Gruppe fröhlicher Schulkinder in bunten Hemden winkt in die Kamera auf dem Schulgelände der Gumbo Primary School in Südsudan.

Im ersten Projektjahr erreichte HOPE insgesamt 2.202 Kinder – darunter 1.014 Mädchen und 1.188 Buben – sowohl aus dem Camp für Binnenvertriebene als auch aus der umliegenden Aufnahmegemeinde © Oliver Topf

Südsudan: Alle Kinder haben ein Recht auf Bildung

Aufgrund von Konflikten, Gewalt und Unsicherheit im Südsudan mussten Millionen Menschen ihr Zuhause verlassen. Viele Familien haben auf der Flucht nicht nur ihr Haus und ihre Lebensgrundlage verloren, sondern auch den Zugang zu Bildung. Besonders Kinder sind davon betroffen: Viele mussten die Schule abbrechen, andere hatten nie die Möglichkeit, regelmäßig Unterricht zu besuchen.

Die Folgen der Vertreibung sind für Kinder besonders schwerwiegend. Viele Familien können sich nicht ausreichend ernähren, haben kein stabiles Einkommen und leben unter sehr schwierigen Bedingungen. Gleichzeitig ist der Zugang zu Bildung im Südsudan weiterhin stark eingeschränkt. Millionen Kinder gehen nicht zur Schule, viele Lehrkräfte sind nicht ausreichend ausgebildet und große Klassen mit 70 bis 90 Kindern sind keine Seltenheit. Besonders Mädchen sind benachteiligt, weil Armut, frühe Heirat, fehlende Hygieneartikel und traditionelle Rollenbilder ihren Schulbesuch zusätzlich erschweren.

Fotos
(c) Oliver Topf

Lernen für eine bessere Zukunft

Die Salesianer Don Boscos sind langjährige Partner der Caritas und setzen sich weltweit dafür ein, Kindern Zugang zu guter Bildung zu ermöglichen, so auch im Südsudan. In Gumbo, einem Außenbezirk der Hauptstadt Juba, fördert die Caritas Österreich das Projekt HOPE: „Helping to create Opportunities via Primary Education“. Das Projekt läuft von Jänner 2025 bis Dezember 2027 und unterstützt Kinder aus dem Camp für Binnenvertriebene sowie aus der umliegenden Aufnahmegemeinde.

In der Salesianerpfarre Gumbo haben seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs viele vertriebene Familien Zuflucht gefunden. Das Camp auf dem Gelände der Salesianer bietet heute rund 8.000 Menschen Schutz. Die Mehrheit von ihnen sind Frauen, Kinder, ältere Menschen, Jugendliche und Waisen. Für viele Kinder ist die Schule ein wichtiger Ort der Sicherheit, des Lernens und der Hoffnung.

Hungrig auf Bildung

Die Gumbo Primary School wurde gegründet, damit vertriebene Kinder trotz Flucht und Unsicherheit weiter lernen können. Im Jahr 2025 besuchten 1.871 Kinder die regulären Klassen der Schule. Aufgrund des starken Zuzugs vertriebener Familien und der hohen Nachfrage aus der Aufnahmegemeinde wurden zusätzlich Abendklassen eingerichtet. So konnten im ersten Projektjahr insgesamt 2.202 Kinder erreicht werden, darunter 1.014 Mädchen und 1.188 Buben.

Die Schule ist für viele Kinder weit mehr als ein Ort des Unterrichts. Sie bietet Struktur, Schutz und Begleitung. Kinder erhalten Lernmaterialien, werden im Schulalltag betreut und können bei Problemen Unterstützung bekommen. Eine Sozialarbeiterin begleitet besonders gefährdete Kinder, besucht Familien, dokumentiert Schulabbrüche und hilft dabei, Hindernisse für den Schulbesuch zu überwinden.

Qualität und Schutz im Alltag

Damit Kinder gut lernen können, braucht es nicht nur Klassenräume, sondern auch qualifizierte Lehrkräfte, sichere Sanitäranlagen, Bücher, Schulmaterialien und einen geschützten Schulalltag. Im Rahmen von HOPE werden die Gehälter von 62 Lehrkräften und einer Sozialarbeiterin an der Gumbo Primary School unterstützt. Zusätzlich werden Lehrer*innen weitergebildet, damit sie ihren Unterricht kindgerecht und qualitativ hochwertig gestalten können.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Mädchen. Würde-Kits mit Hygieneartikeln helfen Mädchen dabei, auch während ihrer Menstruation regelmäßig zur Schule zu gehen. Neue und verbesserte Sanitäranlagen schaffen mehr Privatsphäre und Sicherheit. Gleichzeitig werden Eltern und die Schulgemeinschaft für die Bedeutung von Mädchenbildung sensibilisiert.

Auch die Lernumgebung wird weiter verbessert. Die Schule erhält Schulbücher, Lernmaterialien und Sportausstattung. Eine Krankenstation wurde renoviert und ausgestattet, damit kranke Kinder während des Schultags erstversorgt werden können. Außerdem wird der Zugang zu digitalen Lernmöglichkeiten durch einen Computerraum gestärkt.

Bildung, die Kinder stärkt 

Neben den klassischen Schulfächern spielt auch die persönliche Entwicklung der Kinder eine wichtige Rolle. Lehrkräfte werden in Character Coaching geschult, und Character Clubs sollen Kindern helfen, Selbstvertrauen, Verantwortungsbewusstsein, Empathie und soziale Kompetenzen zu entwickeln. Sportveranstaltungen und schulische Aktivitäten fördern außerdem das friedliche Zusammenleben von Kindern aus unterschiedlichen Gemeinschaften.

Die Schule achtet besonders auf Kinderschutz. Lehrkräfte, Schulpersonal sowie Mitglieder der Eltern- und Schulkomitees werden zu Safeguarding geschult. Beschwerdemechanismen, Vertrauenspersonen und Sozialarbeit helfen dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen und Kinder besser zu schützen.

Auch nachhaltige Landwirtschaft bleibt Teil des Schulalltags. Ein Schulgarten und Umweltaktivitäten vermitteln den Kindern praktische Kenntnisse zu Ernährung, Hygiene und Umweltschutz. So lernen sie Fähigkeiten, die ihnen und ihren Familien auch über die Schule hinaus zugutekommen.

Bildung gibt Kindern im Südsudan eine Perspektive. Sie hilft ihnen, trotz Flucht, Armut und Unsicherheit wieder Hoffnung zu schöpfen, ihre Fähigkeiten zu entfalten und aktiv an einer friedlicheren Zukunft mitzuwirken.