Bildung für Kinder im Nahen Osten

Bildung schafft Zukunftsperspektiven. Daher ist es besonders in Krisenzeiten wichtig, das Recht auf Bildung zu wahren. Dafür sorgen wir mit unseren Bildungsprogrammen im Nahen Osten, über die aktuell mehr als 13.000 Kinder und ihre Familien in Syrien, Jordanien und dem Libanon Zugang zu hochwertigen und inklusiven Bildungsangeboten erhalten.

Was im Frühjahr 2011 in Syrien als friedlicher Protest im Zuge des Arabischen Frühlings begann, hat sich bis heute zu einer der komplexesten humanitären Krisen der Welt entwickelt: Die Syrienkrise. Obwohl der Konflikt heute für deutlich weniger Schlagzeilen in Europa sorgt, bleibt er eine der weitreichendsten Krisen der Welt. In Syrien selbst sind immer noch 13,4 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe und Existenzsicherung angewiesen (zum Vergleich: Ganz Österreich hat rund 8.9 Millionen EinwohnerInnen) – mehr als die Hälfte von ihnen sind Frauen und Kinder. Alleine in Syrien können 2,4 Millionen Kinder aktuell nicht zur Schule gehen, im gesamten Nahen Osten hat beinahe jedes dritte syrische Kind keinen Zugang zu Bildung. Bei Kindern mit Beeinträchtigungen ist die Zahl sogar noch höher.

Dabei ist der Zugang zu Bildung essenziell für Kinder: Ihre individuelle Entwicklung und die Zukunftsmöglichkeiten sind davon abhängig. Dass Kinder auch im Kontext von Krieg, Flucht und anderen Krisen ihr international festgeschriebenes Recht auf Bildung wahrnehmen können ist zentral, um sicherzustellen, dass sie nicht zu einer sogenannten „verlorenen Generation“ heranwachsen, wie auch UNICEF warnt.

Kinderwünsche aus Syrien

Millionen Kinder haben Syrien nur im Kriegszustand erlebt. Manche ihrer Wünsche sind größer, als man beschreiben kann.

Die Caritas bietet aktuell mehr als 13.000 Kindern und Jugendlichen im Nahen Osten Zugang zu Bildung.

Bildung gibt Hoffnung und schafft Perspektiven

Die Caritas Österreich, Caritas Salzburg und ihre lokalen Partner in der Region arbeiten daher seit Jahren zusammen, um Kindern trotz mehrfacher und sich gegenseitig verstärkender Krisen einen sicheren Zugang zu qualitätsvollen und inklusiven Bildungsangeboten zu ermöglichen und so ihr internationales Recht auf Bildung zu wahren – ganz besonders in Krisenzeiten. Auf diese Weise unterstützen wir in Syrien, Jordanien und dem Libanon aktuell mehr als 13.000 Kinder dabei, ihr Recht auf Bildung wahrzunehmen und so ihr volles Potenzial entfalten zu können. Neben klassischem Unterricht beinhalten die Caritas Bildungsprojekte dabei auch essenzielle Begleitmaßnahmen, die den Kindern dabei helfen, erlebtes zu verarbeiten und sie in die Lage versetzen, dem Unterricht auch folgen und Inhalte aufnehmen zu können. Neben dem Angebot direkter Maßnahmen, ist es uns ein Anliegen, Bildungssysteme vor Ort zu stärken. So arbeiten beispielsweise unsere Partnerorganisationen im Libanon mit lokalen Bildungsbehörden an der qualitativen Weiterentwicklung des Lehrplans an öffentlichen Schulen. 

Der Fokus unserer gesamten Bildungsarbeit im Nahen Osten fußt auf vier Eckpfeilern:

1. Kinder und Jugendliche haben Zugang zu Bildungsangeboten

In Syrien, Jordanien und dem Libanon erhalten rund 13.000 Kinder im Alter von 3-18 Jahren Zugang zu formalen und nicht-formalen Bildungsangeboten. In enger Kooperation mit unseren lokalen Partnern und in Abstimmung mit den jeweiligen Bildungsministerien unterstützen die Caritas Bildungsprojekte, dass Kinder eine Perspektive für ihre Zukunft erhalten. Von Kindergarten und frühkindlichen Bildungsangeboten über Nachhol- und Förderklassen, um verpassten Lernstoff aufholen zu können, bis hin zur Unterstützung zur Erreichung der Tawjihi (allg. Sekundarschulprüfung in Jordanien, ähnlich der österr. Matura).

Zudem werden Kinder mit der Übernahme von Transportkosten, Schulmaterialien und gesunden Schuljausen unterstützt. Partnerschulen profitieren ebenfalls durch eine Verbesserung der Schulinfrastruktur, die allen SchülerInnen zugutekommt.

Bidlung für Kinder im Nahen Osten

Die Caritas Libanon gibt Einblick in ihre Bildungsarbeit.

Aktuell erhalten im Libanon mehr als 8.000 Kinder Zugang zu Bildungsangeboten.

2. Der Unterricht stellt die Bedürfnisse der SchülerInnen in den Vordergrund

Ein großes Augenmerk der Caritas Bildungsarbeit im Nahen Osten liegt in der Fort- und Weiterbildung von Lehrpersonal, um sie auf die erhöhten Bedürfnisse von SchülerInnen, die durch Flucht und Vertreibung traumatisiert sind, vorzubereiten und zu schulen. Denn gerade in der Arbeit mit traumatisierten Kindern ist es wichtig, sensibel auf die unterschiedlichen psychischen und physischen Bedürfnisse einzugehen, sodass die Kinder überhaupt in der Lage sind, dem Unterricht folgen zu können. Ziel ist es innovative, kinderzentrierte Pädagogik im öffentlichen Bildungssektor zu etablieren und LehrerInnen auszubilden bewährte Praktiken anzuwenden, die die Lernenden selbstständig einbeziehen und ihre Fähigkeiten zur Problemlösung und zum aktiven Lernen verbessern.

3. Das schulische Umfeld der Kinder ist sicher und inklusiv

Auch Kinder mit Beeinträchtigungen erhalten über die Bildungsprojekte Zugang zu inklusiven Bildungsaktivitäten, um lernen und sich weiterentwickeln zu können. Um dies zu erreichen werden in allen Projektländern Schulen renoviert und ausgebaut, um sie inklusiv und barrierefrei zu gestalten. Denn Schulen müssen sicher und für alle zugänglich sein – unabhängig von Geschlecht, Beeinträchtigung oder akademischem Niveau. Des Weiteren sind Schulen Räume, in denen sozio-politische Spaltungen und Ungleichheiten abgebaut werden können. So haben sie das Potenzial, sich nachhaltig positiv auf die soziale Stabilität und die Gemeinschaft auszuwirken. 

Im Zuge unserer Bildungsarbeit führen wir auch Wartungen und Instandhaltungen von Sanitärbereichen durch und führen Schulungen zur Hygienesensibilisierung durch, um eine angemessene Nutzung sicherzustellen. Auch ärztliche Untersuchungen werden durchgeführt. Ein Aspekt, der sich gerade zu Beginn der Coronakrise als unschätzbar wertvoll erwiesen hat.

4. Eltern und Familien werden miteinbezogen in den Bildungsweg der Kinder

Für Eltern und Erziehungsberechtigte der Kinder und SchülerInnen werden Workshops zum Thema Erziehung angeboten, um die Einbindung der Eltern in den Bildungsweg ihrer Kinder zu fördern und ihnen auch die Bedeutung dieser Ausbildung bewusst zu machen. Zu diesem Zweck werden Treffen zwischen LehrerInnen und Eltern abgehalten, um diese über Fortschritte und Entwicklungen am Laufenden zu halten, aber auch um LehrerInnen auf mögliche Probleme oder Schwierigkeiten der Kinder zu Hause aufmerksam zu machen. Zusätzlich erhalten auch Eltern und LehrerInnen Unterstützung dabei, psychische Belastungen und mögliche Traumata aufzuarbeiten.

Ein starkes Netzwerk für Bildung in Krisenzeiten

Kinder sind die am stärksten betroffene Personengruppe in humanitären Krisen. Dies ist oft verbunden mit dem Verlust international festgeschriebener Rechte – wie des Rechts auf Bildung (UN Kinderrechtskonvention 1989). Dabei ist der Zugang zu Bildung auch unter widrigen Bedingungen eine der wichtigsten Maßnahmen, um Menschen wieder eine Perspektive zu geben und langfristig den Auswirkungen von Krieg und Vertreibung entgegenzuwirken. Da es hierzu intensive Anstrengungen vieler engagierter Partner benötigt, ist die Caritas Mitglied der „No Lost Generation“ Initiative von UNICEF. Unter dem Dach der „No Lost Generation“ stellen wir gemeinsam mit internationalen Partnerorganisationen sicher, dass die am meisten gefährdeten Kinder und Jugendlichen Zugang zu Bildung, Schutz und Entwicklungsmöglichkeiten haben.

Um diese Forderungen nach Einhaltung internationaler Kinderrechte und dem Schaffen von Bildungszugang auch innerhalb des Caritas Netzwerks mit starker Stimme zu vertreten, haben die Caritas Österreich und Caritas Schweiz das strategische Netzwerk PEER (Partnership on Education in Emergencies in the Middle East) ins Leben gerufen. Das PEER Netzwerk fördert seit 2018 den gemeinsamen Erfahrungsaustausch innerhalb der Organisationen und erlaubt Synergien im Bereich „Bildung in Notsituationen“ zu nutzen.

"No Lost Generation" speaks out

Was würdest Du Deinem jüngeren Ich sagen, wenn Du die Chance dazu hättest? Diese Frage haben wir auch den Kindern im Nahen Osten gestellt.

Im Zuge des zehnten Jahrestages des Ausbruchs der Syrienkrise haben die Partnerorganisationen der "No Lost Generation" ihre unterstützten Kinder und Jugendlichen gefragt, was sie ihrem jüngeren Ich mit auf den Weg geben würden.

So hilft Ihre Spende:

  • 15 Euro ermöglichen einer Familie Internetverbindung zu Hause, sodass Kinder an Fernunterricht teilnehmen können.
  • 25 Euro versorgen ein Kind mit allen notwendigen Büchern und Schreibwaren für ein ganzes Schuljahr.
  • 20 Euro ermöglichen einem traumatisierten Kind die Teilnahme an drei psychosozialen Gruppentherapien.
  • 35 Euro ermöglichen eine umfangreiche, professionelle Untersuchung eines Kindes mit Beeinträchtigung, die auch die Erstellung eines zugeschnittenen Therapieplanes beinhaltet. 
  • 52 Euro ermöglichen einem Kind eine umfassende Therapiesitzung (Psychotherapie, Psychomotorik oder Sprachtherapie). 
  • 230 Euro unterstützen die 20 bedürftigsten Familien, deren Kinder im Caritas Bildungsprogramm sind, dabei ihre Grundbedürfnisse decken und Miete zahlen zu können.

Aktuelle Situation im Nahen Osten

Nach Krieg und Vertreibung folgt bittere Armut

  • 13,4 Mio. Menschen innerhalb Syriens benötigen humanitäre Hilfe (davon 6,8 Mio. Frauen und Kinder)
  • 9,3 Millionen Menschen sind in Syrien von Nahrungsmittelknappheit betroffen
  • Mehr als 6,7 Mio. Menschen sind innerhalb Syriens auf der Flucht
  • Mehr als 5,5 Mio. Menschen mussten Syrien verlassen

Nach zehn Jahren Krieg in Syrien sind das Ausmaß, die Schwere und die Komplexität der humanitären Bedürfnisse im Zusammenhang mit der Syrien-Krise nach wie vor enorm. Dies ist das Ergebnis anhaltender Feindseligkeiten, langwieriger Vertreibungen und dem kontinuierlichen Rückgang der wirtschaftlichen und sozialen Stabilität der Bevölkerung während der im März 2021 ins elfte Jahr gehenden Krise in der Region. Im Jahr 2020 haben sowohl die Covid-19-Pandemie als auch der massive Wertverfall der syrischen Landeswährung eine ohnehin schon komplexe humanitäre Situation weiter verschärft.

Neben umfangreichen Nothilfe und Existenzsicherungsprojekten in Syrien unterstützen wir auch mehr als 4.000 Kinder und Jugendliche dabei, trotz mehrfacher Krisen in dem Land, ihren Bildungsweg fortsetzen zu können.

Weitere Informationen zu Syrien und unserer Hilfe vor Ort.

Dem solidarischen Nachbarn gehen die Ressourcen aus

  • 1,5 Millionen SyrerInnen sind in den Libanon geflüchtet (dabei hat der Libanon die Fläche Tirols)
  • Pro Kopf hat der Libanon die meisten Schutzsuchenden weltweit aufgenommen
  • Mehr als 50% der syrischen Kinder im Libanon besuchen keine Schule
  • Mehr als 40.000 libanesische Kinder und Jugendliche haben keinen Zugang zu Bildungsmöglichkeiten
  • Nur rund 44% der Kinder mit Beeinträchtigung können eine Schule im Libanon besuchen

Seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs ist der Libanon eines der Hauptaufnahmeländer für syrische Flüchtlinge. Laut UNO-Angaben befinden sich derzeit 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge im Libanon – ein Land, das viermal kleiner ist als die Schweiz. Während einer historischen Wirtschaftskrise und der Ausbreitung von Covid-19 wurden zusätzlich durch die verheerende Explosion im Hafen von Beirut fast 300.000 Menschen obdachlos. Zusätzlich wurden mehr als 160 Schulen teilweise oder ganz zerstört – mit verheerenden Auswirkungen auf mehr als 3.000 SchülerInnen. 

Die Caritas unterstützt im Libanon insgesamt mehr als 8.000 Kinder und Jugendliche über ihre Bildungsprogramme. Dort erhalten syrische Kinder sowie besonders vulnerable Kinder aus Libanon Zugang zu inklusiven Bildungsangeboten und psychosozialer Unterstützung.

Weitere Informationen über den Libanon und unserer Hilfe vor Ort.

Sicherheit, aber wenig Perspektiven für Schutzsuchende

  • Rund 1,3 Millionen SyrerInnen leben laut Schätzungen aktuell in Jordanien
  • In Jordanien haben knapp 100.000 Flüchtlingskinder keinen Zugang zu Bildung
  • Zugang zu humanitärer Hilfe ist für geflüchtete Menschen sehr begrenzt

Nach Schätzungen der Jordanischen Regierung beherbergt Jordanien derzeit rund 1,3 Millionen SyrerInnen (658.756 laut UNHCR als Flüchtlinge registriert). Etwa 83% von ihnen lebt in städtischen Gebieten, während sich die übrigen 17% auf drei große Lager (Zatari, EJ Camp und Azraq) verteilen. Nach wie vor haben Flüchtlinge nur begrenzten Zugang zu humanitärer Hilfe und erheblich eingeschränkte Möglichkeiten, ein Einkommen für ihre Familien zu erwirtschaften.

Auch in Jordanien setzen wir gemeinsam mit lokalen Caritasorganisationen Bildungsprojekte um, die Kindern aus geflüchteten Familien sowie vulnerablen jordanischen Haushalten Zugang zu qualitativ hochwertigen und inklusiven Bildungsmöglichkeiten bietet. Knapp 1.300 Kinder und Jugendliche nehmen an den Bildungsangeboten teil und erhalten Förderunterricht sowie frühkindlichen und inklusiven Bildungszugang. 

Weitere Informationen über Jordanien und unserer Hilfe vor Ort.

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