10 Jahre Syrienkrise

Massive Auswirkungen auf den gesamten Nahen Osten

Nach zehn Jahren Krieg in Syrien sind das Ausmaß, die Schwere und die Komplexität der humanitären Bedürfnisse im Zusammenhang mit der Syrienkrise nach wie vor enorm.

Dies ist das Ergebnis der anhaltenden Feindseligkeiten, langwieriger Vertreibungen und dem kontinuierlichen Rückgang der wirtschaftlichen und sozialen Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung während der im März 2021 ins elfte Jahr gehenden Krise. Mit weitreichenden Folgen für den gesamten Nahen Osten – 5,6 Mio. Menschen (83% der Schutzsuchenden) sind alleine in die angrenzenden Nachbarländer geflohen.

Im Jahr 2020 haben sowohl die Covid-19-Pandemie als auch die massive Explosion in Beirut im August eine ohnehin schon komplexe humanitäre Situation in der gesamten Region weiter verschärft. Diese Krisen innerhalb der Krisen machen den Bedarf an Unterstützung und Soforthilfemaßnahmen immer dringlicher. 

Die Caritas Österreich ist seit Beginn des Syrienkonflikts im Nahen Osten aktiv, um Menschen dabei zu unterstützen, sicher ihre Grundbedürfnisse decken und ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Gleichzeitig ist es von entscheidender Bedeutung, längerfristige Perspektiven zu schaffen. Etwa durch den Zugang zu Bildungsmöglichkeiten und Unterstützung bei der Sicherung des Lebensunterhalts.

10 Jahre Hilfe für Menschen in Not

Die Caritas Syrien unterstützt aktuell tausende Familien mit der Verteilung von Lebensmitteln, Deckung von Grundbedürfnissen, Bildungsmaßnahmen und der Widerherstellung von Lebensgrundlagen.

Carlos Rayess, Caritas Syrien, berichtet über die langjährige Hilfe für Menschen in Not in Syrien. 

So hilft die Caritas

So hat die Caritas seit 2011 knapp 25 Mio. Euro für humanitäre Hilfe im Nahen Osten aufgewendet. Sowohl für überlebenswichtige Nothilfemaßnahmen wie die Bereitstellung von sicheren Unterkünften, Lebensmitteln und medizinischer Versorgung als auch für qualitativ hochwertige und inklusive Bildungsangebote und Projekte zur Widerherstellung von Lebensgrundlagen, um den Menschen in der Region eine langfristige Zukunftsperspektive auf ein selbstbestimmtes Leben zu geben. Durch diesen breiten Unterstützungsansatz erhielten seit 2011 mehr als 223.000 Menschen im Nahen Osten konkrete Hilfe Seitens der Caritas und ihrer lokalen Partner. 

 

So hilft Ihre Spende:

  • 50 Euro kosten Gutscheine für Nahrungsmittel für einen Monat für eine fünfköpfige Familie, die in lokalen Geschäften eingelöst werden können.
  • 100 Euro ermöglichen einem Kind mit Beeinträchtigung die Teilnahme an speziellen Fördermaßnahmen zur persönlichen Entwicklung.
  • 135 Euro kostet ein Mietzuschuss für drei Monate für eine Familie in Aleppo, wo der Wohnraum gering ist und die Mieten deshalb sehr hoch sind.

  • Zehn Jahre Krieg in Syrien ...

    Zehn Jahre Krieg in Syrien ...

  • ... ließen viele Städte in Trümmern zurück.

    ... ließen viele Städte in Trümmern zurück.

  • Leidtragende der anhaltenden Konflikte ist die syrische Bevölkerung.

    Leidtragende der anhaltenden Konflikte ist die syrische Bevölkerung.

  • Die Caritas ist seit 2011 im Nahen Osten aktiv, um die syrische Bevölkerung zu unterstützen.

    Die Caritas ist seit 2011 im Nahen Osten aktiv, um die syrische Bevölkerung zu unterstützen.

  • Die Ausbreitung des Coronavirus verschärft die Krisen im Nahen Osten zusätzlich.

    Die Ausbreitung des Coronavirus verschärft die Krisen im Nahen Osten zusätzlich.

  • Bildungsprogramme in der Region geben den Menschen ...

    Bildungsprogramme in der Region geben den Menschen ...

  • ... wieder Perspektiven für eine selbstbestimmte Zukunft.

    ... wieder Perspektiven für eine selbstbestimmte Zukunft.

  • Seit 2020 natürlich unter Einhaltung aller Maßnahmen, um die Verbreitung von Covid-19 zu stoppen.

    Seit 2020 natürlich unter Einhaltung aller Maßnahmen, um die Verbreitung von Covid-19 zu stoppen.

Bildung schafft Perspektiven

Kinder gehören zu den am stärksten von humanitären Krisen betroffenen Gruppen – so auch in der aktuellen Syrienkrise. Im gesamten Nahen Osten hat mehr als jedes dritte syrische Kind keinen Zugang zu Bildung. Bei Kindern mit Beeinträchtigung ist der Prozentsatz sogar noch höher. Ein 2020 veröffentlichter UNHCR-Bericht warnt zudem davor, dass nach den mit Covid-19 verbundenen Schulschließungen bis zur Hälfte aller Kinder auf der Flucht nicht in den Unterricht zurückkehren wird. Dies hätte verheerende langfristige Auswirkungen auf das Leben dieser Kinder. 

Die Caritas Österreich und ihre Partner in der Region arbeiten daher seit Jahren eng und in Abstimmung mit lokalen Bildungsbehörden und -ministerien zusammen, um Kindern trotz Krisen einen sicheren Zugang zu qualitätsvollen und inklusiven Bildungsangeboten zu ermöglichen und ihr internationales Recht auf Bildung zu wahren. Auf diese Weise unterstützen wir aktuell mehr als 13.000 Kinder und ihre Familien im Nahen Osten.

Das ambitionierteste Bildungsprojekt ist dabei das langfristige und länderübergreifende Bildungsprogramm RHEP (Regional Holistic Education Programme). Aktuell werden pro Schuljahr knapp 10.000 Kinder und Jugendliche zwischen 3-18 Jahren in Syrien, dem Libanon und Jordanien dabei unterstützt, trotz Krisen lernen, sich fortbilden und entwickeln zu können. Das Besondere an dem Programm ist einerseits, dass SchülerInnen hier auch mental und psychosozial betreut werden, um erlebtes verarbeiten zu können und etwaige Traumata abzubauen. Auf der anderen Seite steht das Bildungsprogramm auch Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen offen. Hier erhalten sie die Chance ihre eigenen Talente und Fähigkeiten zu entdecken und entwickeln und ihr volles Potenzial zu entfalten.

Caritas Bildungsprogramm im Nahen Osten

Im Libanon alleine erhalten knapp 8.000 Kinder und Jugendliche Zugang zu Bildungsangeboten.

Die Bildungsprogramme der Caritas unterstützen aktuell mehr als 13.000 Kinder und ihre Familien im Nahen Osten.

Von der Nothilfe zurück in die Eigenständigkeit

Zu Beginn der Syrienkrise galt das Hauptaugenmerk der Unterstützung der Deckung der Grundbedürfnisse für die notleidende syrische Bevölkerung im Nahen Osten. So galt es beispielsweise vertriebene SyrerInnen mit sauberem Trinkwasser, Unterkünften und Öfen wie Heizmaterial für die Überbrückung des Winters, zu versorgen. Als weitere essenzielle Maßnahme hat sich schnell die Bereitstellung von Geldleistungen herausgestellt, um Familien dabei zu unterstützen, ihren Bedarf an Grundnahrungsmitteln, Hygieneartikeln und Wohnkosten decken zu können. Das EU finanzierte Projekt CARMA (Cash Assistance in Re-Emerging Markets in Syria) etwa unterstützt aktuell Familien, die durch den Krieg in Syrien ihre gesamte Lebensgrundlage verloren haben. Mehr als 2.200 Familien erhalten Bargeldzuschüsse, die ihnen Flexibilität, Wahlmöglichkeiten sowie Würde und Selbstbestimmung geben, da sie als Betroffene am besten in der Lage sind, ihre eigenen Bedürfnisse aktuell einzuschätzen. Außerdem werden so auch automatisch lokale Märkte unterstützt und dadurch die syrische Wirtschaft angekurbelt.

Was bedeutet das konkret für Betroffene?

Bargeldhilfe für einen Vater in Not

Gemeinsam mit der Caritas Schweiz und Caritas Syrien unterstützen wir mit dem CARMA Projekt Familien, die durch den Krieg in Syrien ihre gesamte Lebensgrundlage verloren haben.

2020 wurde gemeinsam mit Partnerorganisationen der Fokus auf die Verringerung von Armut und Ungleichheiten innerhalb des Nahen Ostens verstärkt. So werden sowohl in Syrien als auch dem Libanon Menschen gezielt dabei unterstützt, den Übergang von der Abhängigkeit grundlegender Hilfen zur Widerherstellung der eigenen Selbständigkeit und Unabhängigkeit zu erreichen. Dabei erhalten sie Business-Trainings, Life-Skills-Kurse sowie Mentoring und können auch Unterstützung bei der Gründung bzw. Wiedereröffnung ihres Geschäfts beantragen. Ziel des Relief 2 Recovery (R2R) Projekts ist es, Menschen aus der Abhängigkeit von Nothilfe- und Existenzsicherungsmaßnahmen zu holen und sie dabei zu unterstützen, sich und ihre Familie selbst versorgen zu können und ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Solidarität unter Nachbarn

Haben sich im Laufe der zehn Jahre anhaltenden Krise Teile der internationalen Staatengemeinschaft dadurch hervorgetan, den Konflikt schwelen zu lassen, zu eskalieren und in die Länge zu ziehen, haben Syriens Nachbarländer vorrangig eines gezeigt: Solidarität. Selbst von mehreren Krisen betroffen, haben allen voran der Libanon, Jordanien und die Türkei enorme Anstrengungen unternommen, um der notleidenden Bevölkerung Syriens vor allem Schutz und Zuflucht vor Krieg und Vertreibung zu geben. Doch nach zehn Jahren bereitwilliger Hilfe für und Aufnahme der syrischen Bevölkerung gehen auch den Nachbarländern schlicht die Ressourcen aus.

Libanon

Alleine der Libanon hat nach Angaben der UNO Flüchtlingshilfe rund 1,5 Millionen geflüchtete SyrerInnen aufgenommen. Dramatischer Beigeschmack: 88% von ihnen leben heute unter der Armutsgrenze. Das kleine Land kämpft zudem aktuell mit den Auswirkungen der Covid-19 Krise, die die multiplen Krisen innerhalb des Landes – von einer historischen Wirtschaftskrise bis zu politischer Instabilität – weiter verstärken. Die verheerende Explosion im Beiruter Hafen im August 2020 verschärfte die angespannte Lage weiterhin: An die 300.00 Menschen verloren ihre Unterkunft, 160 Schulen wurden teils oder ganz beschädigt. Und dennoch bleibt der Libanon jenes Land, das Pro-Kopf die höchste Zahl an Schutzsuchen weltweit aufnimmt. Um sowohl geflüchtete SyrerInnen als auch vulnerable LibanesInnen zu unterstützten, bietet die Caritas sowohl Nothilfe- und Existenzsicherungsprojekte als auch Bildungsprojekte an.

Jordanien

Auch Jordanien beherbergt aktuell rund 1,3 Millionen geflüchtete SyrerInnen und ist auch bemüht, ihnen Zugang zu Wohnraum und Bildungsangeboten zu ermöglichen. Doch die Möglichkeiten sind begrenzt, mehr als 100.000 syrische Kinder haben nach wie vor keine Möglichkeit eine Schule zu besuchen. Die Caritas unterstützt daher über das Bildungsprogramm RHEP knapp1.300 Kinder und ihre Familien dabei, sich Perspektiven für die Zukunft schaffen zu können.

Ägypten

In Ägypten wirkt sich der durch Covid-19 verursachte Stillstand negativ auf soziale Programme aus und lässt die Schwächsten der Gesellschaft ohne Unterstützung zurück. Die instabile wirtschaftliche Lage führt zu Arbeitslosigkeit und Einkommensverlusten. Von dieser Situation sind nicht nur ÄgypterInnen betroffen, sondern vor allem syrische Flüchtlinge und Asylbewerber, die in Ägypten Schutzgesucht haben. Die Herausforderungen haben sich für Schutzsuchende nun noch verschärft, da die meisten von ihnen, die im informellen Sektor arbeiteten, ihre Arbeit verloren haben und nicht in der Lage sind, die Grundbedürfnisse ihrer Familien zu decken. Viele sind von der Zwangsräumung ihrer Wohnungen bedroht, weil sie die Miete nicht bezahlen können oder können ihre Familie nicht mehr ausreichend ernähren.

Die Caritas Salzburg unterstützt nach Ägypten Geflüchtete sowie besonders vulnerable ägyptische Haushalte mit Kinderschutzprojekten, Nothilfeprogrammen und Projekten zur Widerherstellung der eigenen Lebensgrundlage.

Bitte helfen auch Sie!

Peace is possible - Friede ist möglich!

Gemeinsam können wir den Druck auf Politiker und Regierungen erhöhen und so ein schnelleres Handeln ermöglichen. Helfen Sie uns dabei:

  • Alle Konfliktparteien müssen an einem Tisch vereint werden und an einer friedlichen Lösung arbeiten.
  • Unterstützen Sie die Millionen von Menschen, die unter diesem Krieg zu leiden haben. Sei es in Form von Spenden, die direkt im Land und entlang der Fluchtrouten eingesetzt werden, oder im direkten Kontakt mit all jenen, die bereits zu uns gekommen sind und ein normales, integriertes Leben suchen.
  • Geben Sie Syrern in und außerhalb ihrer Heimat Hoffnung und Würde zurück.

Mehr zur Aktion Peace is possible der Caritas Internationalis

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