Flüchtlingshilfe Balkan

Drei Autostunden von Österreich entfernt müssen geflüchtete Menschen obdachlos im Schnee übernachten, können ihren Wohnraum nicht beheizen oder haben nicht genug zu essen. Die Caritas bittet dringend um Spenden.

Bosnien-Herzegowina: Flüchtlingsdrama vor der Haustür

Es ist bereits der dritte Winter, in dem sich die Situation in Bosnien-Herzegowina dramatisch zuspitzt. Menschen, eingehüllt in dünne Baumwolldecken, ohne Winterjacke und barfuß in Sandalen im Schnee und bei eisigen Temperaturen: Bilder wie diese gingen in den vergangenen Tagen erneut um die Welt. Sie zeigen Geflüchtete, die in Bosnien-Herzegowina gestrandet sind, einem Land, in dem ein Fünftel der Bevölkerung selbst in Armut lebt.

Allein in Una Sana, dem nordwestlichsten Kanton des Landes, der kaum drei Autostunden von Österreich entfernt ist, sollen sich aktuell ca. 6.000 Geflüchtete aus Pakistan, Afghanistan, Syrien und anderen Krisengebieten aufhalten. Dass hunderte von ihnen kein Dach über dem Kopf haben, in Wäldern leben und selbst bei Schnee im Freien übernachten müssen, ist beschämend.

"Zu Weihnachten wurden hunderte Menschen in die Obdachlosigkeit und damit sich selbst überlassen. Unser Land ist mit der Situation überfordert. Aber was es jetzt akut braucht, ist Soforthilfe für Menschen, die zu wenig haben, um unbeschadet durch die nächsten Tage und den Winter zu kommen", appelliert Miljenko Aničić, langjährige Direktor der Caritas Banja Luka.

Weitere Informationen zur aktuellen Situation in Bosnien Herzegowina finden Sie hier. 

Brand im Lager Lipa in Bosnien-Herzegowina

Der verheerende Brand im Lager Lipa in der Nähe der bosnischen Stadt Bihac hat fast die gesamte Infrastruktur beschädigt. Das von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) betriebene Lager musste laut Angaben von IOM auf Grund der unzureichenden Bedingungen, die keine adäquate Betreuung über die Wintermonate ermöglichen, geschlossen werden, weshalb sich zum Zeitpunkt des Brandes kaum mehr Menschen im Camp befanden.

So hilft die Caritas

Aktuell werden Notverteilungen von der Caritas organisiert. Wer keinen Platz in den Aufnahmezentren findet und bei Schnee und eisig kaltem Wind im Freien übernachten muss, erhält warme Bekleidung, Winterschuhe und einen Schlafsack, der vor Kälte schützt. Für Menschen auf der Flucht hat die Caritas Banja Luka ein Wäsche-Service in einer Wäscherei eingerichtet und versorgt die Geflüchteten auch in den umliegenden Flüchtlingslagern mit sauberer Bettwäsche und mit Bekleidung.

Seit fast 30 Jahren unterstützt die Caritas Menschen in Bosnien-Herzegowina. Caritas Linz und Caritas Graz setzen vor Ort Pflegeprojekte für ältere und für an Demenz erkrankte Menschen und deren Angehörige um. Für Jugendliche und junge Erwachsene hat die österreichische Caritas ein Beschäftigungsprojekt ins Leben gerufen. Für bosnische Kinder aus sozial benachteiligten Familien gibt es Kindertagesstätten, außerdem seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie Unterstützung beim Distance Learning sowie Essens- und Hygiene-Pakete. Besonders im Winter wird bedürftigen Familien mit Brennholz und mit Lebensmittelgutscheinen geholfen.

Menschen auf der Flucht in den Balkanländern

In den Ländern des Westlichen Balkans wird die Flüchtlingshilfe nahezu ausschließlich von externen Akteuren, wie der UN oder der Caritas, finanziert bzw. umgesetzt und ist unabdingbar um die wichtigen Unterstützungsmaßnahmen für Flüchtlinge überhaupt aufrechterhalten zu können: Versorgung mit Nothilfegütern, Übersetzung, psychosoziale Aktivitäten, rechtliche Unterstützung, Hygienevorsorge, etc. Hieraus bedingt sich, dass in Zeiten von bereits existierenden Einschränkungen, aber insbesondere auch die wiederkehrenden Covid-bedingten Ausgangsbeschränkungen, Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit in den Flüchtlingscamps vorgebeugt werden können. Die der geflüchteten Menschen ist auch hier teils prekär.