Hungerkatastrophe Ostafrika: "Noch nie so großes Leid gesehen"

20.03.17

Nach mehr als einem Jahr ohne Regen droht Millionen Menschen in Ostafrika der Hungertod.

"Ich habe so ein großes Leid noch nie gesehen", berichtet die oberösterreichische Caritas-Helferin Miriam Ebner im APA-Gespräch aus Nordkenia. "Mittlerweile sterben auch schon die Kamele, und das ist die höchste Alarmstufe. Denn wenn die Kamele sterben, dann sterben auch die Menschen." Auf ihrer Fahrt durch die nordkenianische Region Marsabit habe sie "dutzende" verendete Kamele gesehen. Viele Menschen seien "kurz vor dem Sterben", sagte die als Helferin in Uganda, Bangladesch, Haiti und griechischen Flüchtlingslagern erprobte Caritas-Mitarbeiterin. Es sei ein "beklemmendes Gefühl", die hungernden Menschen zu sehen, "weil es etwas ist, was nicht sein muss und leicht zu beheben wäre".

 

Die Vereinten Nationen hatten in der Vorwoche vor 20 Millionen Hungertoten in Jemen sowie den afrikanischen Staaten Nigeria, Südsudan und Somalia gewarnt. Zwischen den beiden Krisenländern Südsudan und Somalia liegt Marsabit County, wo Ebner und ihr niederösterreichischer Kollege Rafael Thurn-Valsassina seit der vergangenen Woche für die Caritas im Einsatz sind. "Ganz Marsabit County ist ausgetrocknet, man sieht nur noch eine Steinwüste", schilderte die Caritas-Helferin die Lage in der von 300.000 Menschen bewohnten nordkenianischen Region. In den Dörfern strandeten immer mehr Nomaden, die es nicht mehr zu den wenigen bestehenden Wasserstellen schafften. "Viele sitzen fest und können nicht mehr, weil sie keine Tiere mehr haben." 70 bis 80 Prozent ihres Viehs seien verendet. Bei ihrer Fahrt durch die Region habe sie auch dutzende Tote Kamele am Wegesrand gesehen, sagte Ebner.

 

"Wir brauchen ganz dringend finanzielle Mittel", appellierte Ebner an Spenden für den Ankauf von Nahrungsmittelpaketen. Mit 16 Euro könne eine sechsköpfige Familie eine Woche lang ernährt werden.


Man versuche auch, den Bewohnern das Vieh abzukaufen, doch sei das nicht immer möglich. "Viele Tiere schauen sehr schlecht aus, haben einen aufgeblähten Bauch und sind voller Krankheiten. Man kann dieses Fleisch nicht mehr essen." Ohne internationale Hilfe schaffen es die Menschen nicht mehr bis zur Regenzeit, die Ende April erwartet werde. Wobei die Wettervorhersagen einen Ausfall der Niederschlagsperiode befürchten lassen, sagte Ebner. Besonders stark betroffen seien Ältere und Kinder, die mitunter schon seit einem Jahr mangelernährt sind. "Eine ganze Generation trägt hier Schäden davon. "Dennoch sei die Lage "nicht völlig hoffnungslos". Es gebe nämlich viele große internationale Akteure, die helfen könnten. Allerdings lassen sie zumindest in Nordkenia noch auf sich warten. Von einem anlaufenden großen Hilfseinsatz habe sie nichts bemerkt, sagt die Caritas-Helferin auf die entsprechende Frage. 

 

Quelle: APA

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