Puka liegt im Norden Albaniens. Die Region ist geprägt von bergigem Gelände, abgelegenen Dörfern und eingeschränktem Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen und Infrastruktur. Viele Familien leben in Armut. Rund 400 Haushalte – das sind etwa sieben Prozent aller Familien in der Gemeinde – beziehen Sozialhilfe. Besonders betroffen sind Frauen, Kinder, Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen und benachteiligte Gruppen.
Die Abwanderung, vor allem von Männern, hat Familienstrukturen zusätzlich geschwächt. Gleichzeitig erschweren tief verwurzelte Benachteiligungen die gesellschaftliche Teilhabe von Frauen. Viele von ihnen tragen große Verantwortung für ihre Familien, haben aber nur begrenzte Möglichkeiten, Unterstützung zu erhalten, sich weiterzubilden oder aktiv am Gemeindeleben teilzunehmen.
Eine wichtige Anlaufstelle für die Menschen in Puka
Das Gemeindezentrum „Today for the Future“ ist seit 2007 eine wichtige Anlaufstelle für Menschen in Puka. Es bietet soziale Basisdienste, Beratung und konkrete Hilfe im Alltag. Gleichzeitig setzt sich die Organisation für Rechte, Selbstbestimmung und stärkere Beteiligung in der Gemeinde ein.
Das aktuelle Projekt baut auf dieser langjährigen Arbeit auf. Ziel ist es, die Lebensbedingungen besonders benachteiligter Menschen in Puka zu verbessern – durch soziale Angebote, Gesundheitsvorsorge, Beratung, Bildungsangebote und Möglichkeiten zur aktiven Teilhabe.
650 Menschen erhalten gezielte Unterstützung
Die Unterstützung reicht von konkreter Hilfe im Alltag bis zu Bildungs- und Gemeinschaftsangeboten. Dazu gehören unter anderem:
- Gesundheitschecks, Beratung und medizinische Unterstützung
- Kindergartenbetreuung für Kinder im Rahmen des Angebots „Butterflies“
- Angebote für ältere Menschen und Familien, etwa „Warmer Kaffee – warmes Herz“
- Englisch-, Computer- und Kunstkurse für Kinder und Jugendliche
- Treffen und Workshops für Frauen und Jugendliche
- Aufklärungs- und Sozialprojekte in Schulen
- Sommercamps für Kinder und Jugendliche
- Unterstützung für benachteiligte Familien und Gruppen
- Gemeinschaftsaktionen sowie Sensibilisierungs- und Informationskampagnen
- Zusammenarbeit mit Behörden, Institutionen und lokalen Partnern
Was die Hilfe bewirkt
Die Angebote des Gemeindezentrums verbessern die Lebensqualität der unterstützten Menschen spürbar. Viele gewinnen mehr Selbstvertrauen, erleben weniger Belastung und nehmen stärker am sozialen Leben teil – besonders Frauen und ältere Menschen.
Regelmäßige Gesundheitschecks tragen zu einem besseren Wohlbefinden bei. Kinder entwickeln sich schulisch und sozial weiter. Familien erhalten gezielte Hilfe, und Jugendliche übernehmen Verantwortung, indem sie sich aktiv für besonders benachteiligte Menschen in ihrer Gemeinde einsetzen. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für Gleichstellung, Menschenrechte und die Bedeutung verlässlicher sozialer Unterstützung.
Fabjana – eine Stimme, die gehört werden will
Fabjana ist 13 Jahre alt und wurde mit Hör- und Sprachbehinderungen geboren. Sie wuchs in einem Zuhause auf, das von Stille und Entbehrungen geprägt war. Ihre Mutter ist alleinerziehend und arbeitet als Straßenreinigerin, um die Familie zu versorgen.
In der Schule wurde Fabjana ignoriert und verspottet, bis sie nicht mehr hinging. Erst im Jugendprogramm des Gemeindezentrums fand sie Akzeptanz. Sie lernte Gebärdensprache, entdeckte ihre Kreativität und traute sich erstmals, vor anderen zu sprechen.
Heute leitet Fabjana Aktivitäten für Kinder und inspiriert andere Mädchen mit Behinderungen. Dennoch braucht sie weiterhin dringend Hörgeräte und spezialisierte Therapien.
Familie Istrefi – Kleine Schritte, die Hoffnung geben
Die Familie Istrefi lebt in den Hügeln von Puka in einem baufälligen Haus ohne fließendes Wasser und ohne stabile Stromversorgung. Der Vater leidet an Epilepsie und einer psychischen Erkrankung. Die Mutter versorgt vier Kinder und eine bettlägerige Großmutter. Der sechsjährige Erjoni hat Entwicklungsverzögerungen und Epilepsie. Medikamente kann sich die Familie kaum leisten.
Durch das Projekt erhält die Familie wöchentliche Hausbesuche, Gesundheitschecks und psychosoziale Unterstützung. Für Erjoni bedeuten diese Besuche Zuwendung, Sicherheit und kleine Fortschritte – sichtbar etwa in einem ersten Lächeln.
Ein starkes Netzwerk für Puka
„Today for the Future“ ist einer der wichtigsten Akteure der Zivilgesellschaft in Puka. Die Organisation engagiert sich in den Bereichen Gemeindeentwicklung, Frauen- und Kinderrechte, Bürgerbeteiligung, Gewaltprävention und soziale Dienstleistungen. Dabei arbeitet sie eng mit öffentlichen Einrichtungen, lokalen Institutionen und Partnerorganisationen zusammen.