Armut in Österreich
Zahlen & Fakten
Armut ist in Österreich Realität
zuletzt aktualisiert: 06.05.2026
Daten: Statistik Austria (2026): EU SILC 2025
Die offiziellen Zahlen der Statistik Austria zeigen: Armut ist in Österreich Realität. Über 1,4 Millionen Menschen in Österreich haben so wenig Geld zu Verfügung, dass sie armutsgefährdet sind. Das sind 160.000 mehr als noch im Vorjahr. Die Schere zwischen Arm und Reich vergrößert sich und Menschen mit niedrigen Einkommen drohen den Anschluss zu verlieren. Für mehr als 260.000 Menschen in Österreich ist der Großteil essenzieller Dinge – wie Miete, Heizung, Lebensmittel – nicht leistbar. Das sind 60.000 Menschen mehr als vor der Teuerungskrise.
Generell kann Armut jede und jeden treffen – etwa durch Schicksalsschläge, wie auftretende Krankheiten oder Jobverlust. Sie hat meist aber auch mit gesellschaftlicher Benachteiligung zu tun. In Österreich betrifft Armut insbesondere Frauen und Kinder.
Wir klären zum Thema „Armut“ auf, beantworten häufige Fragen und untermauern diese mit Zahlen und Fakten. Außerdem finden Sie unter "Unsere Studien und weiterführende Publikationen", die wichtigsten Caritas Studien und Umfragen zum Thema Armut in Österreich.
Übersicht
- Was ist Armut?
- Wie wird Armut gemessen?
- Gibt es Armut in Österreich?
- Wer hat ein besonders hohes Risiko in Österreich in Armut zu leben?
- Haben Frauen ein höheres Risiko in Armut zu leben?
- Gibt es Kinderarmut in Österreich?
- Welche Bevölkerungsgruppen leben in Österreich in Armut?
- Was bedeutet es in absoluter Armut zu leben?
- Wie wirkt sich Armut auf die Wohnsituation aus?
- Wie hängen Armut und Gesundheit zusammen?
- Arbeit und Armut – Schützt Arbeit vor Armut?
- Welche Rolle spielt der Sozialstaat in Österreich, um Armut zu verhindern?
Unsere Studien und weiterführende Publikationen
Zahlen und Fakten - wir klären auf:
Daten aus unserer Caritas-Arbeit
Was ist Armut?
Im Diskurs um Armut wird zwischen absoluter und relativer Armut unterschieden. Absolute Armut bedeutet, dass sich Menschen wichtige Grundbedürfnisse nicht leisten können. Zum Beispiel können sie sich nur eingeschränkt ernähren, keine Miete oder keine unerwarteten Ausgaben leisten. Relative Armut bedeutet, dass Menschen - verglichen mit dem Durchschnitt der Bevölkerung - weniger Einkommen haben als andere. Relative Armut zeigt, wer ein vergleichsweise geringes Einkommen und daher ein erhöhtes Risiko hat, arm zu sein bzw. zu werden. Es zeigt, wie das Einkommen in Österreich verteilt ist und welche Personengruppen statistisch häufiger von Einkommensarmut betroffen sind. Durch eine relative Armutsdefinition kann man gut soziale Ungleichheit erkennen und identifizieren welche Personengruppen besonders gefährdet sind und im Sinne einer Armutsprävention verstärkt unterstützt werden sollen. Denn die Statistik zeigt auch: Personengruppen die armutsgefährdet (relative Armut) sind, sind auch deutlich häufiger von absoluter Armut betroffen. Weitere Informationen dazu, wie relative und absolute Armut in Österreich erhoben und gemessen werden, finden Sie auf der Seite der Statistik Austria.
Wie wird Armut gemessen?
In Österreich werden von der Statistik Austria jährlich die „Gemeinschaftsstatistiken zu Einkommen und Lebensbedingungen“ veröffentlicht. Darin werden die Lebensbedingungen der Österreicher*innen statistisch erhoben und die aktuelle Armutssituation sowie die Einkommensverteilung in Österreich beschrieben. Das heißt, es werden jährlich Statistiken veröffentlicht, um die Armutssituation in Österreich bestmöglich zu beschreiben. Um einen ersten guten Überblick über Armut in Österreich zu bekommen, eignet sich der Blick auf den Indikator der Armutsgefährdung (=relatives Armutsmaß) und den Indikator der „erheblich materiellen und sozialen Deprivation“ (= absolute Armut).
Der Indikator Armutsgefährdung als Maß der relativen Armut:
Als armutsgefährdet gelten Personen, die weniger als 60 % des Median-Einkommens in Österreich monatlich beziehen. Die Armutsgefährdung ist daher ein relatives Armutsmaß. In Österreich war im Jahr 2025 eine alleinlebende Person armutsgefährdet, wenn sie weniger als 1.806 Euro 12-mal monatlich (netto) zur Verfügung hatte. Aussagen darüber, wie gut eine Person mit seinem Einkommen auskommt, können nicht getroffen werden. Durch die Armutsgefährdung wird ein erhöhtes Armutsrisiko für Personengruppen identifiziert. Die Armutsgefährdung eignet sich daher gut, um vulnerable Personengruppen in Österreich zu identifizieren und armutspräventiv tätig zu werden.
Armutsgefährdungsschwelle in Österreich:
| Haushaltskonstellation | Monatseinkommen |
| 1 Erwachsener | 1.806 Euro |
| 1 Erwachsener + 1 Kind | 2.348 Euro |
| 2 Erwachsene | 2.709 Euro |
| 2 Erwachsene + 1 Kind | 3.251 Euro |
| 2 Erwachsene + 2 Kinder | 3.793 Euro |
| 2 Erwachsene + 3 Kinder | 4.335 Euro |
Der Indikator “erheblich materiell und sozial depriviert” als Maß für absolute Armut:
- Die erhebliche materielle und soziale Deprivation ist ein absolutes Armutsmaß und gibt an ob wichtige Grundbedürfnisse in Österreich gedeckt werden können oder nicht. Als erheblich materiell und sozial depriviert, bzw. absolut arm gelten Personen die von 13 Merkmalen eines europäischen Mindestlebensstandards mindestens 7 nicht erfüllen können. Absolut arm ist also, wer sich einen Großteil materieller und sozialer Grundbedürfnisse nicht leisten kann.
Die 13 Merkmale der erheblich materiellen und sozialen Deprivation:
- Einmal im Jahr auf Urlaub fahren
- Unerwartete Ausgaben tätigen
- Laufende Kosten pünktlich bezahlen
- Regelmäßig Fleisch/Fisch/vegetarisch essen
- Wohnung warmhalten
- Besitz eines Autos
- Abgenutzte Möbel ersetzen
- Zufriedenstellende Internetverbindung haben
- Abgenutzte Kleidung ersetzen
- Besitz von mind. zwei Paar Schuhen
- Kleinen Geldbetrag für sich selbst ausgeben
- Freizeitaktivitäten ausüben
- Freund*innen zum Essen treffen
Darüber hinaus gibt es auch weitere Armutsmaße. Mit dem kombinierten Begriff Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung wird zum Beispiel angegeben, wer entweder Armutsbetroffen, oder Armutsgefährdet ist oder in einer Haushalt mit keiner/ geringer Erwerbsintensität arbeitet. Weitere Informationen dazu wie Armut in Österreich erhoben und gemessen werden, finden Sie auf der Seite der Statistik Austria.
Gibt es Armut in Österreich?
Ja. Betrachtet man die absolute Armutsbetroffenheit in Österreich so können sich rund 261.000 Personen wichtige Grundbedürfnisse, Heizen, Miete, vollwertige Mahlzeiten, oder Kleidung nicht leisten. Das sind zwar weniger als in den beiden Vorjahren, aber rund 60.000 Personen mehr als vor der Teuerungskrise (EU-SILC 2022). Wir sehen, dass neue Armut entstanden ist und sich verfestigt hat. Auch die Zahl der Kinder- und Jugendlichen, die sich in absoluter Armut befinden, bleibt auf hohem Niveau. Waren es vor den Teuerungen noch rund 36.000 sind es nun rund 48.000 Kinder und Jugendliche, für die das Notwendigste nicht leistbar ist.
1,44 Millionen Menschen gelten in Österreich als armutsgefährdet, sie haben also ein hohes Risiko in Armut zu leben/ zu geraten. Das sind rund 16 % der Gesamtbevölkerung und damit um 160.000 Menschen mehr als noch im Vorjahr. Rund 600.000 Frauen, 472.000 Männern und 376.000 Kindern leben unter der Armutsgefährdungsschwelle. Frauen machen rund 41 % aller armutsgefährdeten Menschen in Österreich aus. Sie haben ein höheres Armutsrisiko als Männer.
Wer hat ein besonders hohes Armutsrisiko in Österreich?
Unterschiedliche Aspekte wie Arbeitslosigkeit, niedrige Einkommen, Krankheit oder hohe Wohnkosten können das Armutsrisiko erhöhen – viele davon hängen mit strukturellen Ursachen und systematischer Benachteiligung zusammen. Über die Hälfte (52 %) der Personen, die mindestens ein Jahr arbeitslos sind, sind in Österreich armutsgefährdet. Sie haben eines der höchsten Armutsrisiken in Österreich. Aber auch Alleinerziehende sind mit 41 % besonders armutsgefährdet. Die Statistik zeigt auch, dass eine niedrige formale Bildung, Staatszugehörigkeit, und auch bestimmte Haushaltskonstellationen mit Kindern und Jugendlichen, Faktoren sind, die das Armutsrisiko in Österreich erhöhen. So erhöht die Anzahl der Kinder pro Haushalt das Armutsgefährdungsrisiko in Österreich deutlich. Generell haben Frauen ein höheres Armutsrisiko als Männer.
Haben Frauen in Österreich ein höheres Risiko in Armut zu leben?
Grundsätzlich haben Frauen (16 %) in Österreich ein erhöhtes Armutsrisiko im Vergleich zu Männern (13 %). Sieht man sich spezifische Haushaltskonstellationen und Lebensabschnittsphasen an, so erkennt man eine deutlich erhöhte Armutsgefährdung bei Frauen. Insbesondere im Alter sind Frauen deutlich höher armutsgefährdet als Männer in Österreich. So sind alleinlebende weibliche Pensionistinnen zu 27 % armutsgefährdet und damit ca. doppelt so oft wie alleinlebende männliche Pensionisten (14 %). Doch auch beim Haushaltseinkommen zwischen erwerbstätigen Frauen und Männern zeigen sich deutliche Unterschiede. Ist eine Frau Hauptverdienerin im Haushalt, so ist dieser Haushalt einem deutlich höheren Armutsrisiko ausgesetzt (+13 % im Vergleich zum männlichen Hauptverdiener). Ein-Eltern-Haushalte (Alleinerziehende) sind in Österreich hauptsächlich weiblich und haben eine der höchsten Armutsgefährdungsquoten (41 %) in Österreich.
Gut zu wissen: Geschlechtsspezifische Unterschiede werden auf Basis einer Haushaltsstatistik nur eingeschränkt sichtbar. Die Verteilung innerhalb des Haushalts und damit auch die individuelle Armutsgefährdung von Männern und Frauen können aus der Statistik nicht vollständig abgeleitet werden. Eine Studie im Auftrag der Caritas Österreich zum individuellen Armutsrisiko legt aber nahe, dass das individuelle Armutsrisiko von Frauen um ein Vielfaches höher ist, als es offizielle Statistiken auf Haushaltsebene ausweisen. Gründe dafür liegen unter anderem darin, dass Frauen immer noch den Großteil unbezahlter Sorgearbeit leisten, weniger Erwerbsarbeit nachgehen können, weniger verdienen und dadurch auch weniger Pension beziehen.
Gibt es Kinderarmut in Österreich?
Ja. Im Vergleich zum Durchschnitt in Österreich sind Kinder und Jugendliche einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt und leben auch überdurchschnittlich oft in absoluter Armut. 23 % aller Kinder und Jugendlichen sind in Österreich von Armut bedroht. Das sind rund 376.000 Kinder und Jugendliche. Außerdem leben in Österreich rund 48.000 Kinder und Jugendliche in absoluter Armut. Das entspricht rund 3 % aller Kinder und Jugendlichen. Diese Kinder und Jugendlichen müssen auf wichtige Grundbedürfnisse wie z.B. regelmäßige vollwertige Mahlzeiten, eine beheizte Wohnung verzichten. Die Konsequenzen von Kinderarmut sind weitreichend: Kinderarmut führt häufig zu eingeschränkten Bildungschancen, gesundheitlichen Problemen und sozialen Benachteiligungen, die die sozialen und beruflichen Perspektiven stark beeinträchtigen. Kinderarmut hat auch enorme wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgekosten wie eine OECD-Studie errechnet hat.
Welche Bevölkerungsgruppen leben in Österreich in absoluter Armut?
261.000 Menschen leben in Österreich in absoluter Armut (erheblich materielle und soziale Deprivation). Manche Personengruppen in Österreich sind besonders häufig von absoluter Armut betroffen:
- In Haushalten mit geringerer Erwerbsintensität, oder bei Arbeitslosigkeit - besonders, wenn diese länger anhält - treten öfter absolute Armutslagen ein.
- Langzeitarbeitslose Menschen sind mit 23 % besonders oft von absoluter Armut betroffen.
- Auch Haushalte mit hoher Care-Arbeits-Auslastung sind häufiger von absoluter Armut betroffen.
- 4 % der Haushalte mit mehr als drei Kindern sind absolut arm und Alleinerziehenden-Haushalte sind mit 7 % mehr als doppelt so oft von absoluter Armut betroffen, wie die Gesamtbevölkerung (3%).
- Menschen mit niedrigen formalen Bildungsabschlüssen leben deutlich häufiger in absoluter Armut, als Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen (8 % bei max. Pflichtschulabschluss, 1 % bei Universitätsabschluss).
- Auch Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft können überdurchschnittlich oft ihre alltäglichen Grundbedürfnisse nicht decken (7 %).
Was bedeutet es in Österreich in Armut zu leben?
Menschen, die von absoluter Armut (erhebliche materielle und soziale Deprivation) betroffen sind, können sich einen Großteil (mindestens 7 von 13) der für einen europäischen Mindestlebensstandard definierten Grundbedarfe und Aktivitäten nicht leisten (Statistik Austria). Bei mehr als der Hälfte (52 %) der in absoluter Armut lebenden Menschen reichen die niedrigen Einkommen nicht aus, um die laufenden Kosten für Wohnen und Energie pünktlich zu bezahlen. In der Gesamtbevölkerung sind davon 7 % betroffen. Alltägliche Ausgaben für essenzielle Konsumgüter können oft nicht ausreichend gedeckt werden. So können sich beispielsweise fast die Hälfte (44 %) der von absoluter Armut betroffenen Menschen in Österreich keine regelmäßige vollwertige Mahlzeit leisten. Für größere Anschaffungen wie das Ersetzen abgetragener Kleidung sind bei den meisten Haushalten, die in absoluter Armut leben (70 %), keine Rücklagen vorhanden. 96 % der von absoluter Armut betroffenen Menschen können keine größeren unerwarteten Ausgaben höher als 1.570 Euro tätigen. Armut bedeutet darüber hinaus oft auch soziale Isolation. Viele Formen sozialer Teilhabe, wie die Teilnahme an Kultur- und Freizeitangeboten, Schulausflügen, oder das Pflegen sozialer Kontakte ist für betroffene Menschen kaum leistbar. Rund die Hälfte der Armutsbetroffenen (49 %) kann es sich nicht leisten einmal im Monat Freund*innen oder Verwandte zu treffen.
Wie wirkt sich Armut auf die Wohnsituation aus?
Über 80 % der Menschen, die in Österreich von absoluter Armut betroffen sind, leben in Miete. Von dem geringen Einkommen müssen vergleichsweise hohe Anteile für das Wohnen ausgegeben werden. Sie sind deshalb überdurchschnittlich stark durch Wohnkosten belastet (88 % starke Wohnkostenbelastung). Über ein Drittel der Menschen, die in absoluter Armut leben, haben bei Wohnkostennebenkosten Zahlungsrückstände (39 %). Im schlimmsten Fall ist Wohnungs- bzw. Obdachlosigkeit die Folge. Menschen, die von absoluter Armut betroffen sind, leben zum Großteil in desolaten und prekären Wohnverhältnissen: Oft wohnen viele Haushaltsmitglieder auf engem Raum (Überbelag: 26 %), in dunklen (16 %), feuchten und/oder von Schimmel betroffenen Zimmern (38 %); häufig mit unzureichender Beheizung im Winter, kaum Beschattung im Sommer und generell schlechter Dämmung/Isolierung. Besonders alarmierend ist auch, dass sich die Wohnkostenbelastung für die Gesamtbevölkerung in den vergangenen 3 Jahren von rund 13 % im Jahr 2022 auf 29 % im Jahr 2025 mehr als verdoppelt hat.
Wie hängen Armut und Gesundheit zusammen?
Gesundheit und Armut stehen in engem Zusammenhang. Während nur 6 % der Gesamtbevölkerung in schlechtem bzw. sehr schlechtem Gesundheitszustand sind, trifft das bei Menschen in absoluter Armut auf rund ein Drittel (32 %) zu. Sie sind außerdem doppelt so oft chronisch krank (32 % vs. 64 %) und um ein Vielfaches häufiger stark durch Behinderungen beeinträchtigt (6 % vs. 31 %). Einerseits sind Menschen mit gesundheitlichen Problemen eher von Armut betroffen, denn die Möglichkeit einer Erwerbsarbeit nachzugehen, ist oft eingeschränkt - gleichzeitig entstehen oft hohe Kosten für Behandlungen und Medikamente. Umgekehrt macht Armut krank: Wer von Armut betroffen ist, hat oft weniger Möglichkeiten auf gesundheitsfördernde, präventive Praktiken (z. B. gesunde Ernährung, Sport), lebt oft in Verhältnissen mit erhöhten Gesundheitsrisiken (z. B. Hitze, Kälte, Schimmel) und hat eingeschränkten Zugang zu Gesundheitsdiensten und Medikamenten. Krankheit und Armut wirken zudem jeweils sozial isolierend und psychisch stark belastend. Oft entsteht eine Belastungsspirale aus Armut und schlechter Gesundheit.
Schützt Arbeit vor Armut?
Erwerbsarbeit kann das Armutsrisiko deutlich reduzieren, allerdings schützt sie nicht immer und nicht uneingeschränkt vor Armut. Generell sinkt das Armutsrisiko mit steigender Erwerbsintensität in einem Haushalt: bei hoher Erwerbsintensität liegt das Armutsrisiko bei 7 %, bei mittlerer Erwerbsintensität bei 20 % und bei niedriger bis keiner Erwerbsintensität bei 62 %. Je länger die Arbeitslosigkeit andauert, desto stärker nimmt auch die Armutsgefährdung zu: ganzjährige Arbeitslose gehören zu den am stärksten armutsgefährdeten und armutsbetroffenen Personengruppen. Inwieweit die Arbeit vor Armut schützt, hängt dabei auch mit anderen Aspekten wie formaler Bildungsabschluss und Bezahlung zusammen. 361.000 Menschen bzw. 9 % der österreichischen Bevölkerung gelten als „working poor“ (Erwerbsarmut), müssen also trotz Erwerbsarbeit mit einem Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle auskommen. Diese Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich angestiegen. Haushalte mit weiblichen Hauptverdienerinnen sind davon mehr als doppelt so häufig betroffen, wie Haushalte in denen ein Mann Hauptverdiener ist (15 % bzw. 6 %). Menschen mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft sind mit einer Quote von 18 % besonders oft „working poor“. 21 % der Personen mit Pflichtschulabschluss als höchste formale Bildung haben trotz Erwerbsarbeit Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle.
Welche Rolle spielt der Sozialstaat in Österreich, um Armut zu verhindern?
Der österreichische Sozialstaat ist ein Erfolgsrezept, um Armutsrisiken in Österreich zu reduzieren. Ohne Sozialleistungen und Pensionen wären rund 43 % aller in Österreich lebenden Menschen armutsgefährdet. Somit schützt der österreichische Sozialstaat rund 2,5 Millionen Menschen vor einem erhöhten Armutsrisiko und ermöglicht ein Leben über der Armutsgefährdungsschwelle. Dort, wo Personengruppen auch mit Sozialleistungen ein sehr hohes Armutsrisiko aufweisen, federn sozialstaatliche Leistungen zumindest extreme Härten deutlich ab. Ohne Sozialleistungen und Pensionen wären 59% der Alleinerzieher*innen armutsgefährdet. Auch knapp jede zweite Familie (48%) mit mehr als drei Kindern wäre armutsgefährdet. Langzeitarbeitslose hätten mit 84 % eine enorm hohe Armutsgefährdungsquote. Besonders im Alter schützt der Staat vor Armutsrisiken. Ohne Sozialleistungen und Pensionen wären 97% armutsgefährdet. Der Sozialstaat ist hauptausschlaggebend, um Armut in Österreich zu verhindern.