiterzugeben: „Unser Land braucht Lehrer*innen, die eine Veränderung herbeiführen.“ Matthew hat am STTC Mitstudierende aus allen Ecken des Landes und verschiedenster ethnischer Gruppen kennengelernt. Viele davon sind gute Freund*innen geworden. Ihm ist nun klar: „Wir sind alle Südsudanes*innen, egal welcher ethnischen Gruppe wir angehören. Nur gemeinsam können wir eine gemeinsame, friedvolle Nation aufbauen.“
Das weiß auch Schwester Margret, die Leiterin des Lehrer*innenausbildungszentrums. Gleichbehandlung ist ihr ein großes Anliegen. Nicht nur von unterschiedlichen ethnischen Gruppen, sondern vor allem auch von Frauen und Männern. „Über 90% der Analphabet*innen im Land sind Frauen. Frauen machen nur ca. 12% des gesamten Lehrpersonals aus“, erklärt Schwester Margaret. Ein Großteil der Mädchen bricht die Schule aufgrund von früher Schwangerschaft oder Heirat vorzeitig ab. Ein besonderer Schwerpunkt des STTC liegt daher auf der Unterstützung und Förderung von jungen Frauen.
Eine dieser jungen Frauen ist Nafisa (Name geändert). Die angehende Lehrerin kennt die Herausforderungen der Frauen im Südsudan: „Meine Mutter hatte nie die Möglichkeit eine Ausbildung zu machen und konnte nie einen Beruf erlernen. Nach dem Tod meines Vaters musste sie allein für die gesamte Familie sorgen. Ich habe als erste Frau in der Familie die Möglichkeit, eine Ausbildung zu machen und Lehrerin zu werden.“