Erfahrungsbericht von Nicole Altmann

Im Jahr 2016 entschied ich mich an dem Orientierungstag der Caritas teilzunehmen und hatte zum ersten Mal direkten Kontakt zu dem Angebot eines Freiwilligen Auslandseinsatzes. Ich hatte bereits mein Studium absolviert und war sehr weltoffen, reisefreudig und gewollt mich sozial zu engagieren. Der Freiwillige Auslandseinsatz erschien mir aufgrund dessen als besonders geeignet. Die Zusammenarbeit mit Caritas funktionierte sehr unkompliziert und flexibel, auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, insbesondere die Kontaktperson waren sehr empathisch und sympathisch. Vor dem Antritt meines Freiwilligen Auslandseinsatzes wurde ich gemeinsam mit anderen Freiwilligen auf unseren Antritt vorbereitet. Im mehrtägigen Seminar wurden wir auf mögliche Situationen vorbereitet, über unsere persönlichen Vorkehrungen vor, während sowie nach der Reise informiert und uns wurden wertvolle Tipps vermittelt. Auch der Kontakt zu damaligen und derzeitigen Freiwilligen half mir, mich auf meine Reise vorzubereiten.


Von meinem Freiwilligen Auslandseinsatz wünschte ich mir meinen Horizont erweitern zu können und aufgrund meiner gesammelten Erfahrungen meine Weltanschauung zu beeinflussen. Einerseits war ich mir dessen bewusst, dass mich in Südamerika manches erschüttern könnte, andererseits manches mir bewundernswert erscheinen würde. Aus beidem wollte ich lernen. Neben der unglaublichen Erfahrung ein Leben in einem kulturell und vegetativ anderen Land führen zu können, freute ich mich ebenso wie auf die Zusammenarbeit mit den Nonnen und den Kindern. Der pädagogische Bereich stellt eine meiner großen Leidenschaften dar, deshalb war ich gespannt wie das Zusammenleben und Lernen mit den Mädchen des Heims „El Huambrillo“ gestaltet werden würde und wie sehr ich mich einbringen könnte und damit identifizieren würde.


Gemeinsam mit drei weiteren Freiwilligen ging es für mich im September 2016 schließlich nach Peru, wo ich unvergessliche 10 Monate verbringen konnte. „El Huambrillo“ nennt sich das Kinderheim. Das Heim ist sehr groß und geräumig und die Nonnen sowie das Personal sind sehr bemüht alles in Stand und sauber zu halten. Im „Huambrillo“ wohnten und lebten zu dieser Zeit über 50 Mädchen zwischen 4 und 17 Jahren, drei Nonnen und wir Freiwilligen. Zusätzlich gab es weiteres Personal, welches aus einer Köchin, einem Chauffeur, Lehrerinnen und Lehrern, als auch einer deutschen Freiwilligen bestand. Zu allen Angestellten herrschte ein höfliches Verhältnis. Als besonders schön empfand ich mit welcher Offenheit und Liebe einem speziell die Kinder empfingen. Die Kinder akzeptierten mich und die anderen vom ersten Augenblick an und erschienen mir sehr freudig und lebendig. Meine Tätigkeit im Heim bestand darin die Kinder frühmorgens für ihren Schultag fertigzumachen, sie am Schulweg zu begleiten, ihnen nachmittags mit den Schulaufgaben zu helfen und ihnen die englische Sprache zu vermitteln. Neben dieser Arbeit half ich in den ersten vier Monaten jeden zweiten Wochentag im „El Comedor Santa Rita“ aus, wo ich ebenfalls im Kindergarten mit den Kindern lernte oder 9 bis 17-jährige Schülerinnen und Schülern bei ihren Schulaufgaben unterstützte. Das Lernen mit den Kindern bereitete mir große Freude. Für die allgemeine Erziehung der Mädchen fühlten sich die katholischen Schwestern, als auch Miss Betty, die Haushälterin, zuständig. Einige der Mädchen kamen aus schwierigen Familienverhältnissen und hatten in seltenen Momenten ihre Schwierigkeiten. In diesen Situationen standen ihnen die Schwestern immer mit aufbauenden Worten, Tipps und Verständnis bei. Die schönen als auch die schwierigen Momente prägten mich in dieser Zeit sehr und konnten mich in dem Umgang mit verschiedenen pädagogischen Situationen stärken. Insbesondere durch meine enge Zusammenarbeit mit einigen Kindern aus sehr komplizierten Verhältnissen und dadurch häufig auffälligem Verhalten und die Beobachtung ihrer Entwicklung waren für mich besonders lehrreich und ein schönes Erlebnis.


Der Kontakt zur peruanischen Kultur und das Erfahren von Lebensgewohnheiten gelangen mir durch die Gastfamilie meiner deutschen Kollegin, Ausflüge und meiner Teilnahme an einem Sportclub. Die offene und liebe Art der Kinder erfuhr ich auch im Kontakt mit weiteren Bewohnern Iquitos, als auch in weiteren Teilen Perus. Die Wärme und Gelassenheit der Menschen ist so gut wie immer und überall anzutreffen. Ich bekam den Eindruck, dass die Menschen oft in sehr einfachen, jedoch glücklichen Verhältnissen lebten. Ihre Gelassenheit und ihr geringer Zeitdruck schafften Raum sich für ihre Mitmenschen zu interessieren und sich um diese zu kümmern. Zusammenhalt und einander helfen wurde groß geschrieben. Das Zeitnehmen für ein Miteinander war eine sehr schöne Erfahrung.


Rückblickend kann ich auf wunderbare und lehrreiche 10 Monate zurückblicken, welche mich persönlich sehr berührt haben. Kinder sind etwas ganz Besonderes und das enge Zusammenleben schafft aus so vielen Individuen eine Familie. Ich denke, oft erscheinen die Aufgaben, welche eine freiwillige Person im „El Huambrillo“ macht als klein und alltäglich, doch für die Kinder hat jede Geste und jede gemeinsame Zeit sehr viel Wert und eine große Wirkung auf ihr Verhalten und ihr Selbstvertrauen. Der Freiwilligen Einsatz ist für jene Menschen mit welchen man zusammenarbeitet eine Bereicherung, sowie eine sehr große für die oder den Freiwilligen selbst.

Erfahrungsbericht von Flora

Mit drei anderen Freiwilligen flog ich im September nach Iquitos. Die Selva (Dschungel) ist weiter weg, als ich es mir vorgestellt hatte. Das Wetter allerdings ist angemessen heiß und feucht. Recht schnell braun wird man allerdings trotzdem nicht, der Himmel ist oft bedeckt und Regenschauer sind keine Seltenheit.

Nach eineinhalb Tagen in Flugzeugen und auf Flughäfen sind die Kinder, die auf dich zurennen und dich umarmen ein kleiner Schock, aber die Müdigkeit verfliegt dabei ganz schnell! Die genaue Zahl der Mädchen schwankt immer ein wenig, aber ca. 50 niñas zwischen 5 und 17 Jahren werden betreut. Neben den 3 Schwestern, die hier die Leiterinnen des Heims sind, gibt es auch noch eine Köchin, einen Chauffeur, zwei Aufsichtspersonen und am Nachmittag einige Professoren. Dann gibt es noch uns vier Freiwillige aus Österreich und am Nachmittag kommt eine weitere „Voluntaria“ aus Deutschland.

Langweilig wird es im Huambrillo nie! Sobald man aus der Tür geht (wir Freiwilligen haben einen eigenen Bereich), wird man von den Kindern überfallen!

An den Straßenlärm beim Einschlafen und an das frühe Aufstehen gewöhnt man sich recht schnell. Verschlafen ist eher ungünstig, denn die ersten Monate war ich für das Frühstück der Kinder verantwortlich (gemeinsam mit der Köchin). Das sollte spätestens um sechs fertig sein, denn eine halbe Stunde später geht es auf in die verschiedenen Schulen. Eine Gruppe wird zu Fuß in Corpus Christi gebracht, der Chauffeur Don Javier bringt Kinder in die weiterentfernten Schulen. Die Größeren gehen teilweise auch alleine in ihre „colegios“.

Sobald auch die Kleinste (Karina) in den Kindergarten gebracht wurde, kehrt Ruhe ein in die „albergue“. Dann haben wir eigentlich den Vormittag frei, den wir aber einige Male in der Woche in einem anderen Projekt, ca. 20 Gehminuten entfernt, verbringen. Der „Comedor Santa Rita“ wird von den Kindern entweder am Vormittag oder am Nachmittag besucht und bietet Hausaufgabenbetreuung und Essen an. Wir helfen dabei entweder den ganz Kleinen (etwa 3-5 Jahre) beim Schreiben und Lernen oder den Größeren bei den Englischaufgaben.

Zu Mittag holen wir die Kinder zwischen halb eins und zwei ab. Danach gibt es Mittagessen für alle. Um drei beginnt der Nachmittags“unterricht“. Jede Gruppe hat ihren eigenen Raum, und wir dürfen uns aussuchen, wo wir mithelfen. Besonders viel Hilfe wird bei den Englischaufgaben benötigt und bei den Kleinsten.

Um circa sechs läutet die Glocke zum Abendessen, das Stichwort, dass der Unterricht beendet ist. Mit dieser Glocke endet auch unser Arbeitstag, aber falls man noch genug Energie hat, freuen sich die Kinder über jede Minute, die man bei ihnen verbringt!

Erfahrungsbericht von Karin Krenn

Im Kinderheim geht's rund, wenn die Kinder von der Schule wieder zuhause sind und langweilig wird einem da sicher nicht. Es sind insgesamt 49 Mädchen hier, von 4 Jahren bis ca. 16 (bis sie die Schule beendet haben und die Universität besuchen). Die Kinder sind sehr nett, anfangs noch etwas schüchtern, aber das ändert sich sehr schnell ;)

Ich schreib mal ein wenig über den Tagesablauf hier im Kinderheim, damit ihr eine bessere Vorstellung von meinem Projekt und meiner Arbeit bekommt! Also von Montag bis Freitag klingelt der Wecker täglich um 5.30 Uhr und das ist manchmal ziemlich hart. Dann hüpf ich schnell unter die Dusche, doch meistens vergesse ich, dass es kein fließendes Wasser gibt, also schütte ich mir einen Kübel Wasser drüber, an das hab ich mich mittlerweile sehr gut gewöhnt! :) Meistens hundemüde, aber es hilft nichts, gehe ich zu den Kindern, da sie geduscht und für die Schule fertig gemacht werden müssen. Da ist meine Aufgabe bei den ganz Kleinen mitzuhelfen, zu schauen, dass jeder seine eigene Schuluniform an hat (was öfter verwechselt wird, als man denkt), Haare kämmen und Zöpfe machen (und ihr glaubt gar nicht, was man dabei alles falsch machen kann, also da muss ich noch viel lernen ;) )! Dann frühstücken die Kinder und danach werden sie zu den Schulen gebracht, da fahre ich mit Don Javier, der Mann für alles im Kinderheim, gemeinsam mit dem Auto mit und wir bringen die Kinder zu drei verschiedenen Schulen. Die anderen zwei Freiwilligen bringen die Kinder zu Fuß zur Schule, die in der Nähe des Heimes ist und danach frühstücken wir alle drei gemeinsam!

Am Vormittag hab ich dann immer Sprachunterricht bis Mittag. Julia und Anna arbeiten vormittags in einem anderen Projekt mit, einer Essensausgabe mit Lernhilfe! Zu Mittag helfe ich beim Tische decken, Essen anrichten für die Kinder und manchmal beim Kochen, wenn noch etwas zu machen ist! Dann werden die Kinder wieder von den Schulen abgeholt, bevor wir Mittagessen. Mittagessen ist ziemlich lecker, besteht immer aus Reis und Bohnen oder Reis mit Bohnen :) mit unterschiedlichen Beilagen (Fleisch, Fisch oder Gemüse). Mir schmeckt es ziemlich gut und verhungern werde ich hier auf keinen Fall, ganz im Gegenteil ;) !

Die Ernährung ist aber sehr einseitig, extrem kohlenhydratreich und leider bekommen die Kinder sehr wenig Obst und Gemüse, dafür sehr viel Milch (gibt zum Frühstück und Abendessen immer breiartige Milch, die etwas an Babybrei erinnert, ist aber lecker und ich bin irgendwie schon süchtig nach dem Zeug). Wir essen meistens mit den Schwestern, bekommen dasselbe Essen wie die Kinder, nur oft noch etwas zusätzlich, wie Gemüse oder Salat, worüber ich echt froh bin, da sonst mein Vitaminspiegel im Keller wäre! Dann geht's ans Abwaschen und danach haben wir Siesta (Mittagspause) bis 15 Uhr. Die Kinder müssen in dieser Zeit duschen und putzen.

Von 15 bis 18 Uhr sind Hausaufgaben dran, da müssen die Kinder lernen und es kommen eigene Professoren ins Heim, um den Kindern zu helfen. Wir Freiwilligen sind für die Englischhausübungen zuständig, das ist gar nicht so einfach wie man es sich vorstellt. Ich bin schon glücklich und zufrieden, wenn ein paar englische Vokabeln hängen bleiben! Um 18 Uhr gibt's dann Cena (Abendessen), das besteht immer aus Milchbrei, Reis und je nach Tag aus Nudeln, Brot, Fisch oder Wurst! Nach dem Abendessen müssen die Kinder dann meistens beten und je nachdem ob sie brav waren oder nicht dürfen sie danach noch etwas spielen, vorausgesetzt es hat nicht geregnet und der Boden ist trocken! Dann ist wieder die Hilfe beim Zubett bringen der Kleinen gefragt und ich helfe beim Duschen und Anziehen des Pyjamas, quatsche noch ein bisschen mit den Kleinen oder tröste sie, wenn jemand weint oder Heimweh hat! Dann habe ich Freizeit und wir gehen öfter zum Sport, treffen uns mit anderen Freiwilligen oder gehen auf ein Betthupferlgetränk!

Das ist im Groben der Tagesablauf, natürlich passiert oft etwas Neues und Unvorhersehbares, das macht es besonders spannend. Oft gibt's Messen zu unterschiedlichen Anlässen in der Kapelle im Kinderheim, Vorträge zur Hygiene oder sonstiges! Oft versteh ich auch nicht, was die Schwestern mir mitteilen wollen und dann schau ich einfach was passiert, das ist dann meistens ziemlich amüsant! Das Kinderheim ist ziemlich groß und es wäre viel Platz für mehr Kinder, als nur die 49 Kinder, welche zurzeit hier leben. Die Kinder hier kommen aus sehr armen Familienverhältnissen und die meisten haben sehr viele Geschwister. Übers Wochenende fahren die meisten Kinder heim, bis auf einige wenige, die immer hier sind.

Dann gibt's da noch die Wäscherei, die Wäsche wird mit der Hand gewaschen und die Kinder müssen ihre Schuluniformen selber waschen. Wir Freiwilligen haben einen eigenen Waschbereich am Dach vom Heim, mit super Ausblick. Das war für mich, glaube ich die größte Umstellung, meine Wäsche mit der Hand zu waschen und da hab ich es so richtig realisiert, dass ich mich auf einem völlig anderen Kontinent befinde, aber es macht eigentlich Spaß gemeinsam Wäsche zu waschen!

Die zweite große Umstellung war die Sache mit dem Wasser, wir haben eigentlich ein eigenes Bad mit Klo und Dusche, nur meistens funktioniert es nicht, da wir Wasser sparen müssen und das fließende Wasser abgedreht ist. Ja einen Papagei und einen Hund gibt's auch noch hier. Das war mal ein kleiner Einblick in meine Welt, natürlich könnte ich noch viel mehr erzählen, aber dass würde den Speicherplatz hier sprengen :) ...

Erfahrungsbericht von Anna Kranewitter

15.09.2015 Ein ganz normaler Tag

5:20 Mein Wecker Klingelt. Ich quäle mich aus dem Bett und tappse verschlafen ins Bad. Ich drehe den Wasserhahn auf: Kein Wasser. Ach ja schon wieder vergessen, ich bin ja nicht bei mir Zuhause. Also hole ich mir einen Kübel kippe mir zwei Zahnputzbecher Wasser drüber und ziehe mich an.

6:30 "Corpus Christi, Corpus Christi" schreit unsere Erzieherin Miss Betti. Das ist mein Stichwort, so heißt nämlich die Schule, zu der ich die Kinder jeden Tag bringe. Die letzte Stunde habe ich mit Frühstück richten und Pausenbrote schmieren verbracht. Jetzt warten 8 kleine Kinder vor dem Haus auf mich. Wenn alle heil bei der Schule ankommen bin ich jeden Tag wieder froh. Ich grüße den Türsteher, er ist sowas wie mein heimlicher Verbündeter an den Schultagen, er kennt mich nämlich schon, weil ich jeden Tag 4mal zur Schule komme. Am Heimweg treffe ich meistens noch Jordania und Sharon, die beiden großen, die immer ein bisschen später kommen weil sie noch abwaschen müssen und begleite sie noch das Stück zur Schule. Mehr zum quatschen als zum aufpassen. Zuhause angekommen gibt es dann Frühstück: Weißbrot, so ähnlich wie Briosch Gebäck, nur nicht ganz so süß, mit Avena Milch, also Milch mit Haferpulver, bei der man nicht genau weiß ob sie von der Konsistenz her eher Getränk oder Brei ist.

8:50 Mit dem motokar schnell ins andere Projekt. Dort unterreichten wir eine Vorschulgruppe und üben mit ihnen schreiben und rechnen. Danach gibt's eine Stunde spielen und herumtollen, das hier ist wie ein kleines Kinderparadies mit einem richtig coolen Klettergerüst.

12:00 Zurück Zuhause. Es gibt Reis mit Bohnen, eigentlich keine große Überraschung, gibt es nämlich jeden Tag, aber es ist auf alle Fälle lecker. Dann mache ich mich noch einmal auf den Schulweg, hole zuerst die Kleinen, dann eine Stunde später die großen. Das ist einer meiner Lieblingsmomente, wenn mir die Kinder nach der Schule entgegenlaufen Miss Anna schreien und mich in den Arm nehmen. Das mich die Leute mit Miss anreden war am Anfang sehr seltsam für mich, aber jeder hier redet sich so an, also ist das einfach ganz normal.

15:00 Unser Englisch Unterricht beginnt. Wobei Unterricht eher wie Hausaufgabenhilfe zu verstehen ist, was die Kinder auch dringend nötig haben, sie können ihre Aufgaben alleine gar nicht lösen. Für mich ist der Unterricht ziemlich frustrierend, die meisten Kinder können nämlich überhaupt gar keinen englischen Satz bilden. Also wird alles ins Spanische Übersetzt, wobei die Kinder so auch nicht viel lernen, aber wir wissen nicht, wie sie die Aufgaben sonst lösen sollen.

18:00 Endlich Abendessen. Es gibt, das was vom Mittagessen über ist, also Reis mit Bohnen, oder, wenn nichts über ist, Brot. Wir kaufen uns manchmal Früchte dazu, weil die einfach noch um so vieles besser sind wie bei uns zuhause oder braten uns ein Ei. Danach werden wir die Kinder noch ins Bett bringen, an manchen Tagen dürfen sie davor spielen oder fernsehen, an anderen müssen sie beten, bekommen einen Vortrag oder müssen gleich ins Bett. Wenn wir danach dann frei haben, treffen wir uns mit ein paar Freunden im Park, und spielen Basketball.

21:30 Jetzt müssen wir zurück sein, weil wir keinen Haustürschlüssel haben und die Schwestern ins Bett gehen wollen. An manchen Tagen quatschen wir noch ein bisschen auf unserer Dachterrasse, an anderen fallen wir müde ins Bett. Wir müssen ja früh raus morgen. 

Erfahrungsbericht Magdalena Widhalm und Sophie Lindinger

Sechs Monate Abgeschiedenheit

Am 17. September 2014 wurden wir vom Flughafen Iquitos abgeholt. Nach 21 Stunden - einer gefühlten Ewigkeit - im Flugzeug. Wir steigen aus dem Flieger aus und die drückende, schwüle, unerträgliche Hitze schlägt uns ins Gesicht. Wir werden von Schwerster Sergia und dem Fahrer/Hausmeister/Mann für alles erwartet. Schon auf der Fahrt zum Kinderheim bekommen wir einen ersten Eindruck von der Stadt und sind überwältigt. Es ist laut und dreckig, überall fahren Motocarros durch die Gegend, der Verkehr gehorcht seinen eigenen Reglen (die quasi nicht existent sind, das Recht des Stärkeren und Lauteren regiert), wir schwitzen und können nicht mehr aufhören, zu lächeln und zu staunen. Im Heim werden wir ins Zimmer geführt und eine deutsche Freiwillige von AFS, die aber nicht im Kinderheim wohnt, zeigt uns das ganze Areal und erklärt uns alles. Zumindest das, was sie in ihren 5 Wochen, die sie schon hier ist, aufgeschnappt hat. Dann fahren wir gleich die Kinder abholen, die zu unserer Verwunderung alle hinten auf der Ladefläche des Pick-ups Platz nehmen und uns mit "Miss", unser neuer Name für die nächsten sechs Monate, begeistert begrüßen. Danach ruhen wir uns erst einmal aus, in dem Zimmer, in dem wir für die nächsten sechs Monate gemeinsam wohnen werden.


In dem Kinderheim wohnen um die 70 Kinder, von denen die meisten aber am Wochenende nach Hause fahren. Das ist deshalb möglich, weil ein Großteil entweder noch Eltern hat oder bei Verwandten unterkommt. Oft schicken die Eltern ihre Kinder ins Heim, da sie sich einfach die Ernährung und das Schulgeld für sie nicht leisten können.

Magdalena und ich schlafen in einem Zimmer mit eigenem Badezimmer. Es gibt einige Klassenräume, in denen Montag bis Freitag Lehrer mit den Kindern Hausübungen machen und Nachhilfe geben. In dem großen Speisesaal gibt es drei Mal täglich Essen für die Kinder und auch für uns. Der geräumige Computerraum überrascht uns, und auch, dass es sogar W-LAN gibt. Auf einem betonierten Platz direkt neben dem Gebäude gibt es die Möglichkeit, mit den Kindern zu spielen. Diese schlafen in Schlafsälen, in denen mehrere Stockbetten stehen und die nach Alter aufgeteilt sind. Zu jedem Schlafzimmer gehört auch ein Badezimmer. Außerdem gibt es einen Nähraum, einige Gästezimmer, die Schlafzimmer der Schwestern, einen Bereich zum Waschen der Kleidung – natürlich mit der Hand – und ein Krankenzimmer.


Am Anfang müssen wir uns erst einleben und einarbeiten.
Einleben, das bedeutet, die ersten zwei Wochen bei gefühlten 45 Grad Celsius zu schwitzen, sogar, wenn man nur herumsitzt. Das bedeutet, an den Beinen von den Mosquitos zerstochen zu werden – an die 60 Stiche an einem Bein gehen sich da locker aus – und irgendwann zu akzeptieren, dass selbst der Mückenspray nicht mehr Abhilfe leistet. Einleben bedeutet auch, sich daran zu gewöhnen, Spanisch zu sprechen und mitzulachen, wenn man durch die anfangs eher unzureichenden Sprachkenntnisse Sätze kreiert, die nicht das eigentlich Gemeinte bedeuten. (Besonders die Kinder fanden das immer unheimlich lustig.)

Beim Einarbeiten hält das Leben auch so manche Überraschungen für uns parat: Am Vormittag gehen alle Kinder des Projekts „El Huambrillo“ zur Schule, weshalb wir in der Zeit keine Arbeit gehabt hätten. Jedoch organisierten die Schwestern bereits am zweiten Tag ein Treffen mit Gabriela, der Leiterin des Projekts „El Comedor de Santa Rita“. Dieses wird von der polnischen Organisation „Ayuda Polaca“ finanziert und ist eine Essensausgabe, in der Vormittag und Nachmittag Hausübung gemacht und Nachhilfe gegeben wird. Wir schnuppern also auch in dieses Projekt einen Tag lang hinein und von da an helfen wir immer vormittags mit. Die Arbeit besteht hauptsächlich aus Englisch unterrichten, was sich aber als schwieriger als gedacht herausstellt, da die Englischkenntnisse der Kinder minimal sind, wenn überhaupt vorhanden. Dort arbeiten wir Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und fahren dann zurück in das Projekt „El Huambrillo“. Dort decken wir die Tische, holen die Kinder von den Schulen ab, helfen den Kleinsten bei der Körperpflege und essen schließlich zu Mittag. Vom Essen sind wir positiv überrascht und werden ein Fan von Kochbananen, „Yuca“ (=Maniok) und den zahlreichen Spezialitäten der Selva. Nach dem Essen machen wir eine kleine Pause oder spielen mit den Kindern. Besonders auf die Karten mit Österreich-Motiven haben sie es abgesehen und so wird fleißig „Burro“ (dt. Esel) und "Mau Mau" gespielt, bei dem uns die Kinder regelmäßig besiegen. Am Nachmittag sind von 15 bis 17 Uhr die Lernstunden angesetzt, in denen wir wieder die Aufgabe der Englischlehrer übernehmen. Danach ist manchmal kurz Zeit zum Spielen bevor es „duschen, essen, beten, schlafen gehen“ heißt.
Am Abend haben wir dann Zeit für uns, schauen uns spanische Filme an oder machen noch einen kurzen Abstecher in das Zentrum der Stadt, wo wir die anderen Freiwilligen treffen, die aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden kommen.
So sieht also unser Alltag in Iquitos aus.

Einige gar nicht alltägliche Feste dürfen wir in Peru mitfeiern.

Rund um den Feiertag „Señor de los Milagros“, der Ende Oktober gefeiert wird, gibt es zahlreiche Prozessionen durch die ganze Stadt. Bei der ersten nehmen wir mit einigen Kindern, die das Heim am Wochenende nicht verlassen, teil, und die zweite dauert bis in die frühen Morgenstunden und endet mit einem Gottesdienst.

In den Wochen vor Weihnachten gibt es mehrere „Chocolatadas“, das sind Feste für die Kinder, bei denen heiße Schokolade ausgeschenkt und der Kuchen „Panetón“ verteilt wird. Meistens werden diese Events von Schulen oder Universitäten finanziert und vorbereitet. Was dabei auch nicht fehlen darf, sind die Shows, bei denen Clowns oder Weihnachtsmänner moderieren, Witze reißen, Lieder mit den Kindern singen und Spiele organisieren. Diese Shows sind mehr oder weniger immer dasselbe und bald können wir die Kinderlieder selbst lauthals mitsingen. Aber den Kindern gefällt´s immer wieder, das ist das Wichtigste.

Den Heiligabend verbringen Magdalena und ich bei der Gastfamilie der anderen Freiwilligen und feiern, wie es sich in Peru gehört, um Mitternacht auf der Straße, während wir die prächtigen Feuerwerke betrachten.

Auch Carneval ist eine Feierlichkeit, die wir nie vergessen werden. Man wird schon Wochen davor auf der Straße mit Wasser angespritzt. Dementsprechend kommt an Carneval dann niemand mehr trocken davon. Jeder schüttet Kübel voller Wasser auf vorbeifahrende Passanten oder zückt seine Wasserpistole, während er im Mototaxi durch die Gegend fährt. Hinzu kommt, dass man Nachbarn, Freunde und alle, die sonst noch zur falschen Zeit am falschen Ort sind, mit Farben beschmiert. Diese Wasser- und Farbschlachten sind auch der Grund, warum die Schwestern an diesem Sonntag den Gottesdienst einmal ausfallen lassen und sich den ganzen Tag nicht auf die Straße trauen.

 

Nach diesen lehrreichen sechs Monaten fällt uns der Abschied schwer und vor allem die Kinder und ihre Eigenheiten fehlen uns. Wir haben wahrscheinlich mehr von ihnen gelernt als sie von uns, vor allem, mehr Geduld zu haben, dankbarer zu sein und nicht immer das ganze Leben planen zu wollen.

 

Was Iquitos so besonders macht und warum es das beste Projekt überhaupt ist:

 

  • Nicht immer Klospülung haben und mit Kübeln duschen
  •  Wäsche und Geschirr mit der Hand waschen
  •  Kein Internet, wenn´s regnet und häufige Stromausfälle
  •  mit 70 Kindern in einem riesigen Haus zusammenleben und für sie verantwortlich sein
  • keinen Haustürschlüssel haben
  • den Kindern nachlaufen, bis sie endlich die Hausübung machen wollen
  • mit Klosterschwestern zusammenleben und viel beten

 

  • 40 bis 45 Grad, also durchgehend schwitzen -> 3 mal am Tag duschen gehen
  •  Iquitos ist nur mit Boot (4 Tage!) oder Flugzeug erreichbar
  • frische, weltbeste Mangos und Ananas gleich um die Ecke am Markt kaufen
  • Skepsis vor Krankenhäusern
  • Musik und echtes Tanzen
  • Straßenessen (hauptsächlich frittiert), immer und überall Kuchen
  • alles spielt sich auf der Straße ab
  • Dschungel

 

  •  so wenig auf sein Äußeres achten, da man sowieso ungewollt zu viel Aufmerksamkeit bekommt
  • nicht am Weltgeschehen beteiligt sein, total abgeschottet leben
  • halbes Jahr nur Flip Flops tragen
  • sich nicht mehr wie ein Tourist fühlen
  • die kleinen Dinge schätzen lernen, nicht mehr als selbstverständlich erachten
  •  lernen, dass man nicht mehr Dinge braucht, wie in einen Rucksack passen
  • ohne Planung zurechtkommen
  • nicht alles verstehen und das auch akzeptieren
  • lernen, seine 60 Gelsenstiche nicht zu kratzen (= pure Selbstdisziplin)
  • lernen, dass Reisen ein Privileg ist
  • mit pre-paid phone oder auch ganz ohne Handy klarkommen
  • warten lernen!