Flüchtlingshilfe Balkan

Nach wie vor erreichen Menschen auf der Flucht Griechenland und die Balkan-Länder um dort Schutz zu finden und nach Einschätzungen der Hilfsorganisationen werden diese Fluchtbewegungen auch nicht abebben. Mit der Hoffnung auf Schutz oder Aufnahme finden jedoch viele Flüchtlinge fehlende Unterstützungsmechanismen vor. Zusätzlich gibt es keine Entspannung in der Corona-Pandemie, was zusätzliche Herausforderungen mit sich bringt. 

Die Situation in den Balkanländern

In Albanien kamen im März 2021 deutlich mehr Schutzsuchende an, als in den Monaten Jänner und Februar 2021. Dies lag zu einen an den schlechten Wetterbedingungen der beiden Vormonate und an den Covid-Restriktionen in Griechenland. Kapshtica ist der Ort, an dem die meisten Flüchtlinge ankommen. Die meisten Schutzsuchenden stammen aus Marokko und Syrien. Caritas Albanien führte - im Rahmen der Erstversorgung - mit vielen in Albanien ankommenden Menschen Interviews, um mehr über die Hintergründe der Flucht zu erfahren. Aus den Interviews ging deutlich hervor, dass der größte Teil der in Albanien ankommenden Menschen Griechenland nur als ein Transitland ansah und dort auch keinen Asylantrag stellte. Die geflüchteten Menschen sehen keine Zukunft in Griechenland haben andere EU-Länder als Ziel. Im März 2021 haben nun erstmals wieder Schutzsuchende Albanien über die Küstenstadt Durres verlassen, um über die Adria nach Italien zu gelangen.

In Bosnien-Herzegowina kamen laut UNHCR im Februar 773 MigrantInnen und Asylsuchende irregulär an, darunter 13 unbegleitete oder von ihren Eltern getrennte Kinder (UASC). 689 Personen, die im Februar ankamen, äußerten die Absicht Asyl zu beantragen. 5.243 Asylsuchende und MigrantInnen waren Ende Februar in Aufnahmeeinrichtungen untergebracht, während schätzungsweise 2.000 Personen außerhalb der offiziellen Unterkünfte leben, hauptsächlich im Kanton Una-Sana. Bislang haben sich die lokalen Behörden schwer getan, die Grundbedürfnisse und Menschenrechte von Migranten im Land angemessen zu erfüllen. Die Situation würde ein Mehrebenenansatz- benötigen, wie dies auch während der Reisen der Caritas Österreich nach Bosnien-Herzegowina mit den Partnern erörtert wurde.

In Serbien sank die Anzahl der in den offiziellen Flüchtlingscamps registrierten Menschen von fast 7.000 auf 4.655 BewohnerInnen per Ende Februar 2021. Gleichzeitig berichtet das UNHCR über 2.300 neu ankommende Schutzsuchende seit Jahresanfang bis Ende Februar 2021.

In der lokalen Bevölkerung herrscht eine zunehmend aggressive Stimmung gegenüber den Gruppen junger Männer, die im Stadtbild wahrgenommen werden. Besonders in der Grenzstadt Sid komme es regelmäßig zu Protesten. Positiv ist zu vermerken, dass mittlerweile die ersten Flüchtlinge in den offiziellen Flüchtlingscamps die COVID-Vakzine erhalten haben und mittlerweile über 500 Menschen die Impfung beantragt haben.

 

 

Menschen auf der Flucht in den Balkanländern

In den Ländern des Westlichen Balkans wird die Flüchtlingshilfe nahezu ausschließlich von externen Akteuren, wie der UN oder der Caritas, finanziert bzw. umgesetzt und ist unabdingbar um die wichtigen Unterstützungsmaßnahmen für Flüchtlinge überhaupt aufrechterhalten zu können: Versorgung mit Nothilfegütern, Übersetzung, psychosoziale Aktivitäten, rechtliche Unterstützung, Hygienevorsorge, etc. Hieraus bedingt sich, dass in Zeiten von bereits existierenden Einschränkungen, aber insbesondere auch die wiederkehrenden Covid-bedingten Ausgangsbeschränkungen, Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit in den Flüchtlingscamps vorgebeugt werden können. Die der geflüchteten Menschen ist auch hier teils prekär.

So hilft die Caritas

Im Rahmen der Flüchtlingshilfe 2020 wurden (Stand März 2021) 450.000 Euro für die Länder des Balkans zur Verfügung gestellt. Alle Mittel sind in Projekten vergeben und befinden sich in Umsetzung. Über die unten angeführten Projekte erreicht die Caritas über 10.000 Personen mit den Partnerorganisationen in Albanien, Bosnien-Herzegowina und Serbien. 

 

Albanien

Die Caritas Albanien leistet humanitäre Hilfe, um Flüchtlingen im Norden Albaniens (vor ihrer Ausreise Richtung Montenegro oder Kosovo) essentielle Hilfe bereitzustellen. Im Norden Albaniens, entlang der beiden Orte Shkodra und Kukës, an denen die Flüchtlinge Albanien in Richtung Montenegro oder Kosovo verlassen, werden im Jahr 2021 insgesamt 400 Flüchtlinge eine Notunterkunft sowie 900 Flüchtlinge Nahrungsmittel bzw. warme Mahlzeiten erhalten. Ebenso können für 1.000 Personen Medikamente im Krankheitsfall gekauft und ebenso für 1.000 Menschen Hygiene- und Desinfektionsmaterialen verteilt werden.

 

Bosnien-Herzegowina

Seit 2015 unterstützt die Caritas Bosnien-Herzigowina mit den diözesanen Caritas Organisationen in Banja Luka und Mostar Flüchtlinge, die im Land gestrandet sind. Seit 2019 wird in Bira (bei Bihac) eine Wäscherei der Caritas Banja Luka betrieben, in der mit 3 Industriewaschmaschinen und Trocknern die Kleidung und Bettwäsche der LagerbewohnerInnen gewaschen wird. Seit der Räumung des Lagers Bira wird der Wäschereibetrieb weitergeführt, die Wäsche wird vom Lager Lipa abgeholt, in Bira gewaschen und wieder zurückgebracht. Ein großer Teil der ankommenden Menschen sind Männer, aber auch Jugendliche (Knaben bis 18 Jahre), die unter anderem aus Pakistan, Türkei oder dem Irak stammen.

Nach der Verschlechterung der Situation der Flüchtlinge im Dezember 2020 unterstützt die Caritas Österreich die Partner in Banja Luka dabei, über lokale Initiativen und das lokale Rote Kreuz die geflüchteten Menschen zu versorgen. So konnte die Lebensmittelversorgung (über das Rote Kreuz) verdoppelt werden, warme Jacken angekauft und verteilt, sowie Flüchtlinge mit Lebensmitteln und medizinischem Material versorgt werden. In Zusammenarbeit mit dem Sozialamt in Bihac erhalten lokale vulnerable Familien Lebensmittelgutscheine und Brennholz. Für die Hilfe nach dem Brand unterstützen die Caritas Graz und Caritas Österreich die Caritas  Bosnien-Herzegowina sowie Caritas Banja Luka mit 180.000 Euro und weitere Aktivitäten sind in Planung.

 

Serbien

In Serbien konzentriert sich die Caritas auf psychosoziale Unterstützung und den Betrieb von Wäsche- und Trockernservices in insgesamt sieben offiziellen Flüchtlingscamps. Diese Aktivitäten werden gemeinsam mit Caritas Italiana, der Italienischen Bischofskonferenz und Caritas Espanola finanziert und laufen noch bis Ende August 2021. Für die Zeit danach stellte die Italienische Bischofskonferenz bereits eine Folgefinanzierung in Aussicht.   In den offiziellen Flüchtlingscamps begleiten und unterstützen täglich Caritas-Mitarbeitende (PsychologInnen, SozialarbeiterInnen, eine Übersetzerin und Animateure mit unterschiedlichen Angeboten) die Menschen auf der Flucht. Für drei weitere Camps organisieren MitarbeiterInnen der Caritas den täglichen Wäsche- und Trocknerservice.