Die Katastrophe schlägt im Südsudan zweimal zu

13.04.17

Helene Unterguggenberger bei einem Besuch in einem Flüchtlingslager im Südsudan

Hilfsorganisationen appellieren seit Monaten: Die Situation im jüngsten Staat der Welt, dem Südsudan, ist äußerst prekär, 100.000 Menschen sind derzeit unmittelbar vom Hungertod bedroht. Während meinem Einsatz im Südsudan sehe ich es mit eigenen Augen: Hier hat die Krise doppelt zugeschlagen.

Von Helene Unterguggenberger. Dieser Beitrag ist Teil des Blogs "Hautnah am Hunger".

 

Warum doppelt? Ganz einfach: Einerseits sind 12,5 Millionen Menschen von einer Hungersnot betroffen, die die gesamte Region Ostafrika (Somalia, Äthiopien, Uganda, Kenia) aufgrund der lang anhaltenden Dürre erlebt. Andererseits herrscht ein Bürgerkrieg, der jeden Tag tausende Opfer fordert. Besonders instabil ist der Norden, aber alle Regionen sind von laufenden Ausschreitungen betroffen. Es herrscht überall Unsicherheit.

Ich halte mich derzeit im Süden des Landes auf. Im Bundesstaat Eastern Equatoria im Südwesten sind durchschnittlich zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung akut unter- bzw. mangelernährt. Besonders die Kinder weisen ganz massive Zeichen von Mangel- und Unterernährung auf. Im Bundesstaat Unity wird ein Großteil der Regionen von der internationalen Gemeinschaft als "humanitärer Notfall" eingestuft.

Eine Mutter füttert ihr Kind

Viele Kinder in den Flüchtlingslagern sind mangel- oder unterernährt.

Mangos und Manoik-Brei für Mütter und Kinder

In den Flüchtlingslagern, die auch von uns unterstützt werden, sind bereits Kinder gestorben. Der Überlebenskampf der Mütter für ihre Kinder ist ungemein dramatisch. Für die meisten Menschen in den Flüchtlingslagern sind Mangos das einzige Nahrungsmittel, ab und zu gibt es eine Schlüssel Maniok-Brei.

 

Kämpfe im Norden seit Ende 2013

Eine noch größere Herausforderung für die Hilfsorganisationen ist aber der Norden. Dort können in manchen Gebieten Nahrungsmittel nur mehr via Hubschrauber abgeworfen werden, sie sind vom Krieg am stärksten betroffen. Die Kämpfe toben bereits seit Ende 2013, nachdem ein Machtkampf zwischen dem Präsidenten Salva Kiir, der der Volksgruppe der Dinka angehört, und dessen Kontrahenten und ehemaligen Stellvertreter Riek Machar, ein Nuer, eskalierte. Die Nuer fühlen sich von der bevölkerungsstärkeren Gruppe der Dinka seit Jahren diskriminiert.

Afrikanische Kinder in einer Schulklasse

Ein wichtiger Teil der Hilfe: In den Flüchtlingslagern werden die Kinder und Jugendlichen weiterhin unterrichtet.

Wir müssen Zukunftsperspektiven bieten

Was die Menschen hier brauchen ist jetzt auf jeden Fall humanitäre Hilfe. Wir müssen den Leuten hier aber auch Zukunftsperspektiven bieten. Wir setzen uns deshalb für Bildungsförderung von Tausenden vertriebenen Kindern in Flüchtlingscamps ein, damit diese Zeit für sie nicht verloren ist.

Klar ist bei allen Projekten, die wir umsetzen: Langfristig braucht es Friede und ein Ende der Gewalt, vor allem der Gewalt gegen Frauen und Kinder.

(Hier könnt ihr noch mehr über die Hungersnot im Südsudan nachlesen.)

Über die Autorin - Helene Unterguggenberger

Seit 20 Jahren für die Auslandshilfe der Caritas tätig mit zahlreichen Vor-Ort-Einsätzen. Zuständig für die von der Caritas finanzierten Programme im Südsudan. Koordiniert zudem den Caritas-Schwerpunktbereich „Zukunft ohne Hunger“. Seit 2016 Vorstandsvorsitzende der AG Globale Verantwortung, Dachverband für Entwicklungszusammenarbeit und Humanitäre Hilfe der österreichischen Hilfsorganisationen.